Rettungsaktion für Buckelwal vor Poel erneut verschoben: Luftkissen-Einsatz erst am Samstag
Wal-Rettung vor Poel erneut verschoben: Einsatz am Samstag

Rettungsversuch für gestrandeten Buckelwal vor Poel erneut aufgeschoben

Die geplante Rettungsaktion für den seit Wochen in der Ostsee vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwal hat erneut eine Verzögerung erfahren. Ursprünglich sollte am Donnerstag mit dem Einsatz von Luftkissen begonnen werden, um das etwa zwölf Meter lange Tier anzuheben und in die offene See zu transportieren. Nach aktuellen Meldungen wird dieser kritische Schritt nun frühestens am Samstag in Angriff genommen.

Private Initiative finanziert ambitionierten Rettungsplan

Die Rettungsaktion wird von einer privaten Initiative unter der Führung von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert organisiert und finanziert. Der Plan sieht vor, zunächst den Schlick unter dem Wal wegzuspülen, um Platz für ein Luftkissen zu schaffen. Anschließend soll das Tier auf eine Plane zwischen zwei Schwimmpontons geladen und von Schleppern in die Nordsee gebracht werden.

Umweltminister Till Backhaus von Mecklenburg-Vorpommern hat die Aktion zwar nicht offiziell genehmigt, duldet sie jedoch. Er betonte, dass der Wal trotz seines geschwächten Zustands noch Lebenszeichen zeige und eine Chance auf Rettung verdiene. „Bei allem Wohlwollen finde ich, dass auch die Wissenschaft sich mal irren kann“, so Backhaus in einer Stellungnahme.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Am Donnerstagmorgen waren bereits zahlreiche Helfer und Spezialgeräte vor Ort im Hafen von Kirchdorf eingetroffen. Schwerlasttransporte brachten riesige Schwimmpontons, mobile Kräne und Pumpen an. Ein Bagger lud eine Pumpe auf eines der Ponton-Elemente, die für das Wegspülen des Schlicks benötigt wird. Die Pontons wurden aneinandergeschraubt und zu Wasser gelassen, während Taucher den Zustand des Wals überprüften und ihn mit feuchten Tüchern bedeckten, um seine Haut vor Sonneneinstrahlung zu schützen.

Der Wal reagierte zeitweise auf die Annäherung der Helfer, schlug mit seiner Schwanzflosse und drehte sich um fast 90 Grad. Tierärztin Janine Bahr van Gemmert vom Robbenzentrum Foehr erklärte, dass solche Bewegungen ein Zeichen dafür seien, dass das Tier nicht verletzt ist. „Es gibt die Hoffnung und ich finde, die muss man nutzen“, sagte sie.

Kritische Stimmen und ethische Debatten

Die Rettungsaktion ist nicht unumstritten. Greenpeace äußerte Bedenken und beteiligt sich nicht an der Aktion. Eine Sprecherin der Umweltschutzorganisation verwies auf wissenschaftliche Gutachten, die die Erfolgsaussichten als gering und das Verletzungsrisiko als hoch einschätzen. Meeresbiologe Boris Culik begrüßte zwar den Rettungsversuch, wies jedoch auf das Hauptproblem hin: Netzreste im Maul des Wals, die seine Ernährung behindern. „Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?“, fragte Culik.

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gab es ebenfalls kontroverse Reaktionen. Der tierschutzpolitische Sprecher der Grünen, Harald Terpe, forderte eine fachliche Begleitung durch unabhängige Experten. Der AfD-Abgeordnete Thore Stein kritisierte den plötzlichen Sinneswandel des Umweltministers und warnte vor einer Verlängerung des Leidens des Tieres.

Auswirkungen auf die Inselbewohner

Die Rettungsaktion hat das Leben auf der Insel Poel drastisch verändert. Viele Schaulustige reisen aus ganz Deutschland an, was zu Verkehrsbehinderungen und Belastungen für die Anwohner führt. Der Ortseingang von Kirchdorf wurde abgesperrt, um Ruhe zu gewährleisten. Verstöße gegen die Sperrzone können mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Einige Bewohner leiden mit dem Wal und hoffen auf seine Rettung, während andere die negativen Auswirkungen der vielen Helfer und Medienvertreter beklagen. Dennoch herrscht vor Ort eine hoffnungsvolle Stimmung, als die Vorbereitungen für den Rettungsversuch weiterlaufen.

Die nächsten Stunden werden entscheidend sein, ob der ambitionierte Plan erfolgreich umgesetzt werden kann und der Buckelwal eine Chance auf ein Überleben in freier Wildbahn erhält.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration