Eigentümer plant ungewöhnliche Rettung: Villa an der Ostsee soll verschoben werden
Villa an der Ostsee soll durch Verschiebung gerettet werden

Ungewöhnlicher Plan zur Rettung einer Villa an der Ostseeküste

In Travemünde an der Ostsee steht ein bekanntes Gebäude vor dem Abriss, doch der Eigentümer hat einen außergewöhnlichen Rettungsplan entwickelt. Das Haus Seeblick, das direkt an der Abbruchkante des Brodtener Steilufers positioniert ist, soll nach einem Gerichtsbeschluss abgerissen werden. Die Stadt Lübeck hat dafür bereits grünes Licht erhalten, doch der Besitzer wehrt sich entschieden gegen diese Maßnahme.

Gericht gibt Abriss frei

Das Verwaltungsgericht in Schleswig hat in einem Eilverfahren entschieden, dass die Stadt Lübeck das Hauptgebäude des Hauses Seeblick abreißen darf. Der Eigentümer hatte zuvor einen Eilantrag eingereicht, um zu verhindern, dass ihm die Kosten für den Abriss in Rechnung gestellt werden. Dieser Antrag blieb jedoch erfolglos, wie das Gericht mitteilte.

Bereits im September 2025 war der Eigentümer mit einer Ordnungsverfügung aufgefordert worden, das Wohngebäude bis Ende des Jahres abzureißen. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen, obwohl die Stadt die Beseitigungsanordnung für sofort vollziehbar erklärt hatte. Da der Antragsteller keinen Eilantrag gegen diese Beseitigungsanordnung gestellt hatte, waren die Voraussetzungen für den geplanten Abriss durch die Stadt erfüllt.

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Ingenieurtechnische Lösung zur Rettung

Der Eigentümer will es jedoch nicht zu einem Abriss kommen lassen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, plant er mit einer denkmalrechtlichen Genehmigung, das Haus Seeblick um etwa 20 Meter landeinwärts zu verschieben. Nach seinen Angaben soll diese Verlegung das Gebäude voraussichtlich für rund 30 Jahre sichern. Die Maßnahme solle zudem den Boden schonen und die Steilküste stabilisieren.

Ein Ingenieur erklärte in der „Bild“, wie der technisch anspruchsvolle Prozess ablaufen würde: Zuerst wird das Haus statisch gesichert und vom bestehenden Fundament getrennt. Massive Stahlträger würden unter die tragenden Wände geschoben und übernähmen das gesamte Gewicht. Hydraulikpressen würden das Gebäude leicht anheben, sodass es auf vorbereitete Gleit- oder Rollbahnen gesetzt werden könne.

Anschließend bewegten Hydraulikzylinder das Haus in kleinen, kontrollierten Schritten zur neuen Position. Dort werde es exakt ausgerichtet, abgesenkt und dauerhaft mit dem neuen Fundament verbunden. Die Kosten für diese aufwendige Operation liegen den Angaben zufolge zwischen 80.000 und 100.000 Euro.

Gefahr durch Abbruchkante

Die Notwendigkeit für Maßnahmen ergibt sich aus der fortschreitenden Erosion der Steilküste. Weil die Abbruchkante des Brodtener Ufers immer weiter an das Gebäude herangerückt war, hatte die Stadt Lübeck im Februar 2024 die Nutzung als Jugendfreizeitheim untersagt. Der am Gebäude vorbeiführende Wanderweg wurde im Februar 2025 gesperrt, um die Sicherheit von Spaziergängern zu gewährleisten.

Ursprünglich war der Abriss des Hauptgebäudes für Mitte Februar geplant. Wann damit begonnen werde, ist laut einer Sprecherin der Stadt bislang nicht bekannt. Anfang Februar war allerdings schon eine Fachfirma mit den Arbeiten beauftragt worden. Abgerissen werden soll nur das Hauptgebäude, da von den Nebengebäuden derzeit keine unmittelbare Gefahr ausgeht.

Das Gericht betonte in seiner Entscheidung, dass ein weiteres Zögern die Gefahr eines Schadens erhöht hätte. Die Stadt Lübeck sieht sich daher in der Pflicht, für die Sicherheit an der Steilküste zu sorgen und mögliche Gefahrenquellen zu beseitigen.

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