Historische Zeitkapsel in Rostocker Keller entdeckt
Im Rostocker Hafenviertel haben Bauarbeiter bei Renovierungsarbeiten einen faszinierenden Fund gemacht, der Einblicke in mehrere deutsche Epochen gewährt. Bei der Erneuerung des Brandschutzes in einem Hauskeller an der L22 stießen die Arbeiter auf eine regelrechte Zeitkapsel mit historischen Gegenständen.
Drei Epochen in einem Fund
Der Bauhelfer Patrick Schülke (38) aus Dargun und seine Kollegen entfernten alte Deckenplatten, als sie zwischen Lehm, Steinen und Schilf mehrere besondere Objekte entdeckten. Zu den Fundstücken gehören:
- Eine Kondomverpackung der Marke Dublosan mit Beipackzetteln, die vermutlich aus den 1930er bis 1940er Jahren stammt
- Eine Ausgabe des Rostocker Anzeigers vom 14. Mai 1925 – also über 100 Jahre alt
- Eine DDR-Speisekarte und eine Arbeitsschutzjacke aus der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik
- Ein Figurenkopf, der ebenfalls historischen Ursprungs zu sein scheint
„Es ist schon etwas Besonderes, wenn man aus so einer Epoche etwas findet“, kommentierte Schülke den Fund. „Ich meine, das ist 101 Jahre alt, das ist älter, als wir drei Arbeiter da unten auf der Baustelle zusammen sind.“
KI hilft bei der Analyse der historischen Objekte
Um mehr über die Herkunft und Bedeutung der Gegenstände zu erfahren, nutzten die Bauarbeiter moderne Technologie. Sie fotografierten die Fundstücke und ließen sie durch künstliche Intelligenz analysieren. „Bei der Zeitung weiß man, was das ist, bei der Kondompackung weiß man auch, was das ist“, erklärte Schülke, „aber die KI kann die Feinheiten besser analysieren.“
Die Kondomverpackung mit der Aufschrift „Hygienischer Gummischutz“ stammt von der Deutschen Dublosan-Gesellschaft aus Berlin-Neukölln. Interessant sind die Beipackzettel, auf denen steht: „Verhütet Geschlechtskrankheiten“ und „Jeder außereheliche Geschlechtsverkehr ist gefahrbringend.“
Historische Preise und politischer Kontext
Die Preisangaben auf der Verpackung sind in Reichsmark notiert, die von 1924 bis 1948 Zahlungsmittel war. Drei Stück Gummischutz kosteten damals 75 Reichspfennige, sechs Stück 1,45 Reichsmark. Zum Vergleich: 1940 kostete in Berlin ein Liter Milch 24 Pfennig.
Historisch bedeutsam ist der Fund des Kondoms vor dem Hintergrund der NS-Zeit. Laut Experten waren Kondome im NS-Staat eigentlich verboten, wurden aber für die Wehrmacht bereitgestellt, um Geschlechtskrankheiten bei Soldaten zu verhindern. Das Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch berichtet, dass Dublosan so populär wurde, dass es im Zweiten Weltkrieg zum Pflichtbestandteil jeder Bordapotheke gehörte – passend zur Hafenstadt Rostock.
Bewahrung der historischen Schätze
Patrick Schülke plant, die Fundstücke sorgfältig aufzubewahren. „Eine 100 Jahre alte Zeitung hat auch nicht jeder zu hängen“, sagte er. Die Zeitung möchte er rahmen lassen, die Kondomverpackung soll in einer Vitrine landen. „Meine Frau mag solch alte geschichtliche Sachen“, fügte er hinzu. Den Rest der Objekte will er in einem Schuhkarton verstauen.
Der Fundort direkt in der Nähe des Rostocker Stadthafens macht die Entdeckung besonders passend. Die Bauarbeiter haben nicht nur handwerkliche Arbeit geleistet, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur Stadtgeschichte Rostocks geleistet. Solche Funde zeigen, dass Geschichte manchmal buchstäblich in den Zwischenböden unserer Städte schlummert und auf ihre Entdeckung wartet.



