Munitionsbergung in der Ostsee: Experten entwickeln konkreten Fahrplan für Generationenaufgabe
Ostsee-Munitionsbergung: Experten erarbeiten Fahrplan

Munitionsbergung in der Ostsee: Experten erarbeiten konkreten Fahrplan für Generationenaufgabe

Im Kompetenzzentrum für den Umgang mit Munition in der marinen Umwelt (Munimar) in Kiel haben sich rund 50 Fachleute aus Unternehmen, Verwaltung und Meeresforschung intensiv ausgetauscht, um einen detaillierten Fahrplan für die Bergung von Altmunition aus der Ostsee zu entwickeln. Das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel betonte die Dringlichkeit dieser Maßnahmen, da auf dem Grund der deutschen Meere etwa 1,6 Millionen Tonnen alter Weltkriegsmunition verrotten und damit erhebliche Gefahren für Menschen und die Tierwelt darstellen.

Pilotbergungen liefern wertvolle Erfahrungen

Nach erfolgreichen Pilotbergungen in der Lübecker Bucht im Jahr 2024 geht es nun darum, aus diesen Erfahrungen zu lernen und rechtliche Hürden systematisch abzubauen. Verrostete Bomben, zerfallende Granatenkisten und mit Algen überzogene Sprengköpfe finden sich an zahlreichen Stellen vor der Ostseeküste und erfordern eine koordinierte Vorgehensweise. Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) unterstrich: „Die Zeit drängt, und wir treiben das Thema Munitionsbergung seit langem aktiv voran. Diese Beseitigung der Altlasten ist eine Generationenaufgabe, die nur mit vereinten Kräften zu stemmen ist.“

Weltweit erstmalige großflächige Bergung

Schleswig-Holstein übernimmt gemeinsam mit dem Bund eine Führungsrolle bei diesem ambitionierten Vorhaben. Mit der Gründung von Munimar im Oktober 2024 werden alle relevanten Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft in einem starken Netzwerk zusammengebracht. Erstmals weltweit wird hier Altmunition in großem Stil aus dem Meer geräumt, nachdem das Problem jahrzehntelang ignoriert wurde. Seit etwa zehn Jahren gibt es jedoch zunehmend Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel für die Munitionsaltlasten.

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Das Bundesumweltministerium stellte im Rahmen eines Sofortprogramms 100 Millionen Euro für die Pilotbergung bereit. Heute ist die Lage in der Ostsee gut dokumentiert: Es ist bekannt, wo welche Altmunition liegt und welche schädlichen Auswirkungen bereits messbar sind. Katja Matthes, Direktorin des Geomar, erklärte stolz: „Heute kennen wir nicht nur das Ausmaß des Problems, sondern wissen auch, was zu tun ist. Es geht um großflächige Räumung, um Risiken für Umwelt und Bevölkerung zu begegnen.“

Innovative Technologien und wirtschaftliche Chancen

Für die Zukunft ist eine autonome Bergungsplattform geplant, die Altmunition direkt auf See entsorgen soll. Entwicklung und Bau dieser Plattform wurden parallel zur Pilotbergung aus den Mitteln des Bundes-Sofortprogramms ausgeschrieben. Sabine Schulz, zuständig für maritime Wirtschaft bei der IHK Schleswig‑Holstein, betonte: „Für regional ansässige Unternehmen eröffnet sich hier ein neues, hochinnovatives Betätigungsfeld mit internationaler Strahlkraft. Entscheidend ist, dass dieser Ansatz nicht auf Schleswig-Holstein begrenzt bleibt.“

Die Experten arbeiten intensiv daran, den Fahrplan für die Munitionsbergung zu verfeinern und umzusetzen, um die Ostsee langfristig von diesen gefährlichen Altlasten zu befreien und so einen Beitrag zum Schutz von Mensch und Natur zu leisten.

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