Praktische Gründe überwiegen: NRW-Minister kehrt zum Diesel zurück
Der nordrhein-westfälische Finanzminister Marcus Optendrenk (56, CDU) hat einen bemerkenswerten Wechsel vollzogen: Nachdem er zunächst mit einem rein elektrischen BMW i7 als Dienstwagen unterwegs war, fährt er nun wieder einen Audi A8 L 50 TDI Quattro mit Dieselmotor. Der Grund für diesen Schritt ist ebenso simpel wie nachvollziehbar: Das Elektrofahrzeug erwies sich im Alltagsbetrieb als zu unpraktisch.
Elektromobilität stößt im Ministeralltag an Grenzen
Optendrenk schildert seine Erfahrungen deutlich: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Elektrofahrzeug im Alltagsbetrieb im politischen Düsseldorf gut funktioniert, aber bei einem engen Terminkalender und langen Fahrten durch ein Flächenland wie Nordrhein-Westfalen stoßen sie an Grenzen“, erklärte er bereits im vergangenen Jahr gegenüber der „WAZ“. Gerade auf längeren Strecken durch das weitläufige Bundesland kam der Minister mit seinem E-Dienstwagen nicht zurecht.
Der Wechsel konnte allerdings nicht sofort vollzogen werden, da der Leasingvertrag für den BMW i7 noch lief. Erst nach dessen Auslaufen war der Umstieg auf den Diesel möglich. Optendrenk betont dabei, dass es ihm nicht um grundsätzliche Ablehnung der Elektromobilität geht, sondern um die praktischen Anforderungen seines Amtes.
Kein Einzelfall: Mehrere NRW-Politiker setzen auf Verbrenner
Der Finanzminister ist bei weitem nicht der einzige Politiker in der nordrhein-westfälischen Landesregierung, der auf einen Dienstwagen mit Verbrennungsmotor setzt. Bereits vor ihm hatte Bauministerin Ina Scharrenbach (49, CDU) aus ähnlichen praktischen Erwägungen gewechselt. Auch NRW-Europaminister Nathanael Liminski (40, CDU) fährt einen Audi A8 mit Dieselmotor.
Selbst an der Spitze der Landesregierung sind Verbrenner im Einsatz: Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, CDU) und Innenminister Herbert Reul (73, CDU) nutzen jeweils einen Audi A8 L Security mit Benzinmotor. Diese Entscheidungen zeigen, dass trotz politischer Bemühungen um mehr Elektromobilität im Alltag der Landesregierung praktische Erwägungen oft Vorrang haben.
Elektro- und Hybridfahrzeuge bleiben in der Minderheit
Nach aktuellen Angaben der NRW-Landesregierung nutzen nur noch sechs Ministerinnen und Minister Elektro- oder Hybrid-Dienstwagen:
- Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (48, Grüne)
- Flüchtlingsministerin Verena Schäffer (39, Grüne)
- Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (68, CDU)
- Schulministerin Dorothee Feller (59, CDU)
- Justizminister Benjamin Limbach (56, Grüne)
- Umweltminister Oliver Krischer (56, Grüne)
Diese Aufstellung verdeutlicht, dass die Nutzung alternativer Antriebe in der Landesregierung nach wie vor die Ausnahme darstellt. Besonders auffällig ist, dass selbst der Umweltminister zu den Nutzern von Elektro- oder Hybridfahrzeugen zählt, während viele seiner Kollegen weiterhin auf konventionelle Antriebe setzen.
Die Diskussion um Dienstwagen der Landesregierung wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie vereinbart sich der politische Anspruch, die Elektromobilität voranzutreiben, mit der praktischen Realität im Regierungsalltag? Und welche Infrastrukturvoraussetzungen müssten geschaffen werden, damit auch Minister mit engem Terminkalender und langen Fahrstrecken zuverlässig auf Elektrofahrzeuge setzen können?



