Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) – Tag 28 in der Bucht von Poel. Die Rettung von Buckelwal Timmy geht in die entscheidende Phase. Eine Barge, die ihn zurück ins offene Meer bringen soll, ist bereits auf dem Weg nach Wismar. Doch die Sorge um den Wal und die Helfer wächst.
Gefahr für die Retter
Meeresbiologe Fabian Ritter warnt im Interview vor den Risiken für das Team. „Es besteht Gefahr, dass der Wal in Panik ausbricht“, erklärt er. Abrupte Bewegungen des gestrandeten Wals könnten die Helfer gefährlich verletzen. Die Lage ist angespannt, denn Timmy hat sich inzwischen so gedreht, dass er perfekt an der Fahrrinne liegt – ein guter Ausgangspunkt für den Abtransport.
Lichtblick: Tierärztin aus dem Koma erwacht
Es gibt auch eine positive Nachricht: Janine Bahr-van Gemmert, die nach einem Kreislaufzusammenbruch und Schlaganfall-Symptomen im Koma lag, ist erwacht. Ihre tierärztliche Praxis teilte mit: „Nach einer Zeit voller Sorge gibt es nun einen bedeutenden Lichtblick: Janine ist nicht mehr im Koma.“ Ihr Zustand sei weiterhin ernst, aber sie sei auf dem Weg der Besserung. Der Vorfall steht nicht im Zusammenhang mit der Rettungsaktion.
Verwirrung um Timmys Gesundheitszustand
Am Nachmittag gab es zunächst Alarm: Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies erklärte, Timmy gehe es schlechter. Seine Atmung sei flacher geworden, er baue ab und müsse dringend von der Sandbank. Doch nur 30 Minuten später die Kehrtwende: Nach einem erneuten Besuch sah Timmy „viel besser“ aus, bewegte sich gut und die Experten waren „richtig happy“. Die Lage ist offenbar äußerst dynamisch.
Plan für die Rettung
Am Montagabend wurden die weiteren Schritte besprochen. Ein GPS-Tracker soll an Timmy angebracht werden, um ihn nach der Freilassung überwachen zu können. Dr. Tönnies lehnt die Methode des „Einschießens“ ab, da sie zu grausam sei. Stattdessen wird geprüft, den Tracker an der Haut zu befestigen oder mit einem Gurtsystem zu arbeiten.
Schonender Transport
„So viel Druck wie nötig, so wenig wie möglich“, beschreibt Dr. Tönnies das Vorgehen. Man werde den Wal nicht aktiv antreiben oder stark ziehen. Die Gurte und die Konstruktion sollen ihm lediglich eine Richtung vorgeben – den Weg in die Barge. Der Start für den entscheidenden Einsatz ist für Dienstagmorgen um 7 Uhr geplant. Wie lange die Verladung dauern wird, ist offen.
Helfer am Limit
DLRG-Einsatzleiter Oliver Bartelt macht die enorme Belastung deutlich: „Die menschliche Ressource neigt sich dem Ende zu.“ Viele Helfer arbeiten seit Tagen am Limit. Für Dienstag ist der entscheidende Schritt geplant, und man wolle alles absichern. Sollte der Rettungsversuch scheitern, werde die DLRG am Mittwoch abreisen – was dann passiert, müsse man sehen.
Zeitdruck und Kritik
Auf die Frage, ob man schneller hätte handeln können, antwortet Dr. Tönnies offen: „Man hätte einfach zwei Wochen früher anfangen müssen.“ Dieses Problem habe man nun und müsse damit umgehen. Die Zeit drängt. Dennoch zeigt sie sich zuversichtlich: Der Wal habe kaum Chancen, nicht in die Barge zu kommen. Sein Ernährungszustand sei „noch okay“ – nicht perfekt, aber ausreichend zum Überleben.
Die Rettungsaktion bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit. Alle hoffen, dass Timmy bald in Freiheit schwimmen kann.



