Eskalation um den Ostsee-Wal: Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe
Die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies hat nach ihrer Rückkehr von der Rettungsaktion für einen Buckelwal in der Ostsee schwere Vorwürfe gegen die Schiffsbesatzung erhoben. In der Nacht zum Montag erreichte sie erschöpft, aber erleichtert den Hafen von Cuxhaven. Vor den wartenden Kameras schilderte sie ihre Erlebnisse der vergangenen Tage, die sie als „beängstigend“ und „enttäuschend“ beschrieb.
Allein unter zehn Männern: Einschüchterung und Misstrauen
Dr. Tönnies war die einzige Frau an Bord der „Fortuna B“ und fühlte sich von der Crew isoliert. Sie berichtete, dass die Männer sie beschuldigten, vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben. „Es war mulmig, sie dachten ununterbrochen, ich hätte sie verraten“, sagte die Tierärztin. Der Kapitän habe vor Wut gezittert und gedroht, sie in Arrest zu nehmen. Die Crew habe schließlich nicht mehr mit ihr gesprochen. Aus Angst habe sie sich nachts in ihrer Kabine eingeschlossen.
Vorwürfe gegen die Rettungsaktion: „Sie haben versagt“
Obwohl Dr. Tönnies die fachliche Arbeit der Crew lobte, kritisierte sie die Freilassung des Wales scharf. „Bei der Entladung des Wales haben sie versagt“, erklärte sie. Die Aktion sei völlig aus dem Ruder gelaufen. Sie sei die Einzige gewesen, die protestiert habe, als die Männer zurückkamen und stolz verkündeten, den Wal befreit zu haben. „Männer. Ihr Ego“, kommentierte sie. Zudem zitierte sie eine Aussage an Bord: „Endlich, das Mistvieh ist jetzt weg, das ist die Hauptsache, nächstes Projekt.“ Dabei seien eigentlich andere Schritte schriftlich vereinbart gewesen.
Unklare Kommunikation und fehlende Aufnahmen
Dr. Tönnies war bei der Freilassung nicht anwesend. Es existieren keine Videoaufnahmen, die zeigen, wie der Wal das Schiff verließ. Sie wisse nicht, wo sich das Tier seit der Freilassung befinde, und habe keinen Zugriff auf den GPS-Tracker. Die Anwältin der Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, erklärte, man kläre derzeit, ob der Tracker beschädigt worden sei.
Polizeieinsatz am Hafen
Die Situation eskalierte weiter, als der Kapitän zwischenzeitlich den Kurs änderte und den Tracker abschaltete. Im Hafen von Cuxhaven tauchte Polizei auf, die auf Anforderung der Schiffsbesatzung aus Angst vor Aktivisten vor Ort war. Dr. Tönnies zeigte sich erleichtert, endlich an Land zu sein, und äußerte sich besorgt über das Wohlergehen des Wales.



