Waschbären kehren nach Stavenhagen zurück: Neue Plage in der Innenstadt
In der malerischen Stadt Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern sorgen Waschbären erneut für erhebliche Unruhe in der Innenstadt. Nach einer scheinbar erfolgreichen Bekämpfung im vergangenen Sommer mehren sich nun erneut die Hinweise auf die possierlichen, aber problematischen Raubtiere. Die Stadtverwaltung hat bereits reagiert und erneut Lebendfallen aufgestellt, doch bislang ist noch kein Tier in die Fallen gegangen.
Anwohner melden erneute Sichtungen in der Ivenacker Straße
Besorgte Anwohner der Ivenacker Straße haben sich an den Linkenpolitiker Edgar Golisch gewandt und von erneuten Waschbären-Sichtungen berichtet. Die Situation erinnert stark an den vergangenen Sommer, als sich die Kleinbären auf einem verlassenen Grundstück in derselben Straße eingenistet hatten. Das Grundstück, das bis an die Webergasse heranreicht, bietet mit seinen großen Scheunen ideale Versteckmöglichkeiten für die Tiere. Während die Waschbären sich dort offenbar wohlfühlen, bereiten ihre nächtlichen Besuche den Anwohnern erhebliche Ängste.
Ordnungsamtsleiterin Anja Vonthien bestätigte die erneuten Maßnahmen: „Wir haben wieder Fallen aufgestellt“, erklärte sie. Die Lösung des Problems gestaltet sich jedoch schwierig, da es sich um ein Privatgrundstück handelt. Für jeden Zugang muss die Einwilligung des Verwalters eingeholt werden. Bisher sei noch kein Tier in die Falle gegangen, sodass unklar bleibt, ob tatsächlich wieder Waschbären in der Innenstadt leben.
Kontroverse um den Umgang mit den invasiven Tieren
Martin Rosch, Vorsitzender des Jagdverbandes Demmin, übt scharfe Kritik am bisherigen Vorgehen. „Ein Jäger mit Verantwortung hätte den Waschbären nicht freigelassen“, betont er. Der Waschbär gilt als invasive Art, die heimische Flora und Fauna schädigt, indem sie alles frisst, was sie erwischen kann – von Kröten bis zu Vogeleiern. Nach EU-Recht müssen solche Tiere entnommen, also getötet werden. Das Aussetzen sei strikt verboten.
Rosch erklärt, dass Waschbären als Kulturfolger vermehrt in städtische Gebiete ziehen. Wenn ein Revier frei wird, besetzt es schnell ein neues Tier. Daher geht er davon aus, dass sich in Stavenhagen neue Tiere angesiedelt haben. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Ordnungsamtsleiterin weniger Tiere gefangen worden als von Beobachtern behauptet. Die eingefangenen Bären seien „aus der Innenstadt entfernt“ und „in ihren Lebensraum zurückgebracht“ worden.
Parallele Katzenplage beschäftigt Tierschutzverein
Neben den Waschbären bereitet auch eine wachsende Population von streunenden Katzen den Anwohnern der Ivenacker Straße Sorgen. Edgar Golisch spricht von etwa 25 Stubentigern, die inzwischen in dem Gebiet herumstreunen. Der Tierschutzverein Demmin, mit dem die Stadt einen Vertrag hat, kümmert sich um dieses Problem. Der Verein hat bereits eine Futterstelle eingerichtet und plant eine weitere Kastrationsaktion, um die unkontrollierte Vermehrung der Katzen einzudämmen.
Anja Vonthien betont, dass es sich dabei um frei lebende Tiere handelt, die trotz Kastration in ihrem Lebensraum verbleiben. Die Situation zeigt, wie komplex das Zusammenleben von Mensch und Tier in urbanen Räumen sein kann. Während die Waschbären als invasive Art bekämpft werden müssen, erfordern die Katzen eine behutsame Regulierung durch Kastration.
Ausblick: Suche nach nachhaltigen Lösungen
Die erneuten Waschbären-Sichtungen in Stavenhagen werfen grundsätzliche Fragen auf. Wie können Städte dauerhaft mit invasiven Arten umgehen, die sich in urbanen Räumen wohlfühlen? Die derzeitige Strategie mit Lebendfallen stößt an ihre Grenzen, insbesondere wenn Privatgrundstücke involviert sind. Experten wie Martin Rosch fordern eine konsequentere Umsetzung der EU-Vorschriften, die eine Entnahme der Tiere vorschreiben.
Für die Anwohner der Ivenacker Straße bleibt die Situation vorerst angespannt. Sie hoffen auf eine baldige Lösung, die sowohl den Tierschutz berücksichtigt als auch ihre Sicherheit gewährleistet. Die Stadt Stavenhagen steht vor der Herausforderung, einen Balanceakt zwischen artenschutzrechtlichen Vorgaben und den berechtigten Ängsten der Bürger zu finden. Bis dahin bleiben die Fallen aufgestellt – in der Hoffnung, dass sie bald ihren Zweck erfüllen.



