Außergewöhnlicher Fund bei Bauarbeiten in Rostock
Bei Renovierungsarbeiten in einem historischen Gebäude am Rostocker Stadthafen haben Bauarbeiter einen ungewöhnlichen Fund gemacht. In einem Keller entdeckten sie eine gut erhaltene Metall-Dose mit einem Kondom, das nach Experteneinschätzung aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt.
Die Entdeckung im Detail
Bauhelfer Patrick Schülke (37) aus Dargun und seine Kollegen waren mit der Erneuerung des Brandschutzes in einem Haus an der L22 beschäftigt, als sie im Keller auf eine alte Schüttung aus Lehm, Stein und Stroh stießen. Neben einer mehr als hundert Jahre alten Zeitung und einer historischen Speisekarte fanden sie eine Metall-Dose mit der Aufschrift „Dublosan“. Die Dose enthielt nicht nur das Kondom selbst, sondern auch die originalen Beipackzettel.
„Jeder außereheliche Geschlechtsverkehr ist gefahrbringend. Durch den Gebrauch von Dublosan-Schutzmitteln (Gummischutz od. Dublosan-Salben-Schutz) wird die Gefahr der Ansteckung wesentlich vermindert“, ist auf einem der Zettel zu lesen. Die Deutsche Dublosan-Gesellschaft mit Sitz in Berlin-Neukölln produzierte diese Verhütungsmittel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Experteneinschätzungen aus Wien und Dresden
Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien schätzt die Dose auf Anfang der 1940er-Jahre. „Solche Dosen wurden unter anderem (Front-)Soldaten mitgegeben, dass diese sich vor Geschlechtskrankheiten schützen konnten“, erklären die österreichischen Experten. Interessanterweise waren Dublosan-Produkte nicht nur als Kondome, sondern auch als Salben erhältlich und gehörten zur Pflichtausstattung von Schiffapotheken.
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden bestätigt die Seltenheit des Fundes: „Leider haben wir selbst eine solch frühe Kondomdose von Dublosan, die wahrscheinlich zwischen 1924 und 1945 entstanden ist, nicht im Bestand“. Das Museum verfügt lediglich über Produkte aus späteren Jahrzehnten.
Historischer Kontext und Verbreitung
Obwohl die Nationalsozialisten ab 1933 offiziell die Werbung für Verhütungsmittel unter Strafe stellten, blieb der Bedarf bestehen. Das Wiener Museum berichtet, dass 1938 bis zu 27 Millionen Kondome verbraucht wurden. Neben Dublosan waren auch andere Marken wie Amor im Umlauf.
Eine schriftliche Anordnung des Ortskommandanten von Calais aus dem Juli 1940 verdeutlicht die militärische Bedeutung: „Jeder deutsche Soldat erhält den dienstlichen Befehl, den geschlechtlichen Verkehr nur mit einem Präservativ auszuüben“.
Weitere Details zum Fund
Ein Exemplar des Dublosan-Kondoms kostete damals 85 Reichspfennig – Mengenrabatte waren bereits üblich. Später wurden die Kondome in Kunststoffhüllen vertrieben, bis der Vertrieb in den 1980er-Jahren aufgrund nachgewiesener Quecksilberanteile untersagt wurde.
Heute sind ähnliche Dosen auf Auktionsplattformen wie Ebay für etwa 15 Euro (ohne Inhalt) zu finden. Der Rostocker Fund soll jedoch nicht verkauft werden, sondern in der privaten Vitrine des Entdeckers Patrick Schülke verbleiben. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man aus so einer Epoche etwas findet“, kommentiert der 37-Jährige den Fund.



