Warnemünder Sonnenuhr: Ein historischer Zeitmesser erzählt Geschichte
Im Heimatmuseum Warnemünde werden nicht nur Objekte, sondern auch Geschichten und Identität der Küstenregion bewahrt. Eines der bedeutendsten Exponate ist die historische Sonnenuhr der alten Warnemünder Fischerkirche, die noch heute – bei Sonnenschein – die Zeit anzeigt.
Von der Kirchenwand in den Museumsbestand
Die alte Warnemünder Kirche stand seit dem 15. Jahrhundert am Alten Strom, bevor sie 1872 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. An ihrer Südseite befand sich die Sonnenuhr: eine eingelassene Steinplatte mit präzisen Stundenlinien und einem Metallstab, dem sogenannten Gnomon oder Schattenwerfer. Beim Abriss der Kirche wurde dieses historische Stück geborgen und findet sich heute im Hof des Warnemünder Heimatmuseums.
Christoph Wegner, Leiter des Warnemünder Heimatmuseums, und der in Warnemünde geborene Heimatforscher Professor Horst D. Schulz haben diese besonderen Warnemünder Schätze hervorgehoben. „Die Sonnenuhr diente Fischern, Lotsen und Bewohnern als tägliche Zeitangabe“, erklärt Schulz. Bis 1893 galt in Warnemünde die lokale Sonnenzeit, erst danach wurde die mitteleuropäische Zeit eingeführt.
Zeitmessung mit natürlichen Grenzen
Die im Museums-Hof an einer nach Süden ausgerichteten Wand angebrachte Sonnenuhr zeigt bei Sonnenschein einigermaßen korrekt die jeweilige Ortszeit an. Absolute Minuten-Genauigkeit darf allerdings nicht erwartet werden, denn dafür müsste die Uhr exakt auf den Winkel der Gebäudeausrichtung angepasst werden. „Vielleicht nahmen die Warnemünder damals die Minuten nicht ganz so wichtig wie heute“, vermutet Schulz mit einem Augenzwinkern.
Mechanische Uhren, die später die Sonnenuhren an mecklenburgischen Kirchen ablösten, bieten zwar größere Präzision und funktionieren auch bei Regen und Dunkelheit. Doch die Sonnenuhr hatte ihren eigenen Charme: Sie verband die Menschen stärker mit der Natur und dem Lauf der Sonne.
Ein Stück gelebter Heimatgeschichte
Heimat ist mehr als nur ein geografischer Ort – sie umfasst Erinnerungen, Identität und gelebte Gemeinschaft. Das Warnemünder Heimatmuseum bewahrt genau diese Elemente. Die Sonnenuhr steht symbolisch für eine Zeit, in der das Leben noch stärker von natürlichen Rhythmen geprägt war.
Professor Horst D. Schulz, der als Meeresforscher häufig den Südatlantik untersucht hat, betont in seinen lokalhistorischen Texten die Bedeutung solcher Artefakte. Die Sonnenuhr ist nicht nur ein technisches Relikt, sondern ein Zeugnis der Alltagskultur vergangener Generationen.
Das Museum sammelt weiterhin Hinweise auf weitere Warnemünder Schätze. Wer Objekte oder Geschichten beisteuern möchte, kann sich per E-Mail an die angegebenen Kontakte wenden. So wächst die Sammlung stetig und bewahrt das kulturelle Erbe für kommende Generationen.



