Niedersachsen stockt Hochwasserschutz-Mittel auf: Experten warnen vor unzureichenden Investitionen
Niedersachsen: Mehr Geld für Deiche und Schöpfwerke

Niedersachsen investiert Millionen in Hochwasser- und Küstenschutz

Um sich gegen drohende Hochwasserereignisse zu wappnen, plant die niedersächsische Landesregierung erhebliche zusätzliche Investitionen in Deiche und Schöpfwerke. Das Umweltministerium in Hannover kündigte an, sowohl für den Küstenschutz an der Nordsee als auch für den Hochwasserschutz im Binnenland deutlich mehr Mittel bereitzustellen. Allerdings warnen Fachleute mit Blick auf die Folgen des Klimawandels, dass diese finanziellen Anstrengungen bei weitem nicht ausreichen werden.

Rekordsummen für Küsten- und Binnenschutz

Für den Küstenschutz sind im Jahr 2026 rund 86 Millionen Euro vorgesehen – eine erneute Rekordsumme nach 81 Millionen Euro im Vorjahr. Beim Hochwasserschutz im Binnenland konnten zusätzlich zum regulären Programm weitere 46 Millionen Euro mobilisiert werden, davon 43 Millionen aus dem EU-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) plus Landesmittel. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) betonte: „Zusätzlich zum normalen Hochwasserprogramm konnten wir jetzt weitere 46 Millionen Euro für den Hochwasserschutz im Binnenland, Deichrückverlegungen und Auenentwicklung mobilisieren.“

Experten kritisieren Modernisierungsstau

Aus Sicht der Deich- und Sielverbände sind diese Investitionen zwar notwendig, aber bei weitem nicht ausreichend. Reinhard Behrends, Obersielrichter des 1. Entwässerungsverbandes in Emden, erklärt: „Die aktuelle Situation ist für uns an der Küste völlig unbefriedigend.“ Das Geld reiche bislang gerade aus, um das Nötigste instand zu setzen. Für eine grundlegende Anpassung der alten Siel- und Schöpfwerke an Klimawandelfolgen wie Starkregen und Meeresspiegelanstieg fehlten ausreichende Mittel.

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Allein entlang der Küste existieren etwa 50 Siel- und Schöpfwerke – die Hälfte davon ist bereits über 50 Jahre alt. Behrends warnt: „Sonst droht die Infrastruktur für den Binnenhochwasserschutz in eine ähnliche Situation wie bei Brücken und Straßen zu geraten.“ Während man eine marode Brücke zur Not sperren könne, gebe es bei Pumpen keine Alternative: „Wir können nicht sagen, wir schalten eine Pumpe an der Knock ab. Das ist keine Lösung, es gibt keine Umleitung.“

Konkrete Projekte und weitere Mittel

Mit den zusätzlichen Mitteln sollen 38 Vorhaben umgesetzt werden, darunter:

  • Eine Deichrückverlegung und Auenentwicklung in der Gemeinde Stuhr (Landkreis Diepholz)
  • Die Grundinstandsetzung des Schöpfwerkes Accumersiel (Landkreis Aurich)
  • Grundinstandsetzungen der Schöpfwerke Bramel-West, Ringstedt, Obere Wittgeeste und Altluneberg (Landkreis Cuxhaven)

Das Umweltministerium kündigte zudem an, noch in diesem Jahr mit Mitteln aus dem Landesinvestitionsprogramm weitere 20 Millionen Euro für Siel- und Schöpfwerke bereitzustellen. Minister Meyer betonte: „Beim Hochwasserschutz und der Gewässerrenaturierung darf nicht gespart werden.“

Langfristige Herausforderungen und Bundesverantwortung

Mittelfristig könnte es erforderlich sein, dass die Küstenschutzausgaben auf bis zu 100 Millionen Euro jährlich steigen. Das Ministerium stellt klar: „Küstenschutz und Klimaanpassung sind und bleiben eine Daueraufgabe.“ In den kommenden Jahrzehnten müsse noch stärker in bauliche Anlagen wie Sperrwerke und Siele investiert werden.

Umweltminister Meyer sieht dabei auch die Bundesregierung in der Pflicht: „Noch nie wurden so viele Mittel für den Schutz unserer Küste vor dem steigenden Meeresspiegel investiert. Im Schnitt stocken wir mit Klimadeichen unsere Küstenlinie um mindestens einen Meter auf mit Vorsorge für zwei Meter. Das wird insgesamt Milliarden Kosten. Und da kann uns der Bund nicht allein lassen, sondern muss seine Kofinanzierungsmittel deutlich erhöhen.“

Einen umfassenden Überblick über den tatsächlichen Modernisierungs- und Finanzbedarf soll der neue Generalplan Siel- und Schöpfwerke geben, der Ende 2026 veröffentlicht werden soll. Bis dahin bleibt die Frage, ob die aktuellen Investitionen ausreichen, um Niedersachsen angemessen auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten.

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