Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern: Experte mahnt zur Gewöhnung an Begegnungen
In Mecklenburg-Vorpommern häufen sich die Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen. Videos von den Tieren an Landstraßen oder sogar in privaten Gärten verbreiten sich zunehmend. Erst kürzlich wurden erneut Wölfe an der Müritz gesichtet. Laut Experte Norman Stier, dem Koordinator für das Wolfsmonitoring in Mecklenburg-Vorpommern, sind diese Begegnungen in den meisten Fällen nicht gefährlich.
Beeindruckende Aufnahmen und seltene Sichtungen
Ein besonderes Foto des Naturfotografen Andreas Buchholz aus Ahlbeck zeigt gleich fünf Wölfe auf einmal. Norman Stier betont, dass solche Aufnahmen selbst für ihn als Experten selten sind, obwohl er regelmäßig in den Kernlebensräumen der Tiere unterwegs ist. "Ich sehe im Jahr vielleicht 10 bis 20 Wölfe. Einer, manchmal zwei, die über den Weg huschen", erklärt Stier. Wölfe sind normalerweise nicht in größeren Gruppen unterwegs, was dieses Foto zu etwas Besonderem macht.
Verhalten bei Wolfsbegegnungen: Lärm machen oder den Moment genießen
Insgesamt leben in Mecklenburg-Vorpommern etwa 200 Wölfe, und sie kommen den Menschen immer näher. Norman Stier weist darauf hin, dass Wölfe sich in der Regel zurückziehen, sobald sie Menschen in weniger als 100 Meter Entfernung wahrnehmen. "Im besten Fall verscheuchen, wenn man nicht den Moment genießen möchte und sich unwohl fühlt", rät der Experte. Viele Menschen empfinden Wolfsbegegnungen als tolles Erlebnis, doch Stier betont: "Das sollen ja wilde Tiere mit einer gewissen Scheu vor Menschen bleiben." Um Wölfe zu vertreiben, reicht es aus, Lärm zu machen und laut zu sein.
Sorgen der Landwirte und Schutzmaßnahmen
Vor allem Landwirte sind besorgt um ihre Tiere, da es zu Angriffen von Wölfen auf Schafe, Ziegen und Damwild gekommen ist. Seit 2024 gilt Mecklenburg-Vorpommern vollständig als Wolfsgebiet, wodurch Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere vor Wölfen gefördert werden können. Dies bietet den Landwirten finanzielle Unterstützung, um ihre Herden zu sichern.
Gefährliche Situationen und Managementmaßnahmen
Gefährlich für den Menschen können Nahkontakte von unter 30 Metern werden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern kommt es manchmal zu solchen Situationen. "Die müssen nicht gefährlich sein, aber es können gefährliche Situationen entstehen", warnt Norman Stier. In solchen Fällen wird das Wolfsmanagement aktiv und versucht, den Wölfen das Verhalten abzugewöhnen. Im Extremfall können Wölfe auch geschossen werden, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.
Alltägliche Begegnungen und Meldemöglichkeiten
Die Experten erwarten, dass Begegnungen mit Wölfen für den Menschen alltäglicher werden. Wer in Mecklenburg-Vorpommern einem Wolf begegnet, kann Fotos oder Videos über die Seite wolf-mv.de an Norman Stier und seine Kollegen senden. Dies hilft, das Verhalten der Tiere besser zu überwachen und notwendige Maßnahmen einzuleiten.
Insgesamt zeigt sich, dass die Koexistenz von Mensch und Wolf in Mecklenburg-Vorpommern möglich ist, solang beide Seiten die nötigen Vorsichtsmaßnahmen beachten. Mit der richtigen Aufklärung und einem verantwortungsvollen Umgang können Konflikte minimiert und das natürliche Verhalten der Wölfe erhalten bleiben.



