Transportstreit eskaliert: Tausende Patienten in MV ohne Krankenfahrten ab April
Transportstreit: MV-Patienten ohne Krankenfahrten ab April

Eskalation im Krankentransport: Tausende Patienten in Mecklenburg-Vorpommern betroffen

Nach monatelangen, ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem Taxigewerbe und den Krankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern kommt es ab dem 1. April zu massiven Einschränkungen bei Krankenfahrten. Die Taxiunternehmen haben angekündigt, ohne eine Tarifeinigung vorübergehend alle Transporte für Patienten einzustellen, was insbesondere chronisch Kranke und mobilitätseingeschränkte Personen schwer treffen wird.

Gescheiterte Verhandlungen und sofortige Konsequenzen

Maik Göricke, Vorstandsmitglied des Landesverbandes des Taxi- und Mietwagengewerbes MV, bestätigte am Dienstag nach zweitägigen Verhandlungen, dass beide Seiten die Gespräche für gescheitert erklärten. Ohne eine neue Tarifvereinbarung fehle den Unternehmen die rechtliche Grundlage für die Abrechnung mit den Krankenkassen, begründete er die drastische Maßnahme. In Regionen wie Schwerin, Neubrandenburg, Rostock, Stralsund, der Mecklenburgischen Seenplatte und Vorpommern-Rügen werden in den kommenden Wochen erhebliche Ausfälle erwartet.

Betroffene Patientengruppen und Versorgungsengpässe

Von den Streikmaßnahmen sind vor allem Patienten betroffen, die regelmäßig Transporte ohne medizinisches Fachpersonal benötigen. Dazu zählen:

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  • Dialysepatienten
  • Personen mit Chemo- oder Strahlentherapien
  • Patienten mit ambulanten Behandlungen
  • Entlassungsfahrten nach Krankenhausaufenthalten

Nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) werden in Mecklenburg-Vorpommern knapp 80 Prozent aller Krankentransporte ohne medizinische Begleitung von Taxiunternehmen durchgeführt. Diese Zahl unterstreicht das enorme Ausmaß der bevorstehenden Versorgungsprobleme.

Verhandlungspositionen und finanzielle Aspekte

Das Taxigewerbe fordert eine zweistellige Tariferhöhung und eine Angleichung der Vergütungen an das Niveau anderer Bundesländer. Bisher seien in MV die niedrigsten Sätze für Krankenfahrten gezahlt worden, kritisierten die Unternehmen. Angesichts stark gestiegener Kosten für Sprit, Fahrzeuge, Reparaturen und Löhne seien die aktuellen und angebotenen Tarife nicht mehr kostendeckend.

Die Krankenkassen hatten in den letzten Verhandlungsrunden durchschnittlich zehn Prozent höhere Vergütungen angeboten, nachdem sie zunächst nur etwa fünf Prozent Steigerungen in Aussicht gestellt hatten. Die vom Landesverband geforderte Erhöhung um 80 Prozent lehnten die Kassen als untragbar ab – sie würde allein in MV die Kosten um 60 Millionen Euro für das Jahr 2026 erhöhen.

Reaktionen und alternative Lösungsansätze

Die Krankenkassen zeigten sich enttäuscht über das Scheitern der Verhandlungen und warfen dem Landesverband vor, mit einem „Pokerspiel“ die Versorgung lebensbedrohlich erkrankter Menschen zu gefährden. AOK Nordost-Bereichsleiter Tom Forbrich forderte die Taxiunternehmen auf, sich nicht an den Streiks zu beteiligen.

Als Alternative bieten die Kassen ab April Einzelvereinbarungen in Höhe des letzten Tarifangebots an. Bereits die Hälfte der Unternehmen in MV hat dieses Angebot angenommen, teilten die Kassen mit. Claudia Straub, Leiterin der vdek-Landesvertretung MV, sicherte betroffenen Patienten Unterstützung zu: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um geplante Fahrten umzusteuern.“

Existenzbedrohung für das Taxigewerbe

Guido Sembach, Verbandschef und Unternehmer, machte in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg auf die prekäre Lage aufmerksam: „Wir stehen kurz vor dem Kollaps.“ Die derzeitigen Vergütungen lägen wirtschaftlich weit unter null. Krister Hennige, Präsident der IHK Neubrandenburg, sieht sogar „das Geschäftsmodell Taxi im ländlichen Raum bedroht“.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den vergangenen 25 Jahren haben mehr als 500 Taxi- und Mietwagenunternehmer in ganz Mecklenburg-Vorpommern ihr Gewerbe aufgegeben – das entspricht etwa 60 Prozent aller Betriebe. Diese Entwicklung unterstreicht die strukturellen Probleme der Branche, die durch die aktuellen Tarifstreitigkeiten weiter verschärft werden.

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Patienten, die ab dem 1. April Krankenfahrten benötigen, werden aufgefordert, sich direkt an ihre Krankenversicherung zu wenden, um alternative Transportmöglichkeiten zu organisieren. Die Kassen betonen ihre fortgesetzte Gesprächsbereitschaft, während die Taxiunternehmen auf eine nachhaltige Lösung drängen, die ihre wirtschaftliche Existenz sichert.