Winter 2025/26: Ein Wechselbad der Extreme in Nord- und Ostsee
Der Winter 2025/26 hat Nord- und Ostsee mit außergewöhnlichen Temperaturschwankungen konfrontiert. Auf einen ungewöhnlich milden Dezember folgte ein überraschend kalter Februar, wie aktuelle Daten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) belegen. Insgesamt lagen die Oberflächentemperaturen beider Meere jedoch weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt.
Klimaphänomene im Fokus der Forschung
Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen am BSH, betont die Bedeutung dieser Entwicklung: „Der Winter 2025/2026 zeigt eindrucksvoll, wie stark kurzfristige Wetterphänomene die Meeresoberflächentemperaturen beeinflussen können – selbst in einer Phase langfristiger, menschengemachter Klimaerwärmung.“ Das BSH analysiert wöchentlich die Temperaturen von Nordsee und Ostsee durch die Kombination von Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen.
Nordsee: Rekordwärme gefolgt von ungewöhnlicher Kälte
Die Nordsee erreichte im Winter 2025/26 eine Durchschnittstemperatur von 7,7 Grad Celsius. Damit lag sie etwa 0,3 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1996/97 bis 2020/21 und war der zehntwärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen.
Doch der Verlauf war äußerst wechselhaft:
- Dezember 2025: Mit 9,6 Grad Celsius wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Besonders im Übergangsbereich zur Ostsee lagen die Temperaturen bis zu 2 Grad über dem Durchschnitt.
- Januar 2026: Die Temperaturen blieben leicht über dem Mittel, wobei die nördliche Nordsee wärmer und die südliche etwas kühler als üblich war.
- Februar 2026: Ein deutlicher Temperatursturz auf durchschnittlich 5,9 Grad Celsius – etwa 0,5 Grad unter dem langjährigen Mittel. Vor der deutschen Küste und rund um Dänemark war es sogar bis zu 2 Grad kälter als normal.
Ostsee: Drittwärmster Dezember seit Aufzeichnungsbeginn
Die Ostsee verzeichnete im Winter 2025/26 eine Durchschnittstemperatur von 3,3 Grad, etwa 0,4 Grad über dem langjährigen Mittel. Damit war es der elftwärmste Winter seit 1996/97. Besonders zentrale und nördliche Bereiche waren überdurchschnittlich warm, während der Südwesten einschließlich der deutschen Gewässer kühler blieb.
- Dezember 2025: Mit 6,1 Grad Celsius war es der drittwärmste Dezember seit Beginn der Datenreihe – 1,5 Grad über dem Durchschnitt.
- Januar 2026: Die Temperaturen fielen auf 3 Grad, blieben aber noch 0,5 Grad über dem Mittel.
- Februar 2026: Ein weiterer Rückgang auf 0,7 Grad, etwa 0,6 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt. Die gesamte Ostsee war flächendeckend kälter als üblich.
Stärkster Eiswinter seit 15 Jahren behindert Schifffahrt
Der östliche Teil der deutschen Ostseeküste erlebte den längsten Eiswinter seit 15 Jahren. Bereits Anfang Januar bildeten sich umfangreiche Eisflächen im Greifswalder Bodden und Stettiner Haff, die bis in den März hinein bestehen blieben.
Jürgen Holfort, Leiter des BSH-Eisdienstes, schildert die Konsequenzen: „Das dichte Eis vor Usedom und Rügen hat den Schiffsverkehr erheblich beeinträchtigt. Als es sich schließlich löste, trieb es auf die offene See hinaus.“ Der gesamte Schiffsverkehr in und aus der Ostsee musste besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen. Holfort betont: „Solch strenge Eiswinter sind inzwischen eine Seltenheit geworden.“
Weiter westlich trat Eis vor allem in geschützten Küstenbereichen auf, im Februar kurzzeitig auch in den Förden bis Flensburg. An der Nordseeküste entstanden vereinzelt Eisflächen im nördlichen Wattenmeer und auf der Elbe.
Diese extremen Bedingungen verdeutlichen die komplexen Wechselwirkungen zwischen kurzfristigen Wetterphänomenen und langfristigen Klimatrends – mit direkten Auswirkungen auf maritime Wirtschaft und Ökosysteme.



