Realistische Waldbrandübung im Anklamer Stadtforst
Eine großangelegte Waldbrandübung im Anklamer Stadtforst hat am Dienstag die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Forstbehörden unter realistischen Bedingungen getestet. Die Übung, die von Revierförster Christoph Peters aus Ducherow ausgelöst wurde, simulierte einen sich rasch ausbreitenden Brand in einem Nadelwaldgebiet zwischen Ducherow und Leopoldshagen.
Unvorbereitete Feuerwehren im Einsatz
Im Gegensatz zu den Forstmitarbeitern waren die umliegenden Feuerwehren nicht auf diese Übung vorbereitet. Ziel war es, die Abläufe möglichst nah am Ernstfall zu erproben, erklärten die Organisatoren vor Ort. Die Wahl des Übungszeitpunkts um 9 Uhr an einem Wochentag war bewusst gewählt, da zu dieser Zeit viele Einsatzkräfte regulär arbeiten und nicht sofort verfügbar sind.
Insgesamt rückten gut ein halbes Dutzend Feuerwehren aus Ducherow, Leopoldshagen, Mönkebude, Bugewitz, Lübs, Ueckermünde, Torgelow und Strasburg aus. Das Szenario blieb knapp unter der Schwelle eines Großbrandes, der den Katastrophenschutz des Landkreises alarmiert hätte.
Funkloch erschwert Koordination erheblich
Die größte Herausforderung während der Übung war das komplette Funkloch in dem abgelegenen Waldstück. Einsatzleiter Georg Fürst von der Feuerwehr Leopoldshagen beklagte, dass die fehlende Funkabdeckung die Koordination der Einsatzkräfte deutlich erschwerte. In dem Gebiet fehlen bis heute Funkmasten, die eine zuverlässige Kommunikation ermöglichen würden.
Marco Gehrmann von der Landesforst, der die Übung mitkonzipiert hatte, bestätigte, dass die fehlende Netzabdeckung bewusst als Erschwernis gewählt wurde. „Gerade bei Übungen geht es darum, solche Schwierigkeiten aufzudecken“, so Gehrmann. Besonders problematisch sei, dass im Ernstfall sogar die Alarmierung der Rettungskräfte in diesem Waldgebiet aufgrund der Netzprobleme beeinträchtigt werden könnte.
Spezialtechnik im Einsatz
Bei der Bekämpfung des simulierten Waldbrandes kam spezielle Technik zum Einsatz. Die Feuerwehr Torgelow setzte ihr spezielles Waldbrandfahrzeug TLF5000 ein, während die Feuerwehr Lübs eine Drohne zur Lageerkundung bereitstellte. Besonders beeindruckend war der „Ponss Firefighter“ des Forstamtes Torgelow, ein Spezialfahrzeug, das seit 2022 im Besitz der Forstbehörde ist.
Dieses Fahrzeug ist speziell für den Einsatz in unwegsamem Gelände konzipiert und kann bis zu 10.000 Liter Löschwasser transportieren. Es dient sowohl zur Versorgung der Feuerwehren als auch zur eigenständigen Brandbekämpfung per Fernsteuerung, insbesondere bei der Nachsorge von Brandflächen.
Herausforderungen auf engen Waldwegen
Neben der Kommunikationsproblematik stellten auch die engen Waldwege eine erhebliche Herausforderung dar. Die Koordination der zahlreichen Einsatzfahrzeuge erforderte präzises Zusammenspiel und gute Ortskenntnisse. Die beengten Verhältnisse erschwerten nicht nur die Anfahrt, sondern auch das Manövrieren der schweren Fahrzeuge vor Ort.
Gemeinsame Auswertung und zukünftige Vorbereitung
Nach rund vier Stunden intensiver Übung folgte eine gemeinsame Auswertungsrunde aller Beteiligten. Für die Landesforst war die Übung in mehrfacher Hinsicht wertvoll: „Zum einen erfüllen wir damit die erforderlichen Pflichtübungsstunden und bilden unsere Mitarbeiter aus, zum anderen sehen wir, wie das Zusammenspiel mit der Feuerwehr funktioniert“, erklärte Marco Gehrmann.
Einsatzleiter Georg Fürst betonte, dass trotz der aufgedeckten Probleme die Übung insgesamt erfolgreich verlaufen sei. Feuerwehr und Forst wollen nun besser auf den Ernstfall vorbereitet sein, auch wenn in diesem Gebiet bisher noch kein großer Waldbrand bekämpft werden musste. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die weitere Planung und Ausrüstung der Einsatzkräfte einfließen.



