Kormoran-Konflikt in MV: Fischer fordern drastische Maßnahmen mit Prämien und Drohnen
Kormoran-Konflikt: Fischer fordern Prämien und Drohnen

Kormoran-Konflikt in MV: Fischer fordern drastische Maßnahmen mit Prämien und Drohnen

Die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern fordern eine deutliche Verschärfung der Maßnahmen gegen Kormorane. Bei der Jahreshauptversammlung des Landesfischereiverbandes in Eldenburg bei Waren stand die Belastung durch die Vögel im Mittelpunkt der Diskussion. Vertreter der Fischerei sehen in den Kormoranen eine wachsende Bedrohung für ihre Arbeit und die regionalen Fischbestände.

Massive Bestände und wirtschaftliche Schäden

Sebastian Paetsch, Präsident und Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, verdeutlichte das Ausmaß des Problems. Im Ostseeraum wurden im vergangenen Jahr zwischen 200.000 und 250.000 Brutpaare gezählt, was zusammen mit dem Reservebestand auf etwa 600.000 Kormorane allein in dieser Region hinausläuft. Diese Zahlen zeigen laut Paetsch, dass der Kormoran keineswegs vom Aussterben bedroht ist.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: „Diese Vögel bewirken, dass Lebensmittel für die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern nicht bereitgestellt werden können, sondern importiert werden müssen“, so Paetsch. Der Verband ist überzeugt, dass eine Reduzierung des Kormoranbestands die regionale Fischproduktion deutlich steigern und sogar bedrohte Fischarten schützen könnte.

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Unzureichende Jagdmöglichkeiten und neue Ansätze

Kritik übte Paetsch an den aktuellen Jagdbedingungen. Zwar ist die Bejagung grundsätzlich erlaubt, doch auf den großen Wasserflächen der Ostsee und der Seenplatte ist sie kaum effektiv umsetzbar. In der Teichwirtschaft funktioniere dies teilweise, allerdings nur mit enormem Aufwand.

Als mögliche Lösungen wurden bei der Versammlung innovative Ansätze diskutiert:

  • Die Einführung einer finanziellen Prämie für abgeschossene Kormorane, um Jäger zusätzlich zu motivieren
  • Der Einsatz von Drohnen, wie bereits in Baden-Württemberg praktiziert, um in das Brutgeschehen einzugreifen
  • Änderungen im Jagdgesetz, die ganzjähriges Schießen in Kolonien sowie an Schlaf- und Brutplätzen ermöglichen

Angler im Zwiespalt mit dem Naturschutz

Auch der Landesanglerverband sieht den unter Naturschutz stehenden Vogel seit Jahren kritisch. Bernd Dickau, Präsident des Verbandes, erklärte: „Wir haben uns jahrelang am Kormoran abgearbeitet und sind mit unseren Klageverfahren nicht durchgekommen, weil wir aufgrund der Gemeinnützigkeit zum Naturschutz verpflichtet sind.“ Fische hätten im Vergleich zu anderen Tieren kaum eine öffentliche Lobby – sie seien eben nicht niedlich und kuschelig.

Ministerium sucht Kompromisse

Renate Brügge, Abteilungsleiterin im Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, betonte, dass bereits verschiedene Maßnahmen zur Einflussnahme auf das Brutgeschehen existieren. „Die Änderung entsprechender Regelungen ist in der Entwicklung“, sagte Brügge. Es fänden Gespräche mit Naturschutzverbänden statt, um Kompromisse zu finden – ein Prozess, den sie teilweise als „zähen Kampf“ bezeichnete.

Gleichzeitig müsse das europäische Recht beachtet werden, dessen Spielräume jedoch möglichst ausgeschöpft werden sollen. Der Konflikt zwischen Fischereiinteressen und Naturschutz bleibt damit eine komplexe Herausforderung, die nachhaltige Lösungen erfordert.

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