Ostsee-Enttäuschung: Erhoffter Salzwassereinbruch aus der Nordsee bleibt aus
Ostsee: Erhoffter Salzwassereinbruch bleibt aus (13.03.2026)

Ostsee-Enttäuschung: Erhoffter Salzwassereinbruch aus der Nordsee bleibt aus

Die Fachleute waren voller Hoffnung, doch die Natur hat anders entschieden. Trotz einer prognostizierten Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent ist der erwartete große Salzwassereinbruch aus der Nordsee in die Ostsee bisher ausgeblieben. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) hatte im Februar noch von einer hohen Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis gesprochen, das mehrere positive Effekte für das Binnenmeer gehabt hätte.

Historisch niedriger Wasserstand bot ideale Voraussetzungen

Die Vorzeichen schienen optimal: Die Ostsee wies durch anhaltende Ostwinde einen historisch niedrigen Wasserstand auf – der niedrigste seit Beginn der Messungen im Jahr 1886. Mit minus 67 Zentimeter unter dem Mittelwasserstand (Stand 5. Februar) war das Meer so leer wie noch nie. Diese Situation hätte eigentlich ideale Bedingungen für einen Frischwasserschub geboten.

Volker Mohrholz, stellvertretender Leiter der IOW-Abteilung Physikalische Ozeanographie, hatte die potenziellen Vorteile eines solchen Einbruchs vor gut vier Wochen erläutert: „Kaltes Wasser kann deutlich mehr Sauerstoff aufnehmen als warmes und würde damit – bezogen auf sein Volumen – überdurchschnittlich viel Sauerstoff in die tiefen Becken transportieren.“ Zudem hätte ein ausreichend intensiver Einstrom die seit etwa zwei Jahrzehnten erhöhten Tiefenwassertemperaturen in den zentralen Ostseebecken beenden können.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Falsche Windrichtung verhindert den erhofften Effekt

Doch die Natur spielte nicht mit. Zwar hat sich die Ostsee mittlerweile von minus 67 Zentimeter auf minus 19 Zentimeter unter dem Mittelwasserstand (Stand 10. März) angefüllt, allerdings geschah dies auf andere Weise als erhofft. Statt des erwarteten Salzwassers aus der Nordsee strömte vor allem das zuvor ausgeströmte salzarme Ostseewasser zurück – vermischt mit etwas Wasser aus dem Kattegat.

Der entscheidende Faktor fehlte: „Starke, anhaltende Winde aus westlichen Richtungen, die zusätzlich auch größere Mengen Nordseewasser in die Ostsee hätten drücken können, hat es bisher nicht gegeben“, erklären die Experten des IOW. Der starke Ostwind hatte zwar nachgelassen, doch für den benötigten Salzwassereinbruch wären Westwinde notwendig gewesen.

Wasserqualität reicht nicht für dringend benötigte Belüftung

Das zurückgeströmte Wasser weist beim Überstrom über die Darßer Schwelle nur einen leicht erhöhten Salzgehalt von etwa 11 bis 13,5 Gramm pro Kilogramm auf. Die Dichte dieser Wassermassen ist nicht hoch genug, um das Bodenwasser der zentralen Ostsee zu erreichen und somit für eine dringend benötigte Belüftung der dortigen Sauerstoffmangelgebiete zu sorgen.

Zwar ist die Ostsee mit 19 Zentimetern unter dem Mittelwasserstand laut IOW immer noch bereit für einen größeren Salzwassereinbruch, doch die aktuelle Wetterlage bietet keine günstigen Bedingungen. „Das stabile Hoch mit Süd- bis Südwestströmung bleibt wetterbestimmend. Ein klassischer Nordwest-Sturm oder gar mehrere davon sind nicht in Sicht, die als Antrieb für einen Salzwassereinstrom aus der Nordsee benötigt werden“, so die Fachleute.

Statistische Wahrscheinlichkeit hat sich nicht bewahrheitet

Das Fazit der Wissenschaftler fällt ernüchternd aus: Vor gut vier Wochen ging man zwar von einer 80- bis 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit für den Salzwassereinbruch aus, „diesmal haben die 10 bis 20 Prozent ‚gewonnen‘, die dem entgegenstanden“. Die Hoffnung auf eine natürliche Verbesserung der Sauerstoffsituation in den Tiefen der Ostsee muss somit vorerst aufgeschoben werden.

Die Experten betonen jedoch, dass die grundsätzliche Bereitschaft der Ostsee für einen solchen Einbruch weiterhin gegeben ist. Sobald die meteorologischen Bedingungen stimmen – insbesondere starke und anhaltende Westwinde – könnte der erhoffte Frischwasserschub doch noch stattfinden. Bis dahin bleibt die Sauerstoffsituation in den tiefen Becken der Ostsee weiterhin angespannt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration