Ostsee-Enttäuschung: Erhoffter Salzwassereinbruch aus der Nordsee bleibt trotz hoher Prognose aus
Ostsee: Erhoffter Salzwassereinbruch bleibt trotz Prognose aus

Enttäuschung für die Ostsee: Erhoffter Frischwasserschub bleibt aus

Die Hoffnungen der Meeresexperten wurden enttäuscht. Trotz einer prognostizierten Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent ist der erwartete große Salzwassereinbruch aus der Nordsee in die Ostsee bisher ausgeblieben. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) hatte im Februar diese positive Entwicklung vorhergesagt, doch die notwendigen meteorologischen Bedingungen stellten sich nicht ein.

Historisch niedriger Wasserstand bot ideale Voraussetzungen

Die Ausgangslage schien perfekt: Die Ostsee wies aufgrund anhaltender Ostwinde einen historisch niedrigen Wasserstand auf – der niedrigste seit Beginn der Messungen im Jahr 1886. „Die Ostsee war durch stetige Ostwinde so leer wie noch nie“, erklärten die Forscher. Dieser Umstand hätte einen Salzwassereinbruch aus der Nordsee begünstigt, der dringend benötigt worden wäre.

Volker Mohrholz, stellvertretender Leiter der IOW-Abteilung Physikalische Ozeanographie, hatte die potenziellen Vorteile eines solchen Ereignisses deutlich gemacht: „Kaltes Wasser kann deutlich mehr Sauerstoff aufnehmen als warmes und würde damit – bezogen auf sein Volumen – überdurchschnittlich viel Sauerstoff in die tiefen Becken transportieren.“ Zudem hätte ein ausreichend starker Einstrom die seit etwa zwei Jahrzehnten erhöhten Tiefenwassertemperaturen in den zentralen Ostseebecken beenden können.

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Fehlende Westwinde verhindern den erhofften Effekt

Doch die entscheidende Komponente blieb aus: „Starke, anhaltende Winde aus westlichen Richtungen, die zusätzlich auch größere Mengen Nordseewasser in die Ostsee hätten drücken können, hat es bisher nicht gegeben“, so die Experten des IOW. Stattdessen strömte lediglich das zuvor ausgeströmte salzarme Ostseewasser mit minimaler Vermischung von Wassermassen aus dem Kattegat zurück.

Das zurückgeströmte Wasser weist beim Überstrom über die Darßer Schwelle nur einen leicht erhöhten Salzgehalt von etwa 11 bis 13,5 Gramm pro Kilogramm auf. Die Dichte dieser Wassermassen ist nicht ausreichend hoch, um das Bodenwasser der zentralen Ostsee zu erreichen und somit für eine Belüftung der dortigen Sauerstoffmangelgebiete zu sorgen.

Aktuelle Situation und weitere Aussichten

Zwar liegt der Wasserstand der Ostsee mit 19 Zentimetern unter dem Mittelwasserstand immer noch niedrig genug für einen möglichen Salzwassereinbruch, doch die Wetterlage bietet in den kommenden Tagen keine günstigen Bedingungen. „Das stabile Hoch mit Süd- bis Südwestströmung bleibt wetterbestimmend“, erklären die Forscher. „Ein klassischer Nordwest-Sturm oder gar mehrere davon sind nicht in Sicht, die als Antrieb für einen Salzwassereinstrom aus der Nordsee benötigt werden.“

Das Fazit des Leibniz-Instituts fällt ernüchternd aus: Vor gut vier Wochen sei man zwar von 80 bis 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für den Salzwassereinbruch ausgegangen, „diesmal haben die 10 bis 20 Prozent ‚gewonnen‛, die dem entgegenstanden“. Die Sauerstoffversorgung der Ostsee bleibt damit weiterhin ein kritischer Faktor, der dringend verbessert werden müsste.

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