In den Amtsstuben der Bundesrepublik Deutschland hat das Papier weiterhin Hochkonjunktur. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, haben die Bundesbehörden im Jahr 2023 rund 776 Millionen DIN-A4-Blätter beschafft. Diese Zahl lässt an den Fortschritten der Digitalisierung in der Verwaltung zweifeln.
Bundesregierung will nicht antworten
Eigentlich, so schreibt es die Bundesregierung in ihrer Antwort, möchte sie gar nicht auf die Anfrage eingehen. „Die Bundesregierung erhebt den Papierverbrauch in den Bundesbehörden nach eigenen Angaben nicht systematisch und sieht eine vollständige Erfassung weder als rechtlich geboten noch als mit vertretbarem Verwaltungsaufwand leistbar an“, heißt es unter anderem. Dennoch liefert die Administration von Kanzler Friedrich Merz dann doch einige Anhaltspunkte zum Papierverbrauch in den Amtsstuben.
Vergleich zu 2018: Rückgang, aber kein Durchbruch
Die derzeitige schwarz-rote Koalition verweist auf eine ähnliche Anfrage der damaligen FDP-Fraktion vom Jahreswechsel 2019/20. Damals hatte die Bundesregierung aufgelistet, dass im Jahr 2018 in den Obersten Bundesbehörden fast 1,1 Milliarden Blätter Papier verbraucht worden waren. Zwar ist der Verbrauch seitdem gesunken, doch angesichts der Digitalisierungsbemühungen bleibt der Rückgang bescheiden.
Interne Hausordnung wird ignoriert
Bereits am 18. November 2019 hatte das Bundeskabinett beschlossen, dass Bundesbehörden ab dem 1. Januar 2020 miteinander nicht mehr in Papierform, sondern ausschließlich elektronisch kommunizieren sollen. Zudem seien elektronische Verfahren so weit wie möglich zu nutzen. In Hausanordnungen der Bundesministerien werden die Beschäftigten angehalten, Dokumente möglichst am Bildschirm zu lesen und sparsam mit Papier umzugehen. Doch die aktuellen Zahlen zeigen, dass diese Vorgaben offenbar nicht konsequent umgesetzt werden.
AfD kritisiert mangelnde Erfassung
Die AfD-Fraktion hatte in ihrer Anfrage mit spitzer Feder angemerkt, dass die Bundesregierung und die sie tragenden Parteien sich seit Jahren auf eine Klimakrise berufen und von Bürgern und Wirtschaft massive Verzichts- und Belastungsprogramme fordern. Zugleich zeige der alltägliche Betrieb der Bundesverwaltungen, dass der Staat selbst diesen Anspruch nicht erfülle. In einer früheren Antwort der Bundesregierung sei bereits offengelegt worden, dass zentrale Kennzahlen zum eigenen Ressourcenverbrauch fehlten. So räume die Regierung ein, dass der Papierverbrauch der Bundesbehörden im Zeitraum von 1990 bis 2014 überhaupt nicht erfasst wurde, für einzelne Bereiche keine Zahlen vorliegen und selbst grundlegende ökologische Größen wie die Zahl der verwendeten Bäume unbekannt seien.
Bundesregierung relativiert
Die Bundesregierung hält in ihrer Antwort dagegen und betont, dass der Papierverbrauch „nur ein geringer Einflussfaktor“ auf dem Weg zur klimaneutralen Bundesverwaltung bis 2030 sei. Ob diese Einschätzung angesichts der hohen Bestellmengen realistisch ist, bleibt fraglich. Klar ist: Von einer digitalen Verwaltung ist Deutschland noch weit entfernt.



