Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal, der als „Timmy“ oder „Hope“ bekannt wurde, befindet sich nun in einem Metallbecken und wird in Richtung Nordsee transportiert. Die Rettungsaktion einer privaten Initiative stößt jedoch auf heftige Kritik von Experten. Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter bezeichnet das Vorgehen im Interview mit dem Nordkurier als „abenteuerlich“ und „grenzt an Tierquälerei“.
Hintergrund der Strandung
Ende März tauchte der Buckelwal erstmals in der Ostsee auf. Seitdem strandete er insgesamt fünfmal auf Sandbänken, zuletzt fast drei Wochen lang vor der Insel Poel. Nach einer ersten Rettungsaktion, bei der er sich kurzzeitig freischwimmen konnte, strandete er erneut. Viele Experten hatten das Tier bereits aufgegeben. Die Bilder des gestrandeten Wals lösten bundesweit Anteilnahme und eine emotionale Debatte über das richtige Vorgehen aus.
Kritik an der Rettungsaktion
Fabian Ritter, Mitgründer des Vereins M.E.E.R, der sich dem Schutz von Walen und Delfinen widmet, plädierte von Anfang an dafür, den Wal in Ruhe zu lassen. Er betont, dass es keinen Präzedenzfall gebe, bei dem ein mehrfach gestrandeter Wal so lange überlebt habe. Zwar räumt Ritter ein, dass der Wal Lebenswillen zeige, doch bedeute dies nicht, dass man alles Machbare versuchen solle. Er kritisiert, dass vor dem Transport keine ausreichenden Gesundheitschecks durchgeführt wurden, wie etwa eine Blutabnahme oder die Untersuchung der Atemluft auf Stresshormone. Der Plan, den Wal in einer Barge über 600 bis 700 Kilometer in die Nordsee oder sogar bis in den Atlantik zu transportieren, sei „abenteuerlich“ und berge viele Risiken. Ritter befürchtet, dass der Wal zu Tode gerettet werde.
Politische Dimension
Ritter übt auch Kritik an MV-Umweltminister Till Backhaus, der zunächst ebenfalls für ein Ablassen vom Wal plädierte, dann aber eine 180-Grad-Wende vollzog. Ritter vermutet einen Zusammenhang mit den bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Der Wal habe eine lange Leidensgeschichte hinter sich und sei schwer krank, erschöpft und traumatisiert. Jedes weitere Eingreifen bedeute zusätzlichen Stress. Ritter hätte sich gewünscht, dass man dem Wal die Chance gegeben hätte, sich selbst zu erholen, auch wenn diese gering gewesen sei.



