Thermen-Ranking 2026 offenbart extreme Unterschiede in Norddeutschland
Ein umfassendes Thermen-Ranking des Vergleichsportals Testberichte.de zeigt deutliche Qualitätsunterschiede bei Badeeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpemmern und Brandenburg. Die Analyse basiert auf 1,7 Millionen Online-Bewertungen von 600 Thermen und Schwimmbädern in ganz Deutschland und präsentiert sich als Deutschlands umfangreichstes Ranking in diesem Bereich.
Extreme Gegensätze: Von Geldvernichtungsmaschine bis Spitzenreiter
Die Ergebnisse für den Nordosten Deutschlands fallen äußerst unterschiedlich aus. Während die Kristall Kur- & Grandiertherme in Bad Wilsnack mit stolzen 4,5 Sternen die regionale Spitze anführt, belegt die Bernsteintherme Zinnowitz mit nur 2,7 Sternen den letzten Platz im gesamten Ranking. Die Nutzerbewertungen in beiden Bundesländern bewegen sich insgesamt zwischen 2,7 und 4,4 Sternen.
Betreiber Tim Dornbusch von der Bernsteintherme Zinnowitz bezeichnet sein Bad selbst als Geldvernichtungsmaschine und erklärt: „Mit der Therme lässt sich kein Geld verdienen.“ Die Einrichtung, die 1998 geschlossen und bis 2001 für rund 28 Millionen Mark saniert wurde, richtet sich primär an Hotelgäste. Tagesbesucher zahlen für den Eintritt von 10 bis 21 Uhr stolze 32 Euro.
Kritikpunkte und Rechtfertigungen
Die häufigsten Kritikpunkte an der Bernsteintherme betreffen:
- Fehlendes Personal im Eingangsbereich
- Als zu kalt empfundene Wasser- und Lufttemperaturen
- Unübersichtliche Badestruktur
- Fehlendes gastronomisches Angebot
Dornbusch verteidigt sein Konzept: „Die Lufttemperatur liegt bei 34 Grad, das Thermenwasser hat 32 Grad und das Salzwasser erreicht 28 Grad. Dieses Konzept hat sich bewährt.“ Zum Personalmangel erklärt er, dass sich der Einsatz von Personal am Eingang für die wenigen Tagesgäste nicht lohne – stattdessen übernehme ein Automat diese Aufgaben.
Die regionalen Spitzenreiter im Detail
Die Kristalltherme Bad Wilsnack belegt mit 4,5 Sternen nicht nur den 37. Platz im bundesweiten Ranking, sondern setzt auch regionale Maßstäbe. Die Auswertung basiert auf 6.400 Bewertungen vom Februar 2026. Das Bad bietet auf fast 12.000 Quadratmetern:
- Einen einzigartigen Salzsee mit 24% Sole und Mini-Gradierwerk
- Acht Themensaunen (drei innen, fünf außen)
- Ein Natursolebecken mit variierendem Solegehalt
- Osmanischen Hamam und zwei Dampfbäder
Eine Tageskarte, die alle Angebote umfasst, kostet hier 42 Euro.
Das Freizeitbad Greifswald erreicht als bester Vertreter Mecklenburg-Vorpommerns 4,4 Sterne und positioniert sich auf Platz 123. Erwachsene zahlen für eine Tageskarte 16 Euro, wobei die Sauna separat bezahlt werden muss. Die Einrichtung verfügt über:
- Ein 25-Meter-Sportbecken mit Sprungbecken
- Ein Variobecken mit behindertengerechter Ausstattung
- Außenbecken für warme Monate
- Finnische Trockensauna, Tauchbecken und Dampfbad
Bundesweite Vergleichswerte und Durchschnittsbewertungen
Die durchschnittliche Bewertung aller 612 analysierten Thermen und Saunen beträgt 4,2 Sterne. Einrichtungen mit Bewertungen ab 4,3 Sternen werden von Gästen als überdurchschnittlich gut wahrgenommen. Bundesweit erzielen das Vabali Spa Berlin (Platz 15), das Vabali Spa Hamburg (Platz 17) und die Spreewald-Therme in Burg (Platz 16) mit jeweils 4,6 Sternen die besten Ergebnisse.
Die Spreewald-Therme übernimmt mit dieser Bewertung sogar den Titel des bestbewerteten großen Schwimmbads in ganz Deutschland und verdrängt damit die Obermain-Therme im bayerischen Staffelstein von der Spitzenposition.
Regionale Unterschiede in der Gesamtbetrachtung
Während Brandenburg mit der Kristalltherme Bad Wilsnack einen echten Spitzenreiter vorweisen kann, zeigt Mecklenburg-Vorpommern mit dem Freizeitbad Greifswald (4,4 Sterne, Platz 123) solide, aber nicht herausragende Ergebnisse. Die Templiner Therme belegt mit 4,2 Sternen den 283. Platz im bundesweiten Vergleich.
Interessant ist der Vergleich mit anderen Bundesländern: In Bremen erreicht das bestbewertete Bad lediglich den Durchschnittswert von 4,2 Sternen und landet auf Platz 349. In Sachsen-Anhalt führt das Solequell Bad Salzelmen mit 4,4 Sternen die Liste an und sichert sich Platz 101 bundesweit.
Das Ranking zeigt deutlich, dass Thermenbetreiber unterschiedliche Strategien verfolgen – während einige auf Hotelgäste spezialisiert sind und Tagesbesucher höhere Preise zahlen lassen, setzen andere auf breite Attraktivität und erreichen damit bessere Bewertungen.



