Großangelegter Atommüll-Transport durch Nordrhein-Westfalen gestartet
Der erste Konvoi mit radioaktivem Abfall aus dem Forschungsreaktor Jülich hat sich am Dienstagabend in Richtung des Zwischenlagers Ahaus im Münsterland in Bewegung gesetzt. Dieser Auftakt markiert den Beginn einer der größten Atommüll-Transportaktionen auf deutschen Straßen seit mehreren Jahrzehnten.
Massiver Polizeieinsatz begleitet Castor-Transport
Rund 2.400 Polizeibeamte sind bei dem Großeinsatz involviert, der den sicheren Transport der insgesamt 152 Castor-Behälter gewährleisten soll. Der erste Konvoi bestand aus etwa 100 Fahrzeugen, darunter ein Schwerlasttransporter mit einem Castor-Behälter sowie zahlreiche Polizeifahrzeuge und ein Hubschrauber. Die genaue Route über die etwa 170 Kilometer lange Strecke wurde von den Behörden nicht offengelegt, jedoch beobachteten Reporter die Fahrt über die Autobahnen A44 und A57.
Proteste und Mahnwachen entlang der Transportstrecke
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestierten zeitgleich mit dem Transportbeginn. In Jülich fand eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum mit etwa 20 Teilnehmern statt, während in Ahaus rund 250 Demonstranten vom Bahnhof zum Rathaus zogen. „Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch“, erklärte Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“. Weitere Protestaktionen wurden in Duisburg und entlang der gesamten Transportroute gemeldet.
Jahrelanges Tauziehen um die Lagerung des Jülicher Atommülls
Der Transport beendet ein langwieriges Kapitel in der Atommüll-Debatte. Die letzte Betriebsgenehmigung für das Lager in Jülich lief bereits 2013 aus, und seit 2014 bestand eine Räumungsanordnung des NRW-Wirtschaftsministeriums aufgrund mangelnder Erdbebensicherheit. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) betonte, dass ein Neubau in Jülich aus Landesperspektive die beste Lösung gewesen wäre, jedoch keine Unterstützung von Bundesebene erhielt.
Rechtliche Auseinandersetzungen und Kritik
Dem Transport waren mehrere Gerichtsentscheidungen vorausgegangen, darunter eine Eilentscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg Anfang März, die die Transporte erlaubte. Die Umweltorganisation BUND hatte versucht, die Transporte gerichtlich zu stoppen, mit der Begründung, die Sicherheit der Castoren sei nicht gewährleistet. Kritik kam auch von der Gewerkschaft der Polizei, deren NRW-Chef Patrick Schlüter die Transporte als „sinnlose Mammutaufgabe“ bezeichnete und die Politik für das Ausweichen vor der Endlagerfrage verantwortlich machte.
Deutschlands ungelöstes Endlagerproblem
Die Transporte unterstreichen das grundlegende Problem der deutschen Atompolitik: Es existiert bis heute kein Endlager für hochradioaktiven Abfall. Stattdessen wird der Atommüll zwischen sechzehn Zwischenlagern hin- und hertransportiert, darunter nun auch das Zwischenlager Ahaus. Insgesamt sollen etwa 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem ehemaligen Versuchsreaktor Jülich verlagert werden, ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstrecken wird.



