Niedersachsen plant mutige Imagekampagne: Weg vom Understatement, hin zur Selbstpräsentation
Niedersachsen: Zehn-Millionen-Kampagne gegen Understatement

Niedersachsen will mit neuer Imagekampagne das Understatement überwinden

Die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen bereitet eine umfassende Standortkampagne vor, die in diesem Sommer starten soll. Mit einem Budget von bis zu zehn Millionen Euro für dieses und nächstes Jahr soll das Bundesland ein mutigeres und selbstbewussteres Image erhalten. Die Berliner Werbeagentur Scholz & Friends erhielt den Zuschlag für die Umsetzung der ambitionierten Marketingoffensive.

Vize-Regierungschefin kritisiert nordische Nüchternheit

Julia Willie Hamburg, stellvertretende Ministerpräsidentin und Kultusministerin von Niedersachsen, äußerte sich deutlich zur bisherigen Zurückhaltung des Bundeslandes: „Ich glaube, dass unser Bundesland zu einem starken Understatement neigt und das eigentlich nicht müsste“, sagte die Grünen-Politikerin. „Wir sind nordisch nüchtern und zufrieden damit, dass alles läuft. Die Vielfalt und die wirtschaftliche Stärke, die wir im Land haben, tragen wir nicht so sehr nach außen.“

Hamburg betonte, dass Niedersachsen seine Stärken künftig deutlicher kommunizieren müsse, auch wenn dies dem Naturell der Region nicht vollständig entspreche. „Wir täten gut daran, häufiger über unsere Stärken zu sprechen“, so die Vize-Regierungschefin. Sie verwies dabei besonders auf die touristische Vielfalt, die es ermögliche, innerhalb einer Stunde im Harz, am Meer oder in der Heide zu sein.

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Neuer Slogan und provokante Elemente geplant

Ein zentrales Element der Kampagne könnte die Ablösung des bisherigen Slogans „Niedersachsen. Klar.“ sein. Noch ist nicht endgültig entschieden, ob und durch welchen neuen Claim dieser ersetzt wird. Hamburg zeigte sich jedoch offen für provokante Elemente: „Ja, vielleicht. Lassen Sie sich überraschen, es wird auf jeden Fall Aufmerksamkeit erzeugen.“

Die Kultusministerin erwähnte einen Vorschlag, der ihr besonders gefallen habe: „Niedersachsen. Voller Energie.“ Sie wollte sich jedoch nicht weiter zu den konkreten Inhalten äußern, um keine Wettbewerbsverzerrung zu riskieren. Klar ist, dass die wirtschaftliche und touristische Stärke des Landes im Mittelpunkt stehen wird.

Wirtschaftliche Power und Wahrnehmungsprobleme

Niedersachsen präsentiert sich laut Hamburg als „Industriepower mit globaler Strahlkraft“ und bezeichnet sich selbst als Land der Energiewende. „Wir müssen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen“, betonte die stellvertretende Ministerpräsidentin.

Diese Selbstdarstellung steht im Kontrast zu einer aktuellen bundesweiten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Diese wurde im Auftrag des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall durchgeführt und kam zu folgenden Ergebnissen:

  • 28 Prozent der rund 1.200 Befragten gaben an, keine oder kaum eine Vorstellung von Niedersachsen zu haben
  • Viele Deutsche verbinden mit dem Bundesland zwar schöne Landschaften und Bodenständigkeit
  • Aber auch wirtschaftliches Mittelmaß und Langeweile werden mit Niedersachsen assoziiert

Zielgruppen und strategische Ausrichtung

Laut Staatskanzlei zielt die Kampagne darauf ab, Niedersachsen attraktiver zu machen für verschiedene Zielgruppen:

  1. Für diejenigen, die bereits im Bundesland wohnen
  2. Für potenzielle Arbeitskräfte, die zum Arbeiten nach Niedersachsen kommen möchten
  3. Für Investoren, die in der Region investieren wollen

Die geplante Imagekampagne soll somit nicht nur das Selbstbild der Niedersachsen stärken, sondern auch gezielt neue Bewohner, Fachkräfte und Investoren anlocken. Mit dem beträchtlichen Budget von zehn Millionen Euro setzt die Landesregierung ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des Standortmarketings in der modernen Wirtschaftspolitik.

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