Vermeintlich spontanes Foto enttarnt: Wüsts Instagram-Auftritt war abgesprochen
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gerät wegen einer vermeintlich spontanen Social-Media-Aktion in die Kritik. Ein Video, das den 50-Jährigen scheinbar zufällig mit dem Influencer „Fabiano“ vor der Düsseldorfer Staatskanzlei zeigt und über 100.000 Likes auf Instagram sammelte, entpuppt sich als vorab koordinierte PR-Maßnahme.
Das inszenierte Zusammentreffen
In dem viral gegangenen Clip ist zu sehen, wie der Influencer den Regierungschef nahe des Landtags anspricht. Ein Begleiter Wüsts versucht zunächst abzuwinken und verweist auf einen anstehenden Termin. Doch der Ministerpräsident lässt sich überzeugen und nimmt an einem kurzen Fotoshooting teil. Wüsts eigener Kommentar („Lustiges Zusammentreffen. Hat Spaß gemacht“) erhielt mehr als 30.000 positive Reaktionen.
Wie der „Kölner Stadtanzeiger“ jedoch aus Regierungskreisen erfuhr, war dieses Treffen keineswegs zufällig. „Der Ministerpräsident hat an jenem Tag verschiedene Social-Media-Formate unter anderem an gleicher Stelle wahrgenommen. Dass darunter auch eine Begegnung mit dem genannten Fotografen sein würde, war im Vorfeld den Beteiligten bekannt“, heißt es in dem Bericht.
Die Erklärungen der Beteiligten
Influencer „Fabiano“ versucht, die Situation zu relativieren: „Das Einzige, was im Vorfeld abgestimmt war, war, dass Herr Wüst, der offenbar mehrere Termine vor Ort hatte, mit seinem Team an dem entsprechenden Ort entlanglaufen würde und ich die Möglichkeit bekäme, ihn fotografisch anzusprechen. Der eigentliche Austausch entstand spontan aus der Situation heraus.“
Ein Sprecher der NRW-Staatskanzlei betonte gegenüber der Zeitung, dass es sich nicht um eine bezahlte Partnerschaft handle: „Bei dem genannten Video handelt es sich nicht um eine bezahlte Partnerschaft. Die Landesregierung kommt einer Vielzahl von Anfragen nach, die von Journalisten sowie über soziale Medien eingehen.“
Scharfe Kritik der Opposition
Die SPD-Opposition zeigt sich wenig beeindruckt von diesen Erklärungen. Frederick Cordes (39), Generalsekretär der SPD Nordrhein-Westfalen, übt scharfe Kritik: „Nordrhein-Westfalen braucht keinen Influencer im Amt, sondern einen verlässlichen Regierungschef, der sich nicht nur dann unter die Menschen mischt, wenn die Kamera läuft.“
Cordes wirft der Landesregierung vor, hinter dem authentisch wirkenden Treffen habe eine „inszenierte PR-Choreografie“ gestanden. Die vermeintliche Spontaneität entpuppe sich bei näherer Betrachtung als durchgeplante Medienstrategie.
Die Aufdeckung der abgesprochenen Aktion wirft Fragen nach der Glaubwürdigkeit politischer Social-Media-Auftritte auf. Während Influencer-Marketing im kommerziellen Bereich längst etabliert ist, sehen Kritiker in solchen inszenierten Begegnungen eine Gefahr für die Authentizität politischer Kommunikation.



