Tauwetter bedroht Eisdecke auf der Müritz – Experten warnen vor Betreten der Seen
Tauwetter bedroht Eisdecke auf der Müritz – Experten warnen

Tauwetter in Sicht – wie lange hält das Eis auf den Seen der Müritz-Region?

Die gute Nachricht zu Beginn: In der aktuellen Saison hat es auf den zugefrorenen Seen der Müritz-Region bislang keine schweren Unfälle gegeben. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in den vergangenen Wochen das Eis betreten haben, verhielt sich besonnen. Bekannt ist lediglich der Fall eines Jagdhundes, der vor einigen Tagen mit einem aufwendigen Feuerwehreinsatz vom Torgelower See gerettet werden musste, nachdem er dort eingebrochen war. Dabei kam sogar das Luftkissenboot der Warener Feuerwehr zum Einsatz.

Unfälle auf dem Eis können lebensgefährlich sein

Dieser Vorfall zeigt deutlich: Obwohl die Seen in der Region flächendeckend zugefroren sind, kann das Eis an einzelnen Stellen bereits für Vierbeiner gefährlich werden. In Bereichen mit Schilf, starker Sonneneinstrahlung oder starken Strömungen – beispielsweise durch einmündende Fließgewässer, die nicht überall zugefroren sind – kann die Eisdecke unerwartet dünn sein.

In anderen Landesteilen hat es in dieser Saison bereits dramatische und teils tödliche Unfälle auf dem Eis gegeben. Besonders tragisch war der Tod eines 40-Jährigen aus der Nähe von Wismar, der bei einem riskanten Unterfangen für soziale Medien unter der Eisdecke ums Leben kam. Auch in Stralsund wurde die Leiche eines älteren Mannes geborgen, der vermutlich auf dem Eis eingebrochen war.

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Temperaturen steigen deutlich an

Doch auch wenn die Lage in der Müritz-Region bisher vergleichsweise ruhig blieb, blicken die haupt- und ehrenamtlichen Retter mit Sorge auf die kommenden Tage. Die Temperaturen sollen spätestens am Sonnabend flächendeckend und deutlich über den Gefrierpunkt steigen. In den nächsten Tagen sind Werte bis knapp unter 10 Grad Plus zu erwarten, und auch nachts soll es weitgehend frostfrei bleiben. Die Modelle der Meteorologen deuten darauf hin, dass es in den kommenden Wochen dauerhaft wärmer bleiben könnte.

Viele Warener und Besucher der Stadt waren in den vergangenen Tagen auf dem Eis der Binnenmüritz und im zugefrorenen Hafenbecken unterwegs. Doch mit dem einsetzenden Tauwetter werden solche Ausflüge zunehmend gefährlich. Das Eis wird überall zu tauen beginnen, und an manchen Stellen hat die Sonne trotz der Minusgrade der vergangenen Tage bereits damit angefangen. Auch die frostfreien Tage und Regenfälle vor etwa anderthalb Wochen haben für leichtes Tauen auf vielen Flächen gesorgt. Zwar ist der Eispanzer auf den meisten Seen momentan noch vorhanden und vielerorts intakt, doch das ändert sich rasch.

Keine offizielle Freigabe der Eisflächen

Alle Experten sind sich einig: Am besten sollte man gar nicht auf das Eis der Seen in der Region steigen, insbesondere nicht, wenn es taut. Eine offizielle behördliche Freigabe zum Betreten der Eisflächen gibt es nirgends. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte spätestens am Freitag, dem vorerst letzten Frosttag, Abschied vom Betreten der Eisflächen auf Fleesensee, Müritz, Penzliner See oder einem der dutzenden weiteren Seen in der Region nehmen.

Es lässt sich nicht seriös vorhersagen, wann das Eis an welchen Stellen nicht mehr tragfähig ist. Die Geschwindigkeit, mit der die teils über zehn Zentimeter dicke Eisdecke abtaut, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Sonnenschein
  • Wind
  • Strömungsverhältnisse des jeweiligen Sees

Ein starker Treiber der Schmelze sind Temperaturen deutlich über Null, wie sie aktuell vorhergesagt sind. Noch schneller würde es mit starken Regenfällen gehen, da kaum etwas das Tauen so sehr beschleunigt wie Wasser, das auf das Eis regnet. Die meisten Wettermodelle sehen für die kommenden Tage allerdings nur geringe Niederschlagsmengen vor.

Tragfähigkeit des Eises nimmt rapide ab

Trotz der höheren Temperaturen ist es nicht unwahrscheinlich, dass viele Seen – besonders die größeren wie die Müritz – bis weit in den März hinein teilweise noch vereist sein werden. Tragfähig ist das Eis aber in vielen Fällen schon bald nicht mehr. Spaziergänger sollten sich daher am besten nur noch vom Ufer aus oder allenfalls wenige Meter entfernt an den Eisflächen erfreuen und dabei unbedingt ein Vorbild für jüngere Menschen sein.

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Andernfalls drohen aufwendige Rettungseinsätze, bei denen immer auch das Leben der Rettungskräfte auf dem Spiel steht – und die oft mit erfolglosem, also tödlichem Ausgang enden. Wer ins Eis einbricht, gefährdet nicht nur sein eigenes Leben, sondern immer auch das Leben anderer Menschen. Die bisher gute Unfallbilanz in der Müritz-Region sollte daher Ansporn sein, weiterhin vorsichtig zu bleiben und die Warnungen der Experten ernst zu nehmen.