Wal-Rettung vor Poel: Lastkahn erwartet, Experten warnen vor Lärmstress
Wal-Rettung: Lastkahn kommt, Lärmstress befürchtet

Seit Ende März hält ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal die Region um die Insel Poel in Atem. Das Tier strandete mehrfach auf Sandbänken, verlor zunehmend an Kraft und wurde zunächst von Experten aufgegeben. Die Bilder des gestrandeten Meeressäugers lösten bundesweit eine Welle der Anteilnahme aus und entfachten eine Debatte über das richtige Vorgehen bei solchen Rettungsaktionen.

Einmalige Rettungsaktion mit Lastkahn

Seit mehr als einer Woche läuft vor Poel eine bislang beispiellose Rettungsaktion. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den stark geschwächten Wal zu befreien und in die offene See zu schleppen. Finanziert wird der Plan von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Ein Lastkahn soll das Tier aufnehmen und in die Nordsee transportieren.

Lastkahn in Wismar erwartet

Der für den Transport vorgesehene Lastkahn wird am Montagnachmittag in Wismar erwartet. Im dortigen Seehafen soll er für die Aufnahme des Wals vorbereitet werden, wie Tauchunternehmer Fred Babbel mitteilte. Laut Schiffsortungsdiensten hatte der Schlepper „Robin Hood“, der die Barge zieht, am Morgen Fehmarn passiert. Die Geschwindigkeit des Verbands ist wegen der Barge begrenzt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Walforscher: Lautstärke sehr stressig für Wal

Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bleibt skeptisch. „Der Zustand des Wales ist nach wie vor prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich und da jetzt mit großem, schwerem Gerät mit vielen Menschen und viel Geld das Allermöglichste zu versuchen – ich glaube, wir laufen da Gefahr, dem Wal auch zu schaden“, sagte der Mitgründer des Wal- und Delfinschutzvereins „M.E.E.R.“ im ZDF-Morgenmagazin. Besonders der lange Transport im Lastkahn könne das Tier stark stressen. „Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke. Das wird sehr laut für den Wal. Und Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich.“ Das wäre so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, so Ritter.

Zudem könne man den Wal nach drei Tagen nicht einfach losschicken. „Man muss darauf achten, dass er bewegungsfähig ist und Nahrung zu sich nehmen kann. Mir fehlen noch die Ergebnisse einer Blutprobe oder die Analyse der Blasluft.“ Zu den Überlebenschancen wollte Ritter keine Prognose abgeben: „Er hat uns immer wieder überrascht.“

Transportroute und Zeitplan

Der Lastkahn soll den Wal in dreieinhalb Tagen an Fehmarn vorbei bis zur mehr als 400 Kilometer entfernten Nordsee bei Skagen bringen. Dort werde der Zustand des Tiers bewertet, so der technische Leiter Felix Bohnsack. Das Rettungsteam hatte eine mehr als 100 Meter lange Rinne bis zur Fahrrinne gebaggert, durch die der Wal in den absenkbaren Kahn gelotst werden soll.

Umweltminister Backhaus zeigt sich optimistisch

Umweltminister Till Backhaus (SPD) fuhr am Sonntag erneut zum Wal und fasste ihn an. Das Tier habe deutlich abgenommen, werde aber als transportfähig eingestuft. „Er wird von heute auf morgen jedenfalls nicht sterben“, so Backhaus. Die Veterinäre des Rettungsteams hätten den Wal für transportfähig erklärt. Nach Backhaus‘ Einschätzung könnte das Tier möglicherweise auch von selbst losschwimmen, dann solle es von Booten begleitet werden.

Kritik an der Rettungsaktion

Experten kritisieren, dass Wildtiere beim Kontakt mit Menschen in Panik geraten. Der Peilsender am Wal funktioniert nicht unter Wasser, was die Nachverfolgung erschwert. Die Initiative prüft einen wasserfesten Sender aus Kanada. Tierschützer demonstrieren gegen die Aktion.

Vorbereitungen laufen

Derzeit werden mit Sand gefüllte Bigbags zum Wal gebracht, um ihn zu stabilisieren. Helfer wollen notfalls weiche Schlingen um den Wal legen, um ihn in den Kahn zu bugsieren. Die Barge soll Dienstag oder Mittwoch mit dem Wal Richtung Nordsee ablegen, so Tierärztin Kirsten Tönnies.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration