Die Fahrgastschifffahrt in Vorpommern steht massiv unter Druck. Steigende Spritpreise und ausbleibende Touristen setzen den Betreibern schwer zu. Auf Usedom, an der Ostsee, am Haff und an der Peene kämpfen Kapitäne ums Überleben. Der Nordkurier hat mit mehreren Reedereien gesprochen und die größten Probleme der Branche ermittelt.
Diesel knapp ein Euro teurer
Das alles beherrschende Thema ist der Spritpreis. Im Zuge des Iran-Krieges und der Schließung der Straße von Hormus, einer wichtigen Handelsroute für Rohöl, sind die Kosten drastisch gestiegen. „Ich kann mich an Zeiten erinnern, da haben wir für 64 Cent den Liter Diesel getankt“, sagt Hartmut Wolf, Betreiber der Ückeritzer Personenschifffahrt auf Usedom. „Im Moment rechnen wir mit etwa 1,74 Euro pro Liter.“ Seine Schiffe verbrauchen rund 20 Liter Diesel pro Stunde. Ein 3000-Liter-Tank ist in knapp drei Wochen leer. „Früher haben wir immer gesagt: ‚Wenn ein Schiff fährt, verdienen wir Geld.‘ Heute ist das nicht mehr so“, klagt Wolf.
Ausbleibende Touristen
Allein mit der Schifffahrt kann sich Wolf kaum über Wasser halten. Glücklicherweise betreibt er noch ein Restaurant als zweites Standbein. „Wir halten uns mit den anderen Geschäften über Wasser. Aber trotzdem hoffen wir, dass der Staat uns jetzt ein bisschen hilft“, sagt er. Auch Klaus Lademann, Inhaber der Fahrgastschifffahrt Lademann und Mos in Wolgast, leidet unter den ausbleibenden Touristenströmen. „Von den Tagestouristen kommen gerade nicht mehr so viele“, berichtet er. „Das Ostergeschäft lief schlecht, weil die Tankstellenpreise so hoch waren. Die Leute überlegen sich zweimal, ob sie aus Thüringen, Sachsen oder Brandenburg für einen Kurzurlaub hierherfahren.“
60 Cent pro Ticket extra
Seit 2021 fährt Lademann von Wolgast aus Peene-Rundfahrten, ins Krumminer Wiek oder im Stadthafen. „Wir haben noch Glück“, verrät er. Reisegruppen kompensieren die fehlenden Tagestouristen. „Aber wenn wir das nächste Mal tanken müssen, überlegen wir uns gut, ob wir unseren 1700-Liter-Tank voll oder nur halbvoll machen“, sagt er. Ein mögliches Mittel gegen die Sprit-Teuerungen zeigt Frau Peters von der Oderhaff Reederei Peters aus Ueckermünde auf. „Wir müssen je nach Situation einen Diesel-Zuschlag auf die Fahrkarten erheben“, erklärt sie. Für Haff-Rundfahrten sind das momentan 60 Cent pro Person.
Lieber mehr Fahrgäste als teurere Tickets
Einen anderen Ansatz verfolgt Kapitän Jens-Oliver Wermter aus Greifswald. Mit seiner Stubnitz fährt er Touren auf dem Greifswalder Bodden. „Wir haben das Glück, dass das Schiff nicht so viel verbraucht“, erklärt er. Lediglich 35 Liter Diesel pro Tag benötigt sein Fahrgastschiff. „Da mache ich mir um die Reisebus-Unternehmen mehr Sorgen“, sagt der Kapitän. „Die verbrauchen das, was wir am Tag brauchen, in der Stunde.“ Außerdem sei ihm der Erhalt des Angebots in der Region wichtiger als sein eigener Profit. „Wenn wir schaffen, dass ein oder zwei Leute mehr mitfahren, ist mir das wichtiger, als die Fahrten so teuer wie möglich zu machen.“



