Die Odyssee des Ostsee-Buckelwals: Eine Chronologie der Ereignisse
Seit Anfang März hält das Schicksal eines Buckelwals in der Ostsee die Menschen in Atem. Was mit einer spektakulären Sichtung im Hafen von Wismar begann, entwickelte sich zu einer dramatischen Rettungsmission mit zahlreichen Überraschungen und Wendungen.
Die ersten Sichtungen und Befreiungsversuche
Anfang März tauchte der Buckelwal erstmals im Hafen von Wismar auf und lockte zahlreiche Schaulustige an. Einsatzkräfte entfernten erste Netzreste, während die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd mit ihrem Schiff „Triton“ vor Ort war. Interessanterweise ging das Deutsche Meeresmuseum zunächst von einem Finnwal aus.
In den folgenden Tagen wurde der Wal mehrfach in der Lübecker Bucht gesichtet - vor Brook, Scharbeutz und Boltenhagen. Sea Shepherd gelang es schließlich von einem Schlauchboot aus, weitere Netzreste zu entfernen, doch verblieben Leinenreste am Tier.
Die Wanderung entlang der Küste
Der Wal zeigte eine erstaunliche Mobilität: Mitte März erreichten das Deutsche Meeresmuseum Meldungen aus Westmecklenburg, Graal-Müritz östlich von Rostock sowie aus Wustrow und Ahrenshoop. Vor der Küste bei Steinbeck verfing sich das Tier erneut in einem Fischernetz, wurde aber von einem örtlichen Fischer befreit.
Besonders bemerkenswert war die Beobachtung am 19. März, als Sea Shepherd sah, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwamm - ein ungewöhnliches Verhalten für diese Walart in der Ostsee.
Die dramatischen Strandungen
Erste Strandung: Am 23. März wurde der Wal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt, wo er im flachen Wasser festsaß. Nun bestand Konsens, dass es sich tatsächlich um einen Buckelwal handelte. Tagelange Rettungsversuche folgten, bei denen sogar Bagger eine Rinne gruben. Am 27. März gelang schließlich die Befreiung.
Weitere Strandungen: Doch die Erleichterung währte nur kurz. Bereits am 28. März strandete der Wal erneut - diesmal auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Trotz zeitweiliger Befreiung bei steigendem Wasserstand lag das Tier bald wieder fest.
Experten versuchten, den Wal mit Lärm zu animieren, doch dieser schwamm laut Schweriner Umweltministerium in die falsche Richtung. Nach einer Sichtung am Hafen von Wismar strandete das Tier schließlich am 31. März im Kirchsee vor der Insel Poel.
Die veränderte Rettungsstrategie
Am 1. April gaben die Verantwortlichen bekannt, weitere Rettungsversuche einzustellen, um den laut Experten geschwächten Wal in Frieden zu lassen. Ein Vermessungsboot begann sogar, die Umgebung für eine mögliche spätere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten.
Die Ergebnisse eines Gutachtens, die am 7. April gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) vorgestellt wurden, zeichneten ein düsteres Bild: Das Tier sei „schwerstkrank“ mit sich verschlechterndem Hautzustand und wahrscheinlichen Organschäden durch das häufige Aufliegen.
Die überraschende Wendung
Trotz der ernüchternden Prognose folgte eine überraschende Entwicklung: Am 11. April wurde ein weiterer Versuch unternommen, den Wal mit Walgesängen zu mobilisieren - allerdings ohne Erfolg.
Doch die eigentliche Überraschung kam am 15. April: Umweltminister Backhaus informierte auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Rettungskonzept einer privaten Initiative geprüft und genehmigt hatten. Dieses ambitionierte Konzept sieht vor, das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls sogar in den Atlantik zu transportieren.
Die geplante Methode ist bemerkenswert: Das Tier soll mit Luftkissen angehoben und auf einer Plane zwischen zwei Pontons transportiert werden. Diese Entscheidung markiert einen dramatischen Kurswechsel in der Rettungsstrategie und gibt neue Hoffnung für das Schicksal des Ostsee-Buckelwals.
Die Chronologie dieser Ereignisse zeigt nicht nur die Hartnäckigkeit der Rettungskräfte, sondern auch die erstaunliche Widerstandsfähigkeit des Wals selbst. Was als kurze Sichtung begann, entwickelte sich zu einer wochenlangen Odyssee, die die Aufmerksamkeit der gesamten Region auf sich zog und Fragen zum Umgang mit gestrandeten Meeressäugern in der Ostsee aufwirft.



