Bauarbeiter entdecken historische Zeitkapsel in Rostocker Keller
Ein außergewöhnlicher Fund hat Bauarbeiter in Rostock überrascht. Bei Sanierungsarbeiten im Hafenviertel stießen sie auf eine faszinierende Sammlung historischer Gegenstände, die wie eine Zeitkapsel aus vergangenen Epochen wirken.
Die Entdeckung im Keller
Während der Erneuerung des Brandschutzes in einem Hauskeller an der L22 im März entfernten Bauhelfer Patrick Schülke (38) aus Dargun und seine Kollegen alte Deckenplatten. Dabei kamen im Füllmaterial zwischen Lehm, alten Steinen und Schilf mehrere historische Objekte zum Vorschein.
Die Fundstücke umfassen:
- Eine Kondomverpackung mit Preisangaben in Reichsmark, die vermutlich aus der NS-Zeit stammt
- Eine mehr als 100 Jahre alte Ausgabe des Rostocker Anzeigers vom 14. Mai 1925
- Eine DDR-Speisekarte und eine Arbeitsschutzjacke
- Einen Figurenkopf, der ebenfalls historischen Ursprungs ist
Drei deutsche Epochen in einem Fund
„Es ist schon etwas Besonderes, wenn man aus so einer Epoche etwas findet“, sagt Bauhelfer Schülke. „Ich meine, das ist 101 Jahre alt, das ist älter, als wir drei Arbeiter da unten auf der Baustelle zusammen sind.“
Die Fundstücke stammen laut Schülke aus drei verschiedenen deutschen Epochen: der Weimarer Republik, der DDR-Zeit und dem NS-Regime. Um mehr über die Gegenstände zu erfahren, nutzten die Bauarbeiter künstliche Intelligenz. Sie fotografierten die Objekte und ließen sie durch KI-Analyse im Internet untersuchen.
„Bei der Zeitung weiß man, was das ist, bei der Kondompackung weiß man auch, was das ist“, erklärt Schülke, „aber die KI kann die Feinheiten besser analysieren.“
Das historische Kondom
Besonders interessant ist die Kondomverpackung der Marke Dublosan. Die Alu-Büchse trägt die Aufschrift „Hygienischer Gummischutz“ und stammt von der „Deutsche Dublosan-Gesellschaft“ aus Berlin-Neukölln. Auf einem Beipackzettel steht: „Verhütet Geschlechtskrankheiten“ und „Jeder außereheliche Geschlechtsverkehr ist gefahrbringend.“
Schülke schätzt, dass das Kondom aus den 1930er bis 1940er Jahren stammt: „Es war nur eins noch drin. Drei sollten drinnen sein, also hat derjenige wohl Spaß gehabt“, sagt er schmunzelnd.
Die Preisangaben sind ebenfalls erhalten: Drei Stück Gummischutz kosteten 75 Reichspfennige, sechs gab es für 1,45 Reichsmark. Zum Vergleich: 1940 kostete in Berlin der Liter Milch 24 Pfennig und fünf Kilo Speisekartoffeln 42 Pfennig.
Historischer Kontext
Das Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch berichtet, dass Dublosan so populär wurde, dass es im Zweiten Weltkrieg zum Pflichtbestandteil jeder Bordapotheke eines Schiffes gehörte – passend für den Fundort in der Hafenstadt Rostock.
Interessant ist auch der historische Kontext: Im NS-Staat waren Kondome eigentlich verboten, wurden aber für die Wehrmacht zugelassen, um Soldaten vor Geschlechtskrankheiten zu schützen und ihre militärische Einsatzfähigkeit zu erhalten.
Die Zukunft der Fundstücke
Bauhelfer Schülke plant, die historischen Objekte zu Hause aufzubewahren. „Eine 100 Jahre alte Zeitung hat auch nicht jeder zu hängen“, überlegt er. „Und die Kondompackung, die wird, denke ich mal, in der Vitrine landen, meine Frau mag solch alte geschichtliche Sachen.“
Der Rest der Funde soll in einem Schuhkarton verstaut werden. Schülke ist überzeugt, dass in den kommenden Jahren bei weiteren Bauarbeiten in Rostock noch mehr historische Schätze ans Licht kommen werden.
Diese Entdeckung zeigt einmal mehr, wie Geschichte buchstäblich in den Wänden unserer Städte schlummert und bei Renovierungsarbeiten unerwartet zu Tage treten kann.



