Der renommierte iranische Filmemacher Jafar Panahi, der mit seinem heimlich gedrehten Film „Ein einfacher Unfall“ 2025 die Goldene Palme in Cannes gewann und für Golden Globes und Oscars nominiert wurde, sieht sich in seiner Heimat mit einer Haftstrafe konfrontiert. Im Dezember des Vorjahres wurde er zu einem Jahr Haft verurteilt, weil ihm „Propaganda gegen das System“ vorgeworfen wurde. Nun wehrt sich Panahi juristisch gegen diese Strafe, nachdem er Anfang April mitten im Krieg nach Iran zurückgekehrt war.
Neue Verhandlung vor Revolutionsgericht
Am Mittwoch wird der Fall vor einem Revolutionsgericht in Teheran neu verhandelt, wie das iranische Onlineportal Emtedad berichtet. Das Gericht hatte den 65-Jährigen in Abwesenheit verurteilt und neben der Haftstrafe ein zweijähriges Reiseverbot sowie ein Verbot verhängt, politischen oder sozialen Organisationen beizutreten. Panahi rief bereits zum Protest gegen diese Entscheidung auf.
Film als Beweismittel
Als zentrales Beweismittel für die angebliche „Propaganda gegen das System“ diente Panahis Film „Ein einfacher Unfall“. In dem fiktiven Drama trifft ein ehemaliger Gefängnisinsasse durch einen Autounfall auf seinen mutmaßlichen Peiniger, entführt ihn und führt ihn anderen früheren Häftlingen vor. Der Film thematisiert Rachegelüste und Fragen nach Gerechtigkeit.
Bereits zum Auftakt des Europäischen Filmpreises in Berlin im Januar hatte Panahi Filmschaffende aufgerufen, ihre Stimme zu erheben. „Wenn die Welt heute nicht auf diese eklatante Gewalt reagiert, dann ist nicht nur Iran, sondern die ganze Welt in Gefahr“, sagte Panahi. „Wenn Gewalt unbeantwortet bleibt, wird sie normalisiert, und wenn sie normalisiert wird, breitet sie sich aus und wird ansteckend.“
Panahi war bereits von Juli 2022 bis Februar 2023 in Iran inhaftiert und unterliegt seit Jahren Einschränkungen bei seiner beruflichen Tätigkeit und Reisen. Der Fall zeigt erneut die angespannte Lage für Künstler und Regimekritiker im Iran.



