Wilde Romantik auf dem Ostseeküstenradweg nach Warnemünde
Der Ostseeküstenradweg erstreckt sich über mehr als 600 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern und bietet eine faszinierende Verbindung von Naturerlebnis und Geschichte. Eine besonders reizvolle Tagesetappe führt vom Ostseebad Rerik bis zum bekannten Seebad Warnemünde. Diese Strecke vereint atemberaubende Küstenlandschaften, einzigartige Flora und Fauna sowie bewegende historische Zeugnisse.
Naturparadies an der Ostseeküste
Die Tour beginnt im Ostseebad Rerik, das Naturliebhaber mit seiner wildromantischen Steilküste und naturbelassenen Stränden begeistert. Besonders reizvoll ist die Suche nach Bernstein, dem legendären "Gold des Meeres", das hier immer wieder zu finden ist. Im Süden von Rerik erstreckt sich das Salzhaff, ein fast von der Ostsee abgetrennter Bereich der Mecklenburger Bucht mit überdurchschnittlich hohem Salzgehalt.
Dieses Gebiet ist ein ideales Revier für Segel- und Surfeinsteiger. Die regelmäßig überfluteten Küstenbereiche haben Salzwiesen entstehen lassen, die eine besondere Pflanzenwelt beherbergen. Hier gedeihen Strandflieder, Strandbeifuß, Salzbinsen und Salzstraußkraut ebenso wie seltene Arten wie Löffelkraut und Erdbeerklee. Diese Salzwiesen dienen zudem als wichtige Brut-, Rast- und Überwinterungsplätze für zahlreiche Vogelarten, darunter Seeschwalben, Rotschenkel und Kiebitze.
Historische Leuchttürme und regionale Köstlichkeiten
Von Rerik aus führt die Route nordwärts über Mechelsdorf nach Bastorf. Hier thront auf dem höchsten Punkt der Tour der Leuchtturm Buk, der mit 95 Metern über dem Meeresspiegel topografisch der höchstgelegene Leuchtturm Deutschlands ist. Das 1878 in Betrieb genommene Bauwerk war einer der ersten Leuchttürme an der Ostseeküste mit elektrischem Licht und kann heute zwischen 11 und 15 Uhr besichtigt werden.
In Bastorf lohnt sich ein Besuch des Gutshofs, wo im Restaurant und Café regionale Spezialitäten genossen werden können. Der Hofladen bietet Bio-Lebensmittel aus der Region sowie hausgemachte Marmeladen und Bonbons an. Besonders typisch für die Ostseeküste sind hier verschiedene Sanddornprodukte wie Liköre, Tees, Säfte und Cremes, die sich als ideale Mitbringsel eignen.
Bäderarchitektur und bedrückende Geschichte
Weiter geht es entlang einer Nebenstraße nach Kühlungsborn, dem größten Seebad Mecklenburgs. Während Radfahren auf der mehr als vier Kilometer langen Uferpromenade nicht erlaubt ist, können Besucher hier bei einem Spaziergang das einzigartige Ostsee-Flair und die charakteristische Bäderarchitektur bewundern.
Ein bedrückendes Geschichtszeugnis liegt auf dieser Strecke: der Ostsee-Grenzturm von Kühlungsborn. Zwischen 1961 und 1990 war hier eine Kompanie der DDR-Grenzbrigade Küste stationiert, die Fluchtversuche verhindern sollte. Der 1972 errichtete Turm ermöglichte den Grenzsoldaten eine Überwachung des Seegebiets bis zu zwölf Seemeilen weit. Heute kann der Turm besichtigt werden, und eine Ausstellung dokumentiert verschiedene Fluchtversuche, darunter die Geschichte von Peter Döbler, der 1969 nach 25 Stunden schwimmend die Insel Fehmarn erreichte.
Gespensterwald und atemberaubende Steilküste
Die Route führt weiter nach Heiligendamm, entlang der Küste nach Börgerende und schließlich nach Nienhagen. Vor diesem Ort liegt der sogenannte Gespensterwald, dessen Name sich sofort erschließt, wenn man ihn durchfährt. Die Buchen hier ragen gespenstisch in den Himmel und unterscheiden sich deutlich von ihren Artgenossen im Landesinneren. An der Küste bei Nienhagen sind die Bäume extremen Bedingungen ausgesetzt: starker Sonneneinstrahlung, die zu sonnenbrandähnlichen Schäden an der Rinde führt, schlechten Bodenverhältnissen und permanentem Wind.
Ein weiteres Naturhighlight in Nienhagen ist die atemberaubende Steilküste. Östlich des Ortes befindet sich ein Aussichtspunkt mit einer Treppe zum Strand hinab. Allerdings ist hier besondere Vorsicht geboten, da es nach Regen, Frost, Sturm oder Hochwasser zu Abbrüchen, Rutschungen oder Steinschlägen kommen kann. Diese Gefahr besteht auch auf anderen Streckenabschnitten entlang der Steilküste, weshalb Hinweis- und Warnschilder unbedingt ernst genommen werden sollten.
Ziel in Warnemünde
Die Tour endet schließlich in Warnemünde, wo der bekannte Teepott neben dem Leuchtturm ein beliebtes Fotomotiv darstellt. Zahlreiche Restaurants und Cafés bieten hier ein vielfältiges Angebot für einen entspannten Ausklang des ereignisreichen Tages. Diese Etappe des Ostseeküstenradwegs verbindet auf einzigartige Weise Naturerlebnis, kulinarische Genüsse und historische Einblicke zu einer unvergesslichen Radtour entlang der mecklenburgischen Ostseeküste.



