Pottwal-Strandung auf Sylt: Tintenfisch-Mahlzeit und Parasiten im Speck enthüllt
Sylt-Pottwal: Tintenfisch im Magen, Parasiten im Speck

Pottwal-Strandung auf Sylt: Laboranalysen enthüllen Details

Vor einem Jahr wurde der Kadaver eines 14,3 Meter langen Pottwals vor Hörnum auf Sylt geborgen. Nach umfangreichen Laboruntersuchungen liegen nun die Ergebnisse vor, die Einblicke in das Leben und den Gesundheitszustand des Meeressäugers geben.

Bergung und Zerlegung unter schwierigen Bedingungen

Die Bergung des 10 bis 15 Tonnen schweren Wals im Februar 2025 gestaltete sich äußerst schwierig. Fachleute benötigten zwei Tage, um den bereits stark verwesten Kadaver mit Kettensägen und Baggern zu zerlegen. Trotz des intensiven Gestanks verfolgten zahlreiche Schaulustige die Arbeiten am Strand nahe des Hörnumer Hafens.

Die zerteilten Walteile wurden in speziellen Containern per Autozug zur Tierkörperbeseitigung nach Jagel transportiert. Vorher entnahmen Wissenschaftler Proben, die im rund 70 Kilometer entfernten Büsum sowie an der Universität Lüttich in Belgien analysiert wurden.

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Ernährung und Gesundheitszustand des Wals

Joseph Schnitzler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), erklärte: „Aufgrund des weit fortgeschrittenen Verwesungszustands konnten viele innere Organe nicht mehr zuverlässig beurteilt werden.“ Dennoch lieferten die verbliebenen Proben wertvolle Informationen.

In einem der vier Mägen fanden die Forscher Reste der letzten Mahlzeiten des Wals:

  • Fischbestandteile
  • Mehrere Tintenfischschnäbel

Dies bestätigt die typische Ernährung von Pottwalen, die sich hauptsächlich von Tintenfischen und Fischen ernähren.

Parasiten und Schadstoffbelastung

Im Unterhautfettgewebe wurde ein Parasitenbefall festgestellt, der bei wildlebenden Meeressäugern jedoch nicht ungewöhnlich ist. Besonders auffällig waren die hohen Quecksilberwerte in der Leber des Wals, was bei großen, langlebigen Meeressäugern zur Anreicherung von Schwermetallen führen kann.

Die Analyse von Gewebeproben ermöglichte Rückschlüsse auf den Lebensraum: „Beim Sylt-Pottwal zeigten die Werte eine deutliche Anreicherung von Stickstoffisotopen – typisch für Räuber an der Spitze des marinen Nahrungsnetzes“, so Schnitzler. Der Wal jagte demnach hauptsächlich in tiefen, ozeanischen Gewässern.

Todesursache und Ausstellung des Unterkiefers

Eine eindeutige Todesursache konnte aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands nicht mehr festgestellt werden. Experten vermuten jedoch, dass der Walbulle an seinem eigenen Gewicht erstickte, als er in flachen Tidengewässern strandete.

Der präparierte Unterkiefer des Wals ist seit Ende Januar im Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt ausgestellt. Die wertvollen Elfenbeinzähne wurden durch Kunststoffzähne ersetzt, um Diebstahl vorzubeugen. Nach einem Umbau soll das Exponat 2028 in einer neuen Ausstellung gezeigt werden, wobei dann auch die Originalzähne hinter Glas zu sehen sein sollen.

Wal-Strandungen in Nord- und Ostsee

Die Strandung des Pottwals auf Sylt ist kein Einzelfall. Im Jahr 2025 wurden allein vor Sylt drei Großwal-Kadaver geborgen:

  1. Pottwal im Februar
  2. Schnabelwal im August
  3. Zwergwal im Juni

Zusätzlich werden jedes Jahr mehrere tote Schweinswale an den Stränden der Insel angespült. Auch in der Ostsee häufen sich Wal-Sichtungen, darunter Buckelwale vor Rügen und Ahrenshoop sowie Belugas und Narwale in den vergangenen Jahrzehnten.

Die Schadstoff-Analyse des Sylt-Pottwals soll fortgesetzt werden. Geplant ist eine größere Meta-Analyse mit Proben früherer Walfunde, um langfristige Trends in der Belastung von Meeressäugern zu erforschen.

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