Die Rettung des vor der Insel Poel in der Ostsee gestrandeten Buckelwals geht in die entscheidende Phase. Umweltminister Till Backhaus (SPD) gab am Dienstag grünes Licht für den Einsatz von Gurten, um das rund zwölf Tonnen schwere Tier auf einen Lastkahn zu ziehen. Die Tierärzte der privaten Initiative hatten den Wal zuvor für transportfähig erklärt.
Tag der Entscheidung auf Poel
Backhaus sprach von einem „Tag der Entscheidung“. Am Morgen hatte eine Lagebesprechung stattgefunden. „Wenn es hilft, diesem Tier aus dieser Situation zu helfen und das gering invasiv ist, dann prüfen wir das“, sagte der Minister. Er hoffe auf einen erfolgreichen Verlauf: „Für mich wäre es eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.“
Gurt statt Plane: Neues Konzept
Die Kleintierärztin Kirsten Tönnies erläuterte das Vorgehen: Der breite und flexible Gurt wird unter der Brust des Wals hindurchgeführt und hinten um die Flipper gelegt. Mehrere Helfer ziehen das Tier dann vorwärts durch eine gebaggerte Rinne zum Lastkahn. Sollte der Wal in Panik geraten, kann eine Seite losgelassen werden. Ursprünglich war geplant, den Wal rückwärts mit einer Plane in den Kahn zu bugsieren.
Zeitplan und Transport
Der Rettungsversuch soll zwischen 7 und 12 Uhr starten. Der Lastkahn, eine sogenannte Barge, war am Montag in Wismar eingetroffen und wurde für die Aufnahme des Wals vorbereitet. Ziel ist es, den Wal in dreieinhalb Tagen durch die Ostsee bis zur Nordsee bei Skagen zu schleppen. Dort soll sein Zustand bewertet werden.
Kritik von Experten
Der Meeresbiologe Fabian Ritter äußerte Skepsis. Der Gesundheitszustand des Wales sei prekär, und der Transport könne das Tier stark stressen. „Die Lautstärke wird sehr laut für den Wal. Wale leben in einer Welt des Schalls“, warnte er. Zudem fehlten Ergebnisse von Blutproben oder Analysen der Blasluft.
Ehrenamtliche Helfer im Einsatz
Die DLRG unterstützt die Aktion ehrenamtlich mit 15 bis 30 Einsatzkräften. Einsatzleiter Oliver Bartelt betonte, dass die DLRG maximal bis Mittwoch vor Ort bleiben werde. „Wir befinden uns nicht im Katastrophenschutzeinsatz“, erklärte er. Die Rettungsaktion wird von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert.
Wal zeigt Lebenszeichen
Der Wal atmet tief und ohne Geräusche, so die Tierärzte. Er hat jedoch deutlich an Gewicht verloren. Backhaus zeigte sich zuversichtlich: „Er wird von heute auf morgen jedenfalls nicht sterben.“ Sollte der Wal von selbst losschwimmen, wird er von Booten begleitet. Ein Peilsender funktioniert unter Wasser nicht, weshalb die Initiative einen wasserfesten Sender aus Kanada prüft.
Bisheriger Verlauf der Rettungsaktion
Seit Ende März treibt sich der etwa zwölf Meter lange Buckelwal in der Ostsee herum. Mehrfach strandete er auf Sandbänken. Eine private Initiative versucht seit über einer Woche, ihn zu retten. Helfer haben eine 110 Meter lange Rinne gebaggert, um den Wal zum Lastkahn zu leiten. Sandbeutel stabilisieren das Tier und verhindern, dass es weiter in flaches Wasser gerät.
Debatte um das richtige Vorgehen
Die Bilder des gestrandeten Wals hatten bundesweit Anteilnahme ausgelöst und eine Debatte über den Umgang mit gestrandeten Meeressäugern entfacht. Während die einen die Rettungsaktion für überzogen halten, sehen andere darin eine moralische Verpflichtung. Der Wal hat inzwischen viele Schaulustige angezogen, die die Absperrungen am Strand bevölkern.
Ausblick
Gelingt die Rettung, wäre es eine der aufwendigsten Walrettungsaktionen in der deutschen Ostsee. Der Transportkahn soll den Wal in die Nordsee bringen, wo er hoffentlich in Freiheit entlassen werden kann. Die nächsten Stunden werden zeigen, ob das Vorhaben erfolgreich ist.



