Rostocker Eisbrecher „Stephan Jantzen“ muss in die Werft: Crew kämpft für maritimes Denkmal
Der legendäre Eisbrecher „Stephan Jantzen“, eine maritime Ikone im Rostocker Stadthafen, steht vor einer wichtigen Werftliegezeit. Die ehrenamtliche Crew des Vereins Technische Flotte Rostock bereitet das Schiff intensiv auf die notwendigen Arbeiten vor, um das technische Denkmal für die Zukunft zu sichern.
„Ich werde unser Baby nicht aus den Augen lassen“
Jürgen Neupert, der 83-jährige Schiffstechnische Offizier, kennt jede Schraube der „Stephan Jantzen“. Mit liebevoller Hingabe pflegt er die Maschinen und verspricht: „Ich werde unser Baby während der Werftliegezeit nicht aus den Augen lassen.“ Der erfahrene Seemann, der selbst zehn Jahre auf Frachtern und Tankern zur See fuhr, will mit einem kleinen Team die Werftarbeiten persönlich begleiten, wenn der über 3000 Tonnen schwere Eisbrecher aus dem Wasser geholt wird.
Umfangreiche Werftarbeiten für langfristige Sicherheit
Die Hansestadt Rostock, seit 2017 Eigentümerin des Schiffes, hat gemeinsam mit der Bürgerschaft beschlossen, die „Stephan Jantzen“ für etwa 2,1 Millionen Euro in die Werft zu schicken. Die geplanten Arbeiten umfassen:
- Komplettes Abdichten des Rumpfes unterhalb der Wasseroberfläche
- Entfernen des Bewuchses am Unterwasserschiff
- Abstrahlen und Neuanstrich der Bordwand
- Sicherstellung der Schwimmfähigkeit für die nächsten 20 Jahre
Vereinskapitän Thomas Gehrke betont: „Es handelt sich um ein technisches Denkmal. Wir wollen den Besuchern dieses maritime Erbe näherbringen.“ Jährlich besichtigen bis zu 10.000 Menschen den Eisbrecher, der seit 2009 fest zum Bild des Rostocker Stadthafens gehört.
Herausforderungen und Zeitplan
Die „Stephan Jantzen“ kann nicht mehr eigenständig fahren, da die Hauptmaschine seit der Außerdienststellung 2005 stillsteht und keine Betriebsgenehmigung mehr vorliegt. Das Schiff muss daher geschleppt werden. Mit einem Tiefgang von etwa 4,50 Metern kann es jedoch ohne Ausbaggern des Liegeplatzes verschleppt werden.
Für die Werftliegezeit sind 42 Tage vorgesehen. Obwohl der genaue Termin noch nicht feststeht, ist das Ziel klar: Zur Hanse Sail im August 2027 soll die „Jantzen“ wieder an ihrem angestammten Platz im Stadthafen liegen. Bis dahin leistet der Verein jährlich zwischen 13.000 und 15.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, um das Schiff in Schuss zu halten.
Lebendiges maritimes Erbe bewahren
Jürgen Neupert fasst die Mission zusammen: „Anders als auf einem Museumsschiff kann man bei uns das Leben und Arbeiten an Bord noch hautnah nachvollziehen.“ Die Crew kämpft mit Herzblut dafür, dass die „Stephan Jantzen“ auch in Zukunft als lebendiges, maritimes Denkmal Besucher begeistert und die maritime Geschichte Rostocks erlebbar macht.



