Experte: Fällt Gotland an Russland, verlieren wir die Ostsee
Experte: Fällt Gotland an Russland, Ostsee verloren

Die Ostseeinsel Gotland steht im Fokus einer neuen Sicherheitsdebatte. Militärexperte Thomas Theiner warnt: „Fällt Gotland in russische Hände, verlieren wir die Ostsee.“ Die Insel, die nur 200 Kilometer von der russischen Exklave Kaliningrad entfernt liegt, gilt als strategischer Schlüsselpunkt in der Region.

Größte NATO-Übung des Jahres

Vom 27. April bis zum 13. Mai 2026 führte die NATO die multinationale Militärübung „Aurora 26“ auf und um Gotland durch. Insgesamt 16.000 Soldaten sowie rund 1.500 Militärangehörige aus verbündeten Staaten nahmen teil. Neben Schweden waren Einheiten aus den USA, Großbritannien, Finnland, Norwegen, Estland, Lettland, der Ukraine, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Kanada und Frankreich beteiligt. Die Übung simulierte die Verteidigung der Ferieninsel gegen einen Angreifer.

Strategische Bedeutung Gotlands

Der Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte, Michael Claesson, erklärte der Deutschen Presse-Agentur: „Wer Gotland kontrolliert, kontrolliert den zentralen Teil der Ostsee von der polnischen Küste bis zum Archipel zwischen Schweden und Finnland.“ Die Insel mit nur 61.000 Einwohnern liegt in unmittelbarer Nähe zur russischen Exklave Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg.

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Russlands Risikobereitschaft

Claesson warnte vor einer Fehleinschätzung des Westens: „Was wir im Westen manchmal falsch einschätzen, ist das Level der strategischen Risikobereitschaft Russlands. Wenn die Russen eins wissen, dann, dass alle westlichen Länder derzeit massiv in ihre Verteidigung investieren. Warum sollten sie also abwarten, solange es noch Schwachstellen gibt, die ausgenutzt werden könnten?“

Folgen eines russischen Angriffs

Militär-Experte Thomas Theiner erklärte gegenüber BILD: „Fällt Gotland in russische Hände, werden die Russen dort Antischiffsraketen und Luftabwehrsysteme stationieren, wodurch die gesamte Ostsee für NATO-Schiffe nicht mehr nutzbar wäre.“ NATO-Kampfflugzeuge könnten das gefährdete Baltikum dann nur noch von Norden über Finnland erreichen. Ein direkter Flug von Westen oder Süden wäre zu riskant, da Russland Luftabwehr auf Gotland, in Kaliningrad und in Belarus stationiert hätte.

Theiner weiter: „Von Gotland aus könnten die Russen auch Oslo, Stockholm und Kopenhagen mit ballistischen Iskander-Raketen treffen – von Königsberg aus liegen Berlin und Warschau innerhalb der Reichweite.“

Notwendigkeit der Verteidigung

Aktuell steht Gotland unter Kontrolle Schwedens und damit seit dem NATO-Beitritt des Landes 2024 auch unter dem Schutz des Bündnisses. Theiner betont: „Falls die NATO Gotland verliert, muss die Insel erst wieder erobert werden. Eine Insel zu erstürmen, die voll mit Antischiffsraketen und Luftabwehr ist, würde tausende NATO-Soldaten das Leben kosten. Es ist essenziell, dass Gotland gehalten wird. Nicht ohne Grund war Gotland die im Kalten Krieg am stärksten militarisierte Insel in Europa.“

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