DDR-Prestigezug nach sieben Jahren Restaurierung wieder fahrtüchtig
Ein technisches Meisterwerk der DDR-Eisenbahngeschichte erlebt seine Wiedergeburt. Der legendäre Schnelltriebwagen VT 18.16, im Volksmund oft als DDR-ICE bezeichnet, wurde nach jahrelanger mühevoller Arbeit durch Eisenbahnenthusiasten wiederhergestellt und könnte bald entlang der Ostseeküste rollen.
2542 Tage harter Arbeit für die Rückkehr der Legende
Nach exakt 2542 Tagen Restaurierungsarbeit – das entspricht etwa sieben Jahren – bewegte sich der Triebwagen mit der Nummer VT 18.16.07/10 erstmals wieder auf öffentlichen Gleisen. „Wir hoffen, dass alles gut wird. An der Elektrik und den Zugsicherungssystemen sind noch Korrekturen vorzunehmen“, erklärt Mario Lieb, Geschäftsführer der gemeinnützigen SVT Görlitz gGmbH, die das Projekt leitet.
In der DDR waren die Züge dieser Baureihe das absolute Aushängeschild der Deutschen Reichsbahn und galten als eleganter als ihre westlichen Pendants. Sie verkehrten auf prestigeträchtigen Transitstrecken, die dringend benötigte Devisen ins Land brachten, und verbanden Skandinavien über die DDR mit Osteuropa und Österreich.
Historische Routen durch Mecklenburg-Vorpommern
Der vierteilige Zug mit zwei Trieb- und zwei Mittelwagen erreichte damals beeindruckende 160 Kilometer pro Stunde und bot Platz für etwa 140 Fahrgäste, inklusive eines MITROPA-Restaurantwagens mit 23 Plätzen. Zwei der fünf Hauptrouten führten durch Mecklenburg-Vorpommern:
- Der „Berlinaren“ fuhr von Berlin über Pasewalk und Stralsund zum Fährhafen Sassnitz auf Rügen, von wo aus die Überfahrt ins schwedische Trelleborg und weiter nach Malmö erfolgte.
- Der „Neptun“ passierte Neustrelitz, Güstrow und Rostock, bevor er in Warnemünde auf die Fähre nach Gedser in Dänemark rollte, mit Endstation Kopenhagen.
Vom Abstellgleis zurück auf die Schiene
In den 1980er Jahren gerieten die einstigen Prestigezüge jedoch aufs Abstellgleis, da sie den gestiegenen Fahrgastzahlen nicht mehr gewachsen waren und die Berliner Werkstatt weggefallen war. Nach der Wende gab es mehrere Versuche, einen Triebzug betriebsfähig zu erhalten, die jedoch zunächst scheiterten.
Erst 2018 startete das Projekt „Ein Zug für Mitteldeutschland“ mit dem Ziel, einen Zug wieder betriebsfähig herzurichten und langfristig wirtschaftlich im Sonder- und Charterzugbetrieb einzusetzen. Mit Unterstützung der Ostmecklenburgischen Bahnwerk GmbH aus Neustrelitz, die die Maschinendrehgestelle aufarbeitete, sowie durch Spenden und Fördermittel des Bundesverkehrsministeriums, des Freistaats und sogar aus SED-Parteivermögen, flossen Millionen in die Restaurierung.
Buchbare Fahrten an die Ostsee bereits im Angebot
Noch in diesem Jahr könnten die ersten Fahrten mit dem restaurierten Zug aufgenommen werden. „Grundsätzlich fahren wir dorthin, wo es sich die Leute wünschen“, so Mario Lieb. Fahrten zur Hanse Sail nach Rostock oder zu den Störtebeker-Festspielen auf Rügen seien möglich, sofern entsprechende Charteranfragen von Privatpersonen, Firmen oder Reisebüros vorliegen.
Bereits jetzt bietet das Dresdner Reisebüro Maertens für Ende 2026 eine Fahrt mit dem „SVT 18.16 Sonderzug Glühwein-Express Usedom“ an. Die fünftägige Reise startet in Dresden mit Zustiegsmöglichkeiten in Cottbus und Berlin und führt nach Heringsdorf auf Usedom, wo die Reisenden drei Tage verbringen, bevor die Rückfahrt mit der DDR-Legende angetreten wird.
Vision: Internationale Fahrten über die Ostsee
Langfristig träumen die Zugretter sogar von Fahrten auf Teilen der alten „Neptun“-Strecke mit einem Transfer per Fähre von Rostock über die Ostsee. „Fahrten nach Schweden über Rostock würden wir gerne durchführen als besonderen Höhepunkt. Das macht man aber nicht jedes Jahr, sondern eher alle drei oder vier Jahre“, erklärt Lieb, da dies mit hohem Aufwand und Kosten verbunden sei.
Der Zug würde auf die Fähre von Rostock nach Trelleborg passen, was eine Mischung der Routen des „Neptuns“ und des „Berlinaren“ ermöglichen würde. Dafür benötigt es jedoch noch eine Zulassung für die schwedische Gleisinfrastruktur und umfangreiche Planungen für Hotels und Fährüberfahrten.
Für die Retter der DDR-Legende steht nun der Feinschliff an. Weiterhin sind sie auf Spenden angewiesen, um die laufenden Kosten für Diesel, finale Arbeiten und die Unterstellhalle in Radebeul zu decken. Eine eisenbahntechnische Legende aus DDR-Zeiten kehrt zurück – und mit ihr die Hoffnung auf nostalgische Fahrten entlang der malerischen Ostseeküste.



