DDR-Legende kehrt zurück: Schnelltriebwagen VT 18.16 rollt bald an die Ostsee
DDR-Legende VT 18.16 bald an der Ostsee unterwegs

DDR-Legende kehrt zurück: Schnelltriebwagen VT 18.16 rollt bald an die Ostsee

Ein technisches Wunderwerk der DDR erlebt eine Renaissance. Nach jahrelanger, mühevoller Restaurierung durch Eisenbahnenthusiasten glänzt der legendäre Schnelltriebwagen VT 18.16, liebevoll DDR-ICE genannt, wieder in altem Glanz. Bald könnte er zur Hanse Sail in Rostock oder nach Warnemünde rollen, denn erste Fahrten an die Ostsee sind bereits buchbar.

Jahrelange Restaurierung fast abgeschlossen

Die Baureihe VT 18.16 der Deutschen Reichsbahn, bekannt unter Namen wie „Karlex“, „Vindobona“ oder „Neptun“, galt einst als Aushängeschild des DDR-Schienenverkehrs. Nachdem die Züge in den 1980er Jahren aufs Abstellgleis gerieten und nach der Wende nur noch sporadisch als Museumszug liefen, machte sich die gemeinnützige Gesellschaft SVT Görlitz an die Rettung. Über 2500 Tage, etwa sieben Jahre, arbeiteten die Enthusiasten an der Wiederherstellung.

Anfang März bewegte sich der Triebwagen erstmals wieder auf öffentlichen Gleisen. Mario Lieb, Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH, berichtet von Fortschritten, betont aber: „An der Elektrik und den Zugsicherungssystemen sind noch Korrekturen vorzunehmen.“ Dank Spenden und Fördermitteln, unter anderem vom Bundesverkehrsministerium, flossen Millionen in das Projekt.

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Historische Bedeutung und technische Daten

Der VT 18.16 wurde 1963 auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt und ab 1965 offiziell eingesetzt. Mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde und zwei Motoren à 1000 PS bot er Platz für etwa 140 Fahrgäste, inklusive eines MITROPA-Restaurantwagens. Fünf Hauptrouten durchquerten einst Europa, zwei davon führten durch Mecklenburg-Vorpommern: Der „Berlinaren“ nach Sassnitz auf Rügen und der „Neptun“ nach Warnemünde, von wo aus Fähren nach Dänemark und Schweden bestiegen wurden.

Diese prestigeträchtigen Transitstrecken brachten Devisen in die DDR und symbolisierten den technischen Fortschritt des Landes. Heute erinnert der restaurierte Zug an diese Ära und bietet Nostalgie auf Schienen.

Fahrten an die Ostsee bereits buchbar

Für Eisenbahnfans gibt es gute Nachrichten: Im Dresdner Reisebüro Maertens sind bereits Fahrten mit dem VT 18.16 für Ende 2026 buchbar. Ein Highlight ist der „SVT 18.16 Sonderzug Glühwein-Express Usedom“, eine fünftägige Reise von Dresden über Cottbus und Berlin nach Heringsdorf auf Usedom. Laut Reisebüro sind vorrangig Plätze in der ersten Klasse verfügbar.

Mario Lieb zeigt sich offen für weitere Charteranfragen: „Grundsätzlich fahren wir dorthin, wo es sich die Leute wünschen.“ Fahrten zur Hanse Sail in Rostock oder zu den Störtebeker-Festspielen auf Rügen seien möglich, erfordern aber entsprechende Buchungen von Privatpersonen, Firmen oder Reisebüros.

Zukunftspläne: Von Rostock nach Schweden

Langfristig träumen die Zugretter sogar von Fahrten auf Teilen der alten „Neptun“-Strecke, inklusive Fährtransfer von Rostock über die Ostsee. Lieb erklärt: „Fahrten nach Schweden über Rostock würden wir gerne durchführen als besonderen Höhepunkt.“ Allerdings sei dies mit hohem Aufwand und Kosten verbunden, sodass solche Touren nur alle drei bis vier Jahre realisierbar wären. Der Zug passe auf die Fähre von Rostock nach Trelleborg, was eine Mischung der historischen Routen ermöglichen würde.

Bis dahin steht der Feinschliff an. Spenden werden weiterhin benötigt, um Kosten für Diesel, finale Arbeiten und die Unterstellhalle in Radebeul zu decken. Eine eisenbahntechnische Legende kehrt zurück – und mit ihr die Nostalgie für die Schienen der DDR, bald auch an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns.

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