Ostsee: Erhoffter Salzwassereinbruch bleibt aus - Sauerstoffmangelgebiete weiterhin bedroht
Ostsee: Salzwassereinbruch bleibt aus - Sauerstoffmangel bedroht

Ostsee: Erhoffter Frischwasserschub bleibt aus

Die Hoffnungen auf einen dringend benötigten Frischwasserschub für die Ostsee haben sich nicht erfüllt. Trotz einer prognostizierten Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent kam es nicht zu dem erwarteten großen Salzwassereinbruch aus der Nordsee, wie das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) mitteilt.

Historisch niedriger Wasserstand ohne erhoffte Folgen

Die Ostsee hatte durch anhaltende Ostwinde einen historisch niedrigen Wasserstand erreicht – der niedrigste seit Beginn der Messungen im Jahr 1886. Dieser Umstand hatte die Experten hoffen lassen, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen bedeutenden Wasseraustausch gekommen sei. „Die Voraussetzungen waren eigentlich ideal“, erklärt ein Sprecher des Instituts.

Ein solcher Einbruch hätte mehrere positive Effekte gehabt:

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  • Transport von sauerstoffreichem Wasser in die Tiefenbecken
  • Senkung der seit zwei Jahrzehnten erhöhten Tiefenwassertemperaturen
  • Verbesserung der Lebensbedingungen für marine Organismen

Warum der Einbruch ausblieb

Der entscheidende Faktor fehlte: „Starke, anhaltende Winde aus westlichen Richtungen, die zusätzlich auch größere Mengen Nordseewasser in die Ostsee hätten drücken können, hat es bisher nicht gegeben“, so die Experten des IOW. Stattdessen strömte lediglich das zuvor ausgeströmte salzarme Ostseewasser zurück, vermischt mit etwas Wasser aus dem Kattegat.

Die Ostsee hat sich zwar von -67 Zentimeter (Stand 5. Februar) auf -19 Zentimeter (Stand 10. März) unter dem Mittelwasserstand angefüllt, doch dieser Anstieg erfolgte nicht durch den erhofften Salzwassereinbruch. Das zurückgeströmte Wasser weist beim Überstrom über die Darßer Schwelle nur einen leicht erhöhten Salzgehalt von etwa 11 bis 13,5 Gramm pro Kilogramm auf.

Konsequenzen für die Ostsee

Die Dichte der Wassermassen ist nicht hoch genug, um das Bodenwasser der zentralen Ostsee zu erreichen. Damit können sie nicht für eine Belüftung der dortigen Sauerstoffmangelgebiete sorgen, die ein ernsthaftes ökologisches Problem darstellen. Diese Gebiete mit extrem niedrigem Sauerstoffgehalt bedrohen das marine Leben und das gesamte Ökosystem der Ostsee.

Volker Mohrholz, stellvertretender Leiter der IOW-Abteilung Physikalische Ozeanographie, hatte vor vier Wochen die Bedeutung eines solchen Einbruchs betont: „Kaltes Wasser kann deutlich mehr Sauerstoff aufnehmen als warmes und würde damit – bezogen auf sein Volumen – überdurchschnittlich viel Sauerstoff in die tiefen Becken transportieren.“

Aussichten für die kommenden Tage

Zwar ist die Ostsee mit 19 Zentimetern unter dem Mittelwasserstand laut IOW immer noch bereit für einen größeren Salzwassereinbruch, doch die Wetterlage spricht dagegen. „Das stabile Hoch mit Süd- bis Südwestströmung bleibt wetterbestimmend. Ein klassischer Nordwest-Sturm oder gar mehrere davon sind nicht in Sicht, die als Antrieb für einen Salzwassereinstrom aus der Nordsee benötigt werden“, so die Experten.

Das Fazit des Instituts ist ernüchternd: Vor gut vier Wochen sei man zwar von 80 bis 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für den Salzwassereinbruch ausgegangen, „diesmal haben die 10 bis 20 Prozent ‚gewonnen‘, die dem entgegenstanden“. Die Sauerstoffmangelgebiete in der Ostsee bleiben damit vorerst unbelüftet, was langfristige ökologische Folgen haben könnte.

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