Neues Netzwerk in Rheinland-Pfalz stärkt Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
Von Panzern über Detektoren bis hin zu Drohnen – all diese Komponenten sind entscheidend für die Steigerung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. In einer Zeit geopolitischer Krisen rüsten nicht nur Deutschland, sondern auch andere Staaten kräftig auf, was ein lukratives Geschäft für Unternehmen verspricht. Um von diesem milliardenschweren Sondervermögen zu profitieren, hat sich in Rheinland-Pfalz ein neues Netzwerk etabliert, das Kräfte in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie bündeln soll.
Vernetzung von Start-ups bis zu Großkonzernen
Der neu gegründete SVI-Hub in Mainz, wobei SVI für Sicherheits- und Verteidigungsindustrie steht, vereint rund 30 Mitglieder. Dazu zählen Großunternehmen wie Daimler Truck mit seinem Werk in Wörth und die General Dynamics European Land Systems-Bridge Systems GmbH in Kaiserslautern, die militärische Brückensysteme herstellt. Ebenso sind kleinere, oft weniger bekannte Unternehmen vertreten, die in ihren Nischen teils Weltmarktführer sind. Das Spektrum reicht von Experten für Künstliche Intelligenz (KI) bis hin zu Spezialisten für CNC-Zerspanung zur Formung komplexer Bauteile.
Ergänzt wird das Netzwerk durch renommierte Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern. Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) bezeichnet den Hub als einen imaginären Ort für Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit, der neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen soll.
Unterstützung bei speziellen Anforderungen
Bei Rüstungsgütern gelten viele Anforderungen und Rahmenbedingungen, die sich vom zivilen Geschäft unterscheiden. Dazu gehören spezielle Vergaberichtlinien, Regeln für die Bevorratung, Genehmigungsfragen oder die Bereitstellung von Flächen für den Ausbau von Produktionskapazitäten. Der SVI-Hub soll hier unterstützen und die Sichtbarkeit rheinland-pfälzischer Unternehmen auf wichtigen Branchenmessen stärken. Zudem gilt es, Themen zu bündeln, um sie beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz zu platzieren.
Sebastian Lubig, Inhaber der Josef Lubig GmbH aus Deuselbach, betont, dass der Hub dabei hilft, Kooperationen zu schließen und Fähigkeiten zu entwickeln. Viele kleine und mittlere Unternehmen bilden den wehrtechnischen Mittelstand, der eine Schlüsselrolle in den Lieferketten spielt. Andreas Klüter, Chef der Empolis Information Management GmbH, sieht in dem Netzwerk einen wichtigen Impuls, der technologische Kompetenz, industrielle Erfahrung und sicherheitspolitische Anforderungen zusammenführt, um Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen.
Beispiel für Neugeschäft und etablierte Cluster
Ein Beispiel für ein Unternehmen, das Neugeschäft sucht, ist die Firma Premosys aus Kalenborn-Scheuern, die auf optoelektronische Messsysteme spezialisiert ist. Bislang bedient sie Kunden in der Auto-, Medizin- und Lebensmittelbranche, doch ihre Sensoren könnten auch für die Detektion von Kampfstoffen genutzt werden. Im Netzwerk sucht das Unternehmen nun nach Partnern.
Die Idee eines Clusters ist in Rheinland-Pfalz nicht neu. Bereits existieren Netzwerke wie das Commercial Vehicle Cluster Südwest (CVC) für den Nutzfahrzeugsektor und „BioVation RLP“ für die Biotechnologie. Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU) Rheinland-Pfalz, betont, dass solche Netzwerke Innovation und Wertschöpfung fördern können, wenn sie praxisnah ausgestaltet werden.
Der Gründung des SVI-Hubs gingen Treffen im Wirtschaftsministerium in Mainz voraus, bei denen auch Annette Lehnigk-Emden, Präsidentin des BAAINBw, anwesend war. Sie hob hervor, dass erweiterte Lieferantenstrukturen die Resilienz und Krisenreaktionsfähigkeit Deutschlands stärken. Für die langfristige Sicherung der Verteidigungsfähigkeit ist eine leistungsfähige und innovative Industrie sowie eine aufgeschlossene Forschungslandschaft essenziell, wofür der Austausch in Rheinland-Pfalz eine zentrale Rolle spielt.



