Rostocks meistbefahrene Straße: DDR-Beton verursacht massive Schäden
Die L22 in Rostock gilt als eine der am stärksten frequentierten Verkehrsadern Mecklenburg-Vorpommerns. Täglich nutzen mehr als 40.000 Fahrzeuge diese wichtige Verbindung zwischen der Autobahn 19 und der Vorpommernbrücke, darunter Pendler, Lastkraftwagen und Ostsee-Touristen. Doch unter der scheinbar intakten Asphaltdecke verbirgt sich ein bautechnisches Erbe aus DDR-Zeiten, das nun für erhebliche Probleme sorgt.
Betonplatten aus den 1980er Jahren als Ursache
Die Rövershäger Chaussee, ein zentraler Abschnitt der L22, wurde in den 1980er Jahren in Betonbauweise errichtet. Unter den Richtungsfahrbahnen zwischen Verbindungsweg und Gutenbergstraße/Alt Bartelsdorfer Straße liegen noch immer die originalen Betonplatten, die lediglich mit einer Asphaltdecke überbaut wurden. Stadtsprecher Ulrich Kunze erklärt: „Wegen der sehr hohen Verkehrsbelastung und dem überdurchschnittlichen Schwerlastanteil schlagen die Fugen zwischen den Betonplatten durch den Asphalt zur Oberfläche durch.“
Das Ergebnis sind regelmäßige Risse, die sich von der linken bis zur rechten Fahrbahnseite erstrecken. Straßenschäden im Abstand weniger Meter prägen das Bild dieser wichtigen Zufahrtsstraße zum Rostocker Stadthafen. Eine grundhafte Erneuerung dieses Abschnitts erfolgte in den vergangenen Jahrzehnten bisher nicht, obwohl sie laut Stadtverwaltung „zur Behebung dieses Schadensbildes zwingend und zeitnah erforderlich“ ist.
Sanierungsplan verzögert sich bis 2027
Eigentlich war eine Sanierung der Fahrbahn für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen. Doch aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Rostock konnten die notwendigen finanziellen Mittel nicht bereitgestellt werden. „Die ursprünglich in dem benannten Zeitkorridor vorgesehenen Fahrbahnerneuerungen konnten haushälterisch leider nicht abgesichert werden“, bedauert die Verwaltung.
Aktuell zeichnet sich jedoch eine vorsichtige Tendenz ab: 2027 könnte die erste Fahrtrichtung erneuert werden, gefolgt von der zweiten Fahrtrichtung im Jahr 2028. Die Bauarbeiten sollen jeweils fünf bis sechs Monate dauern – außerhalb der Winterzeit. Während der Sanierung ist vorgesehen, jeweils eine Fahrtrichtung (zwei Fahrspuren) zu sanieren und den Verkehr auf der Gegenfahrtrichtung umzuleiten, was zu erheblichen Verkehrseinschränkungen führen wird.
Komplexe Finanzierung und Koordination
Die Finanzierung der Sanierung stellt die Stadt vor besondere Herausforderungen. Obwohl die L22 als Landesstraße klassifiziert ist, liegt die Verantwortung laut Straßen- und Wegegesetz MV bei Gemeinden mit über 50.000 Einwohnern – also bei Rostock selbst. Die Kosten für die umfassende Erneuerung werden auf einen einstelligen Millionenbetrag geschätzt.
Dieser umfasst nicht nur die Fahrbahnerneuerung in beiden Richtungen, sondern auch die Installation einer neuen Fußgängerampel am Rieckdahler Weg sowie taktiler Elemente am Knotenpunkt L22/Gutenbergstraße/Alt Bartelsdorfer Straße. Aktuell prüft die Stadt, ob eine Finanzierung mit Unterstützung von Fördermitteln möglich ist.
Parallel läuft die Baukoordination zwischen der Stadt Rostock, der Autobahn GmbH des Bundes und dem Straßenbauamt Stralsund. Ziel ist es, mehrere Fahrbahnerneuerungsmaßnahmen zu bündeln, um die verkehrlichen Auswirkungen zu harmonisieren. Fußgänger und Radfahrer sollen von den Bauarbeiten nicht betroffen sein.
Bis zur Sanierung müssen sich die täglich 40.000 Fahrzeuge weiterhin mit den unebenen Fahrverhältnissen auf der Rövershäger Chaussee arrangieren – ein Zustand, der sich erst in den kommenden Jahren grundlegend verbessern wird.



