Rostock als potenzielles Ziel: Stadt hat keine Bunker-Übersicht für Zivilschutz
Rostock: Keine Bunker-Übersicht für Zivilschutz vorhanden

Rostock als potenzielles Ziel: Stadt hat keine Bunker-Übersicht für Zivilschutz

Was passiert, wenn es wirklich zu einer ernsten Bedrohung kommt? Diese Frage stellt sich in Rostock mit neuer Dringlichkeit. Die Hansestadt an der Ostsee gilt aufgrund ihres großen Hafens und bedeutender Bundeswehrstandorte als potenzielles Ziel für Aggressoren. Doch eine aktuelle Debatte offenbart: Es fehlt eine systematische Übersicht über vorhandene Schutzräume für die Zivilbevölkerung.

Politiker fordern Bunker-Verzeichnis

Die Hansefraktion hat einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, der die Oberbürgermeisterin beauftragen soll, ein Verzeichnis aller baulichen Schutzanlagen zu erstellen. Dazu zählen zivile Schutzräume, Bunker und sonstige Schutzbauwerke – unabhängig von ihrem Errichtungszeitraum oder ob sie in öffentlichem oder privatem Besitz sind. „Die aktuelle geopolitische Lage erfordert eine verstärkte Vorsorge für den Zivilschutz“, begründet die Fraktion ihren Vorstoß.

Tilmann Lamberg von der Hansefraktion erklärt, dass er das Thema bereits früher angesprochen hatte, damals jedoch die Antwort erhielt, die Stadt sei nicht zuständig und kenne die Objekte nicht. „Die Situation hat sich mit dem Krieg in der Ukraine verschärft“, betont Lamberg. Rostock habe eine besondere Funktion als logistischer Knotenpunkt und NATO-Standort, doch der Schutz der Zivilbevölkerung bleibe unklar.

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Stadtverwaltung: Keine gewidmeten Schutzräume im Osten

Die Stadtverwaltung antwortet auf Nachfrage deutlich: „Die angesprochene Übersicht liegt zurzeit nicht vor. Gewidmete öffentliche Schutzräume existieren in Rostock derzeit nicht.“ Zudem gebe es für private Objekte keine gesetzliche Verpflichtung, Informationen zu erheben. Die Stadt verweist auf eine grundsätzliche Problematik: Laut Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wurden die im Osten bestehenden öffentlichen Schutzräume nach der Wiedervereinigung nicht in das Schutzkonzept des Bundes übernommen.

„Im Gebiet der neuen Bundesländer stehen somit seit 35 Jahren flächendeckend keine gewidmeten öffentlichen Schutzräume zur Verfügung“, erklärt das Rathaus. Die Aufgabe der Bereitstellung liege nicht bei der Kommune, sondern beim Bund.

Senator: Sicherheit beginnt vor der eigenen Haustür

Chris von Wrycz Rekowski (SPD), Senator für Finanzen, Digitalisierung und Ordnung, lässt ein Statement nachreichen: „Sicherheit beginnt vor der eigenen Haustür.“ Er betont, dass die Stadt erst dann mit der systematischen Identifizierung geeigneter Objekte beginnen könne, wenn das Schutzraumkonzept des Bundes vorliege und ein entsprechender Auftrag erteilt werde.

Der Vize-Bürgermeister wird konkret: „Der Bund setzt also nicht auf neue Bunkerbauten, sondern auf die schnelle Nutzbarmachung bestehender Infrastrukturen wie Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen.“ Dies solle den Schutz für die Bürger zeitgemäß und flächendeckend organisieren. Allerdings gebe es auch finanzielle Aspekte: „Soweit dies technische Nachrüstungen oder Investitionen erfordert, wird dabei auch über Geld zu sprechen sein.“

Historischer Bunker als Symbol

Ein konkretes Beispiel für die Diskussion ist der Hochbunker an der Neptunallee, erbaut 1943 auf dem Gelände der ehemaligen Neptun Werft. Während solche historischen Bauwerke existieren, fehlt es an einer modernen, umfassenden Schutzraumplanung. Lamberg kritisiert: „Wir haben heute null Schutzeinrichtungen.“ Der Verweis auf mögliche Notnutzungen wie den Warnowtunnel oder den Straßenbahntunnel unter dem Hauptbahnhof sei wenig ausreichend.

Lajos Orban, Vorsitzender der Hansefraktion, betont, dass es sich bei dem Antrag um einen Prüfauftrag handle, der unabhängig von der aktuellen politischen Lage richtig sei. „Es geht um einen verwaltungsrechtlichen Akt und darum, wie unsere Bürger in Rostock zu schützen sind“, so Orban. Die Fraktion möchte damit einen Diskurs anstoßen.

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Die Debatte zeigt, dass Rostock trotz seiner strategischen Bedeutung für die NATO und die Ostsee-Koordinierung beim Zivilschutz noch erheblichen Nachholbedarf hat. Während die Politik ein Verzeichnis fordert, wartet die Stadtverwaltung auf klare Vorgaben vom Bund. Wie lange dieser Prozess dauern wird und welche konkreten Maßnahmen am Ende umgesetzt werden, bleibt vorerst offen.