DDR-Tatra in Rostock: Ost-Technik hält moderne Straßenbahnen im Winter rollend
DDR-Tatra in Rostock hält moderne Straßenbahnen rollend

DDR-Tatra in Rostock: Ost-Technik hält moderne Straßenbahnen im Winter rollend

Sie stammen noch aus der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik und sorgen dafür, dass es auf Rostocks Schienen reibungslos rollt. Die alten Tatra-Wagen der Rostocker Straßenbahn AG, Typ T6A2 vom tschechoslowakischen Hersteller ČKD, sind vielseitig einsetzbar und erweisen sich als äußerst robust. Gerade in den Wintermonaten sind sie unverzichtbar, denn sie sorgen nachts dafür, dass tagsüber die moderneren Bahnen problemlos verkehren können.

Historische Schienen-Ikonen im aktiven Dienst

Im Dezember 1989, kurz nach dem Mauerfall aber noch vor der deutschen Wiedervereinigung, wurden die ersten neuen Tatra-Wagen nach Rostock geliefert. Fünfundzwanzig Jahre später gingen diese Schienen-Ikonen des Ostens weitgehend in den Ruhestand. Doch drei Fahrzeuge sind bis heute im Einsatz: zwei speziell umgebaute Arbeitswagen und ein Traditionswagen. Besonders die Arbeitswagen spielen eine entscheidende Rolle für den Winterbetrieb der RSAG.

Tim Pathenheimer, Betriebshandwerker und Gleisbauer bei der RSAG, erklärt: „Die alten Tatras haben lange das Stadtbild in Rostock geprägt.“ Früher waren die heutigen Arbeits-Tatras als Linienfahrzeuge mit den Nummern 808 und 707 unterwegs, heute tragen sie die Kennzeichen 551 und 552.

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Wichtige Aufgabe: Eisfreie Oberleitungen garantieren

Die Hauptaufgabe der Tatra-Wagen im Winter ist es, die Oberleitungen eisfrei zu halten. Dafür wurden die Fahrzeuge speziell umgerüstet. „Meine Aufgabe ist es damit, in den Wintermonaten, wenn es frostig ist, die Oberleitungen eisfrei zu halten“, sagt Pathenheimer, der bei der RSAG seine Ausbildung absolvierte und die Tatra auch selbst fahren darf.

Für diese Aufgabe wird ein umweltfreundliches Glycerin mit einem speziellen System an die Oberleitung gesprüht. Dieses Glycerin ist hygroskopisch, zieht also Wasser an, und sorgt dafür, dass die Oberflächen lange eisfrei bleiben. „Gerade auch bei der Deutschen Bahn sieht man häufig morgens, wenn eine Weile nichts gefahren ist, dass es dann oben an der Oberleitung blitzt. Und das ist überhaupt nicht gut“, so der RSAG-Mitarbeiter.

Robustheit der DDR-Technik überzeugt

Die Entscheidung, die alten Tatra-Wagen für diese Aufgaben einzusetzen, hat mehrere Gründe. Einerseits sind die Fahrzeuge bereits im Bestand vorhanden, sodass keine neuen Anschaffungen notwendig sind. Andererseits erweist sich die Technik als besonders robust. Pathenheimer berichtet von einem Vorfall im vergangenen Jahr, als plötzlich Eisregen einsetzte: „Da haben wir gemerkt, dass sowohl die älteren als auch die neueren Fahrzeuge, die bei uns im Liniendienst sind, an ihre Grenzen kamen und ich immer noch fahren konnte.“

Selbst bei extremen Bedingungen zeigt sich die Tatra zuverlässig. „Vor zwei Jahren hatte ich einmal das Pech, dass ich kurze Zeit keinen Kontakt zur Oberleitung hatte, weil der Eispanzer doch recht doll war“, erinnert sich Pathenheimer. „Dann habe ich das Fahrzeug ausgemacht, neu gestartet und konnte weiterfahren.“

Technische Details des Wintereinsatzes

Die Sprühvorrichtung der Tatra passt sich intelligent der Geschwindigkeit an. Je langsamer gefahren wird, desto weniger Glycerin wird gesprüht. „Es wurde festgestellt, dass 20 km/h das Beste ist, was man machen kann, weil dann das Glycerin genug Zeit hat, an der Oberleitung haftenzubleiben“, erklärt Pathenheimer. Neben der Sprühvorrichtung verfügen die Fahrzeuge auch über eine Heizung am Stromabnehmer, die ebenfalls in den Linienfahrzeugen verbaut ist.

Der Einsatz beginnt bereits bei Temperaturen um vier oder fünf Grad Celsius, wenn Frost droht. „Letztlich ist die Oberleitung ein Stück höher und wir müssen natürlich bei uns hier an der Küste gucken, wie die Luftfeuchtigkeit und wie der Wind ist“, so der Experte. „Es kann sein, dass es zwar noch keinen Bodenfrost gibt, aber dass die Oberleitung trotzdem schon Raureif draufhat, der dann gefrieren könnte.“

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Nächtliche Patrouille auf Rostocks Gleisen

Während der nächtlichen Betriebsruhe, wenn keine regulären Straßenbahnen verkehren, ist die Tatra allein auf Rostocks Straßenbahngleisen unterwegs. Dann wird das gesamte Netz mit seinen 35,62 Kilometern Doppelgleis abgefahren und systematisch eisfrei gemacht. Diese nächtlichen Einsätze stellen sicher, dass die Frühschicht am nächsten Morgen ohne Probleme ausfahren kann.

Die Zuverlässigkeit der DDR-Technik beeindruckt dabei immer wieder. Während moderne Fahrzeuge bei Spannungsschwankungen oder extremen Wetterbedingungen öfter Probleme zeigen, beweist die Tatra ihre Robustheit Nacht für Nacht. Eine echte Schienen-Ikone, die sich durch Rostocks Winter kämpft und dabei hilft, den reibungslosen Betrieb der modernen Straßenbahnflotte zu gewährleisten.