Rostocker Unternehmen übernimmt Großauftrag für Feuerwehrhäuser
Mit einem Volumen von 50 Millionen Euro Fördermitteln startet in Mecklenburg-Vorpommern eines der bedeutendsten Bauprojekte für die Feuerwehrinfrastruktur. Die Goldbeck Nordost GmbH mit Sitz in Rostock wurde als Generalübernehmer für den Bau von 58 neuen Feuerwehrhäusern im gesamten Bundesland ausgewählt. Noch im Wahljahr 2026 sollen die ersten Bauarbeiten beginnen, bis 2030 soll das ambitionierte Vorhaben vollständig abgeschlossen sein.
Standardisierte Bauweise für effiziente Realisierung
Oliver Grzesko, Niederlassungsleiter der Goldbeck Nordost GmbH in Rostock, betont die Besonderheit dieses Projekts: „Normalerweise realisieren wir Projekte für den Mittelstand. Das ist jetzt wirklich mal für das Gemeinwohl. Es ist etwas Wichtiges, das die Gesellschaft voranbringt.“ Das Unternehmen setzt auf eine systematisierte Bauweise mit vorgefertigten Betonfertigteilelementen und teilweise Stahlbindern, um den Rohbau schnell errichten zu können.
Die Planungen wurden bereits mit den Feuerwehrbehörden im Land abgestimmt. Jede der 58 Gemeinden schließt einen Einzelvertrag mit Goldbeck ab, da sie als Auftraggeber fungiert, während das Land die Fördermittel bereitstellt. Pro Feuerwehrhaus sind Kosten von etwa 1,1 Millionen Euro veranschlagt.
Regionale Wertschöpfung im Fokus
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Stärkung der regionalen Wirtschaft. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir das zu etwa 90 Prozent mit regionalen Unternehmen lösen“, erklärt Grzesko. Das Unternehmen wolle bewusst vermeiden, Arbeiter aus anderen Bundesländern wie Berlin oder München anzuheuern, da dies ein falsches Signal für die Wertschöpfung vor Ort wäre.
Auch die Fertigteile sollen möglichst in Mecklenburg-Vorpommern produziert werden, wobei hierzu noch Verhandlungen geführt werden müssen. Mit einer Dialog-Veranstaltung am 29. April in den eigenen Räumlichkeiten will Goldbeck Unternehmen der Region vernetzen und Kooperationsmöglichkeiten schaffen.
Technische Details der Feuerwehrhäuser
Die neuen Feuerwehrgebäude werden in zwei Varianten realisiert: als Kompakthaus oder als Langhaus. Jedes Haus umfasst etwa 475 Quadratmeter Fläche und bietet folgende Ausstattung:
- Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen
- Schulungsraum, der auch als Wärmestube genutzt werden kann
- Getrennte Umkleiden und Sanitäranlagen
- Barrierefreies WC
- Stiefelreinigungsraum
- Teeküche, Werkstatt und Lagerbereiche
- „Schwarz-Weiß-Trennung“ zur Separation kontaminierter und sauberer Bereiche
Die Gebäude entsprechen modernen Energiestandards, werden mit Wärmepumpen beheizt und verfügen über eine Notstromeinspeisung. Auf extravagante Ausstattung wie „goldene Wasserhähne“ wird verzichtet – stattdessen setzt man auf „einen guten, modernen Standard, der lange hält und robust ist“.
Herausforderungen und Zeitplan
Mit einer geplanten Bauzeit von 200 Tagen pro Haus und dem Ziel, alle vier Wochen mit einem neuen Gebäude zu beginnen, stellt das Projekt auch logistische Herausforderungen. „Diese vernünftig zu besetzen und zu betreuen, ist die Herausforderung“, räumt Grzesko ein. Auch Goldbeck selbst ist auf der Suche nach zusätzlichen Mitarbeitern für die Umsetzung.
Der rasche Baubeginn hängt jeweils davon ab, ob Grundstück und Baurecht in den Gemeinden bereits vorhanden sind. Wo der erste Spatenstich erfolgen wird, steht noch nicht fest. Die 58 Standorte verteilen sich über ganz Mecklenburg-Vorpommern, darunter:
- Mecklenburgische Seenplatte: Borrentin, Brunn, Kuckssee u.a.
- Vorpommern-Greifswald: Butzow, Ladebow, Heringsdorf u.a.
- Vorpommern-Rügen: Garz (Rügen), Lietzow, Sundhagen u.a.
- Landkreis Rostock: Walkendorf, Glasewitz, Zehna u.a.
- Ludwigslust-Parchim: Nostorf, Gehlsbach, Siggelkow u.a.
- Nordwestmecklenburg: Bernstorf, Alt Meteln, Pokrent u.a.
Vorreiterrolle für ganz Deutschland
Mecklenburg-Vorpommern übernimmt mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle in der Feuerwehrinfrastruktur. „Die Gemeinden wären sonst nicht so einfach in der Lage gewesen, das in dieser Größenordnung hinzubekommen“, betont Grzesko. Sollte sich das Modell bewähren, könnte das standardisierte Feuerwehrhaus aus Mecklenburg-Vorpommern möglicherweise auch in anderen Bundesländern zum Einsatz kommen.
Der klare Vorteil der seriellen Bauart liegt in der Effizienz: Elementpläne müssen nur einmal erstellt werden, das Fertigungswerk kann vorproduzieren, und die Abläufe auf den Baustellen werden mit der Zeit immer routinierter. So entsteht bis 2030 ein flächendeckendes Netz moderner Feuerwehrhäuser, das die Sicherheit in Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig verbessern wird.



