Bundesstraße wird zum Gehweg: Wassermühle in Belling sorgt für Verkehrschaos
Eine historische Wassermühle im Jatznicker Ortsteil Belling entwickelt sich zum handfesten Problemfall. Joachim Arndt und Manja Fisch, die das denkmalgeschützte Gebäude vor zwei Jahren erwarben, kämpfen nicht nur mit Wassereinbrüchen im Keller, sondern auch mit einem Behördenstreit, der nun zu erheblichen Verkehrseinschränkungen auf der B109 führt.
Wasser im Keller und Risse im Mauerwerk
Das gleichmäßige Plätschern des Wassers, das seit Jahrhunderten durch die ehemalige Mühle fließt, bereitet dem 70-jährigen Joachim Arndt keine Sorgen. Viel problematischer ist das Wasser, das von der Straße und dem Gehweg kommend durch die Hauswand drückt und sich seinen Weg in den Keller bahnt. Um die Ursache zu ergründen, hat Arndt mit seiner Familie die seit Jahrzehnten zugeschüttete Hauswand freigelegt.
Dabei kam ein weiteres gravierendes Problem ans Licht: Die private Hauswand diente offenbar als Stützwand für die öffentliche Straße und den Gehweg. „Das kann nicht sein“, erklärt Arndt. Die Folgen seien deutlich sichtbar: Risse im Mauerwerk, sich nach außen wölbende Steine und ein spürbares Schwingen des Hauses, wenn schwere Fahrzeuge vorbeifahren.
Gehweg gesperrt – Bundesstraße wird zum Notweg
Weil durch die freigelegte Hauswand die Gefahr bestand, dass der Gehweg absacken oder einstürzen könnte, wurde dieser vor dem Haus kurzerhand gesperrt. Als Ersatz dient nun ein Teil der Bundesstraße B109, was zu einer halbseitigen Sperrung und Ampelregelung des Verkehrs führte. Für Joachim Arndt wäre diese Maßnahme vermeidbar gewesen: Eine einfache Stahlplatte an der undichten Stelle hätte seiner Meinung nach ausgereicht.
Solvejg Segebarth vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern erklärt die Situation aus behördlicher Sicht: „Die ehemalige Wassermühle liegt tiefer als die Bundesstraße sowie der Geh- und Radweg. Aus diesem Grund ist der Geh- und Radweg in diesem Bereich durch eine Stützwand gesichert.“ Durch die Aufgrabungen der Eigentümer und Tauwetter sei es zu Unterspülungen im Fundamentbereich gekommen, die eine Gefährdung der Verkehrsanlage nicht ausschließen ließen.
Komplexe Ursachenforschung und Lösungsfindung
Die Situation hat mittlerweile mehrere Behörden auf den Plan gerufen:
- Die Straßenmeisterei Pasewalk sucht wiederholt das Gespräch mit den Eigentümern
- Gemeinde, Landkreis und Landesamt für Denkmalschutz wurden eingebunden
- Ein Ingenieurbüro wurde zur fachlichen Bewertung hinzugezogen
Das Straßenbauamt Neustrelitz hat bereits Maßnahmen zur Sicherung vorbereitet und arbeitet an einer fachlich geeigneten Lösung. Ziel ist es, die Standsicherheit der Stützwand wiederherzustellen und die Verkehrseinschränkungen möglichst schnell aufzuheben.
Ursachen noch nicht abschließend geklärt
Die Ursache für das Eindringen von Wasser in den Keller ist laut Behördenangaben noch nicht endgültig geklärt. „Aufgrund der früheren Nutzung als Wassermühle sowie der örtlichen Bodenverhältnisse kann in diesem Bereich mit Schichtenwasser gerechnet werden“, so Segebarth. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass im Kellerbereich keine durchgehende Abdichtung vorhanden sei.
Während die Behörden die Verkehrssicherheit als oberste Priorität betrachten, möchte Joachim Arndt mit seiner Familie die historische Wassermühle erhalten und sanieren. Beide Seiten streben eine einvernehmliche Lösung an, doch bis dahin bleibt die Ampelregelung auf der B109 bestehen. Die Frage der Verantwortlichkeiten und möglichen Kostenfolgen wird derzeit fachlich und rechtlich geprüft.



