Löschwasser-Krise in Mecklenburg: Gemeinden kämpfen mit sinkenden Wasserständen
Löschwasser-Krise: Gemeinden suchen neue Lösungen

Löschwasser-Krise in Mecklenburg: Gemeinden kämpfen mit sinkenden Wasserständen

Der Klimawandel stellt Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern vor massive Herausforderungen. Durch anhaltende Trockenheit und sinkende Wasserstände verlanden Dorfteiche und Seen, die traditionell als Löschwasser-Entnahmestellen dienen. Gemeinden im Amt Neustrelitz-Land suchen daher dringend nach alternativen Lösungen, um im Brandfall ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben.

Entfernung zur nächsten Wasserstelle wird zum Problem

Die Feuerwehrbedarfsplanung schreibt vor, dass eine Löschwasser-Entnahmestelle nicht weiter als 300 Meter von Wohnbebauung entfernt sein darf. „Das schaffen wir in Hohenzieritz nicht“, erklärt Bürgermeister Peter Strobl. „Es funktioniert bei uns nur über Schläuche, die wir bis maximal 900 Meter legen können.“ Ähnliche Probleme gibt es in Carpin, wo bei einem Brand im Ortsteil Zinow Ende vergangenen Jahres der Zugang zu Wasser äußerst schwierig war.

Bürgermeister Claus Weber aus Carpin berichtet von besorgniserregenden Entwicklungen: „Der Wasserspiegel im Thurower See ist in den vergangenen Jahren um einen Meter gefallen. Und das wird sich absehbar nicht ändern, es sei denn, wir haben ein Jahr lang Regen.“ Diese Situation zwingt die Gemeinden zum Handeln.

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Zwei unterschiedliche Lösungsansätze

Die Gemeinden verfolgen unterschiedliche Strategien zur Bewältigung der Löschwasser-Krise:

  • Carpin setzt auf Zisternen: Die Gemeinde nutzt derzeit eine stillgelegte Klärgrube als provisorische Zisterne. Allerdings plant die Wohnungsgesellschaft, auf dem Gelände ein Werkstattgebäude zu errichten, was diese Lösung gefährdet. Carpin möchte daher neue Zisternen bauen, hat bereits Geld im Haushalt eingestellt, muss aber mit langen Realisierungszeiten rechnen.
  • Grünow und Hohenzieritz erwägen Löschwasserkissen: Diese selbsttragenden Tanks aus technischem Gewebe sind deutlich kostengünstiger als Zisternen. Ein 100 Kubikmeter fassendes Löschwasserkissen kostet etwa 35.000 Euro, während eine Zisterne gleichen Fassungsvermögens 160.000 Euro kosten würde.

Löschwasserkissen: Funktionell, aber nicht schön

Die Löschwasserkissen, die von einer französischen Firma hergestellt werden, bieten laut Herstellerangaben absolute Dichtheit, hohe mechanische Festigkeit und außergewöhnliche Langlebigkeit. Sie können ohne aufwendige Erd- und Fundamentarbeiten errichtet werden, was ihre Attraktivität erhöht.

„Eine Augenweide sind die Dinger wahrlich nicht“, räumt Hohenzieritz' Bürgermeister Peter Strobl ein. „Wir benötigen das Wasser aber in der Ortsmitte. Am Ortsrand ein solches Kissen zu errichten, ist wenig sinnvoll. Das ist das Dilemma.“ Dennoch erwägt seine Gemeinde die Anschaffung, da Zisternen nicht zu finanzieren sind und zu viel Fläche beanspruchen würden.

Erste praktische Erfahrungen

Da Löschwasserkissen erst seit Kurzem auf dem Markt sind, gibt es im Land nur wenige praktische Beispiele. Im zu Jarmen gehörenden Neu Plötz wurde Ende vergangenen Jahres ein solches Kissen installiert, das nun als Referenz dient.

Die Gemeinde Kratzeburg zeigt hingegen, wie langwierig der Bau von Zisternen sein kann: Vom Beschluss, eine Zisterne im Ortsteil Krienke zu bauen, bis zur Realisierung vergingen sechs Jahre. Als größte Hürde erwies sich die Beschaffung von Fördergeldern.

Die Gemeinden im Amt Neustrelitz-Land stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Sie müssen zwischen ästhetischen Bedenken, finanziellen Möglichkeiten und der dringenden Notwendigkeit, ausreichend Löschwasser vorzuhalten, abwägen. Die Zeit drängt, denn mit fortschreitendem Klimawandel wird das Problem der Wasserknappheit voraussichtlich noch größer werden.

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