Tödlichster Beruf der DDR: Die Chronik der Militärjet-Abstürze in Vorpommern
Tödlichster Beruf der DDR: Militärjet-Abstürze in Vorpommern

Tödlichster Beruf der DDR: Die Chronik der Militärjet-Abstürze in Vorpommern

Im idyllischen Nordosten Deutschlands, insbesondere in Vorpommern, war während der DDR-Zeit der Fluglärm allgegenwärtig, und Abstürze von Militärjets gehörten leider zur traurigen Realität. Oft endeten diese Vorfälle tödlich, wobei viele Details erst nach der Wende ans Licht kamen. Der Raum Neubrandenburg und die Insel Usedom mit ihrem angrenzenden Festland standen im Mittelpunkt des Geschehens, da hier wichtige Stützpunkte der Nationalen Volksarmee (NVA) stationiert waren.

Geheimhaltung und spätere Aufklärung

Früher erfuhren die Bürger nur wenig über die Vorgänge beim Militär, selbst bei Havarien oder Katastrophen außerhalb der Gelände herrschte strikte Geheimhaltung. Erst nach der Wiedervereinigung konnten viele Vorfälle näher beleuchtet werden, oft durch die Arbeit ehemaliger Angehöriger der Fliegertruppen, örtlicher Chronisten und Internetforen. Dennoch bleiben bis heute einige Unklarheiten bestehen, da nicht alle Berichte zweifelsfrei sind.

Als umfassende gedruckte Quellen gelten Bücher wie „MiGs über Peenemünde“ von Manfred Kanetzki für das Jagdfliegergeschwader 9 und „30 Jahre Starten und Landen“ für das JG 2. Insgesamt listet das Werk „11-80, katapultieren Sie!“ von Thomas Bußmann, Horst Kleest und Lutz Freundt für die NVA 120 tödliche Vorkommnisse mit Luftfahrzeugen auf, zu denen noch zahlreiche Brüche und Havarien hinzukamen.

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Tragische Vorfälle und ihre Opfer

Schon im Juni 1960 ist ein erster Crash aus Tutow vermerkt, bei dem eine Jak-11 mit einem Kraftfahrzeug kollidierte. Nur fünf Tage später ging eine MiG-17F aufgrund einer zu hohen Aufsetzgeschwindigkeit kaputt. Der erste Verlust eines NVA-Piloten in der Region ereignete sich am 16. März 1961, als ein Unterleutnant mit seiner MiG-17F bei einer Notlandung in Trollenhagen ums Leben kam.

Weitere tragische Fälle folgten: Im Juni 1961 starb ein Pilot aus Peenemünde, als sein Düsenjäger nahe Swinemünde in der Ostsee zerschellte, und ein anderes Mitglied prallte im Juli gegen die Steilküste bei Koserow. Ein Pilot konnte sich im November 1962 mit dem Schleudersitz retten, doch sein Jet schlug nordwestlich von Anklam auf. Dieser Pilot tauchte später, im Juli 1971, erneut in der Verlustliste auf, als sein MiG-21-Doppelsitzer in ein Moor auf Rügen stürzte.

Abstürze bei der Einführung neuer Technik

Besonders heikel war die Einführung der MiG-21 im Jahr 1965, als das Peenemünder Geschwader in Tutow stationiert war. Höhere Anforderungen und technische Probleme führten zu mehreren Katastrophen. Am 23. Juni 1965 ging eine MiG-21 nordwestlich von Görmin auf einem Acker nieder, der Leutnant an Bord kam ums Leben. Am 13. August 1965 stürzte der Geschwaderkommandeur Günter Schmidt in Sassen ab; er konnte sich zwar katapultieren, erlitt aber tödliche Verletzungen. Die explodierende MiG setzte einen LPG-Hühnerstall und eine Scheune in Brand, doch glücklicherweise kamen keine anderen Personen zu Schaden.

Weitere Vorfälle und das Ende einer Ära

Es blieb nicht bei diesen Abstürzen: Im August 1967 musste der Pilot einer MiG-21PFM nach einem Triebwerksausfall aussteigen, und der Jet ging bei Burow nieder. Im Oktober 1971 endete eine Flugvorführung in Garz tragisch, als ein Hauptmann bei einem Strömungsabriss stürzte. Im Mai 1986 sorgte der Absturz eines MiG-23-Doppelsitzers bei Hanshagen für öffentliches Aufsehen, doch die Crew konnte sich retten.

Am 12. September 1989 geriet eine Aero L-39 „Albatros“ bei Anklam in Not, und sowohl Fluglehrer als auch Schüler erlitten beim Betätigen des Schleudersitzes tödliche Verletzungen. Die letzte Flugkatastrophe der DDR ereignete sich am 13. September 1990 in Peenemünde, als ein Major mit seiner MiG-23 in den Greifswalder Bodden stürzte – ausgerechnet vor Mitgliedern des Bundestages, die zu Gesprächen vor Ort waren.

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Nach der Wende: Ein letzter Absturz

Es war nicht der letzte Düsenjet sowjetischer Produktion in deutschen Diensten, der abstürzte. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr 24 MiG-29, die bei der DDR gelandet waren. Eine davon verunglückte am 25. Juni 1996 in Mecklenburg-Vorpommern, als der Pilot nach einem Flachtrudeln die Kontrolle verlor. Er rettete sich mit dem Schleudersitz, doch der Jet schlug im Trebeltal bei Dargun in einer Wiese ein und brannte aus. Dieser Vorfall markierte das Ende einer langen Chronik von Katastrophen, die den Nordosten Deutschlands über Jahrzehnte prägten.