Die ehemalige Entmagnetisierungsstation „Ostervilm“ im Greifswalder Bodden wird versteigert. Am 4. Juni 2026 findet in Hamburg eine öffentliche Auktion statt, bei der das maritime Relikt aus DDR-Zeiten mit einem Mindestgebot von 39.000 Euro aufgerufen wird. Die verlassene Plattform war einst eine Spezialanlage der Volksmarine und ist heute nur noch per Boot erreichbar.
Lage und Beschaffenheit der Anlage
Die Station liegt zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie umfasst eine Land- und Wasserfläche von rund 710 Quadratmetern sowie etwa 250 Quadratmeter Nutzfläche. Errichtet wurde sie in den 1950er-Jahren auf einer Plattform, die auf rund 600 Holzpfählen in etwa zehn Metern Wassertiefe gründet. Darauf befanden sich ein Wohnhaus und ein Maschinenhaus, die aus einer Betonrahmenplattform mit Eisenplattenverschalung und Holzbohlenbeplankung bestehen.
Militärische Nutzung in der DDR
Die Volksmarine nutzte die Anlage als Entmagnetisierungsstation. Über Kabelschleifen am Meeresboden wurden die Magnetfelder von Schiffen gemessen und reduziert. Ziel war es, die Schiffe gegen Magnetminen zu schützen und sie für Torpedos mit Magnetzündern schwerer erfassbar zu machen. Solche Stationen waren ein wichtiger Bestandteil der militärischen Sicherungstechnik. Die Schiffe fuhren über die verlegten Kabelschleifen, während ihre magnetische Signatur erfasst und anschließend technisch beeinflusst wurde.
Verfall nach der Wende
Nach dem Ende der DDR verlor die Anlage ihre Funktion. Die Bundeswehr übernahm die Station nicht, sodass sie seitdem ungenutzt blieb und verfiel. In den Auktionsunterlagen wird der Zustand als marode beschrieben: Setzungsrisse, verrostete Stahlteile, zerstörte Fenster sowie Schäden durch Natur, Vogelkot und Vandalismus werden genannt. Eine Besichtigung ist nicht möglich, und ein Energieausweis ist nicht erforderlich. Für die Nutzung der Fläche besteht ein Vertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund; das jährliche Nutzungsentgelt beträgt rund 75 Euro.
Kunstprojekt und Nachnutzungsideen
Nach der Wende gab es mehrfach Überlegungen zur Nachnutzung. 2001 erwarben der Architekt Gerhard Benz und der Maschinenbauingenieur Peer Wenmakers die damals namenlose Anlage und gaben ihr den Namen „Ostervilm“. Geplant war ein Ort für Kunst, Ausstellungen und kleinere Arbeiten. Diese Pläne scheiterten jedoch an baulichen Mängeln, aufwendigem Materialtransport über Wasser sowie rechtlichen und praktischen Hürden. Später gab es weitere Ideen für Freizeitaktivitäten, die aber nie umgesetzt wurden. Auf der Plattform steht eine frei aufgestellte Keramikglocke von Gerhard Benz, die 1995 für das „River Art“-Festival in Belgrad geschaffen wurde. Sie kann zusätzlich erworben werden.
Auktionsdetails
Die Versteigerung findet im Haus der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg statt. Die Auktion ist öffentlich, der Zuschlag erfolgt nach dem dritten Hammerschlag. Bieter müssen sich vorab registrieren und Bonitäts- sowie Legitimationsunterlagen vorlegen. Zum Mindestgebot von 39.000 Euro kommen je nach Zuschlagspreis das Aufgeld des Auktionshauses sowie weitere Erwerbsnebenkosten hinzu. Ob sich für die ehemalige Entmagnetisierungsstation ein Käufer findet, wird sich am 4. Juni zeigen.



