Das Drama um den in der Ostsee umherirrenden Buckelwal vor der Insel Poel nimmt kein Ende. Seit Ende März hält der etwa zwölf Meter lange Wal die Region in Atem. Mehrfach strandete das Tier auf Sandbänken, verlor an Kraft und wurde schließlich von Experten aufgegeben. Die Bilder des gestrandeten Meeressäugers sorgten bundesweit für eine Welle der Anteilnahme und entfachten eine Debatte über das richtige Vorgehen.
Antrag gegen Rettungsaktion eingegangen
Am Montag ist beim Verwaltungsgericht Schwerin ein Antrag gegen den laufenden Rettungsversuch eingegangen. Der Antrag stamme von einer Bürgerinitiative, sagte ein Sprecher des Gerichts gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Antrag richte sich gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern mit dem Ziel, die durchgeführten oder veranlassten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Rettung einzustellen oder hilfsweise erst nach einem speziellen Gutachten durchzuführen. Das Gericht zweifelt laut Sprecher an der Antragsbefugnis. Es laufe eine Frist, in der die Antragsteller entscheiden sollten, ob sie ihren Antrag zurückziehen.
Die derzeitigen Bemühungen, den Wal vor Poel aus seiner Lage zu befreien, unternehmen allerdings nicht Behörden oder das Land selbst. Stattdessen hat eine private Initiative die Verantwortung übernommen. Das Land duldet und überwacht die Maßnahmen.
Rettungsaktion unter Druck
Die private Rettungsaktion, finanziert von Media-Markt-Mitgründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert, läuft seit einer Woche. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den stark geschwächten Buckelwal zu befreien und in die offene See zu schleppen. Doch die Aktion steht unter Druck: Mehrere Teammitglieder haben die Initiative verlassen, darunter die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert, die mit Kreislaufsymptomen und Schlaganfall-Auffälligkeiten ins Krankenhaus gebracht wurde und sich im Koma befindet. Auch die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin Jenna Wallace ist nach Differenzen abgereist und übt scharfe Kritik an der Organisation.
Kritik an der Rettungsaktion
Die amerikanische Tierärztin Jenna Wallace warf dem Team vor, den Wal durch Fehlentscheidungen zu gefährden. Sie kritisierte insbesondere den Autor und Helfer Sergio Bambaren, der die Rettungsaktion mehrfach behindert habe. Auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) steht in der Kritik. Wallace forderte einen Ausschluss von Bambaren und des YouTubers Danny Hilse, der sich ebenfalls an der Aktion beteiligt.
Unterdessen hat die Umweltschutzorganisation WWF einen deutlichen Anstieg an Walpatenschaften verzeichnet. In den vergangenen vier Wochen wurden 113 neue Patenschaften abgeschlossen, während es in den vier Wochen zuvor nur 15 waren. Auch Sea Shepherd berichtet von einem gestiegenen öffentlichen Interesse.
Zustand des Wals
Der Wal ist 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Sein Gewicht wird auf etwa zwölf Tonnen geschätzt. Es handelt sich um ein männliches Jungtier. Das Tier ist geschwächt, aber schwimmfähig und aktiv. Es hat in den letzten Tagen nur geringe Strecken zurückgelegt und wenig gefressen. Das Niedrigwasser bleibt ein großes Problem, da der Wal in zu flachem Wasser von seinem eigenen Gewicht erdrückt werden könnte.
Helfer haben versucht, mit Saug- und Spülgeräten den Untergrund freizuspülen und dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Ein Bagger auf einem Ponton saugt Sand ab, um eine Mulde zu schaffen. Der Wal wird zudem mit nassen Tüchern vor der Sonne geschützt.
Ausblick
Wie es weitergeht, ist unklar. Die private Initiative will nicht aufgeben, aber die Belastung für das Team ist enorm. Walter Gunz sprach von einer enormen Belastung und Schlafmangel. Umweltminister Backhaus verbringt die Nächte auf einem Boot, um den Wal zu beobachten. Die Entscheidung über die Zukunft der Rettungsaktion liegt nun auch beim Verwaltungsgericht.



