Sachsen-Anhalts Ausbildungsmanager: Brückenbauer für den erfolgreichen Berufsstart
Der Übergang von der Schule in den Beruf stellt für viele junge Menschen in Sachsen-Anhalt eine große Hürde dar. Zu häufig scheitern Jugendliche an dieser Schwelle oder brechen ihre Ausbildung bei ersten Problemen ab. Organisatorische Überforderung, fehlende familiäre Unterstützung oder Sprachbarrieren sind nur einige der Gründe. Ausbildungsmanager wie Heidi Bree setzen genau hier an und begleiten Schüler und Azubis auf ihrem Weg in die Arbeitswelt.
Persönliche Betreuung als Schlüssel zum Erfolg
„Meine Idee ist, dass du das einfach mal praktisch ausprobierst. Da kümmere ich mich drum“, sagt Ausbildungsmanagerin Heidi Bree zum 19-jährigen Jerome, der kurz vor seinem Schulabschluss steht und ein Praktikum als Verwaltungsfachangestellter anstrebt. Dreimal klopft es vorsichtig an ihrer Tür, dann betritt der junge Mann mit einem Lächeln im Gesicht ihr Büro. Diese persönliche, direkte Ansprache ist charakteristisch für die Arbeit der 22 geplanten Ausbildungsmanager im Land, von denen viele bereits in den Landkreisen aktiv sind.
„Junge Menschen lernen oft nicht mehr, schwierige Situationen zu meistern“, erklärt Bree ihre Motivation. Die 46-Jährige, die beim Landkreis Stendal angestellt ist, hat bereits rund 50 Jugendliche betreut. Ihr erster Fall war eine Auszubildende im dritten Lehrjahr, die sich mit ihrem Betrieb überworfen hatte. Mit wenigen Telefonaten bei der zuständigen Kammer konnte Bree das Problem lösen und einen neuen Ausbildungsplatz vermitteln.
5,28 Millionen Euro für nachhaltige Vernetzung
Bis 2028 stehen für das Ausbildungsmanagement in Sachsen-Anhalt Fördermittel in Höhe von 5,28 Millionen Euro zur Verfügung, wobei ein Großteil aus europäischen Geldern stammt. Die Manager sollen Förderbedarfe ermitteln, Unterstützungsmaßnahmen organisieren und die Vernetzung zwischen Schulen und Ausbildungsbetrieben entscheidend verbessern. „Das Ausbildungsmanagement ist sehr gut angelaufen“, betont Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). „Die Rückmeldungen aus Berufsschulen, von Kammern, Betrieben und Auszubildenden zeigen, dass das Angebot auf einen echten Bedarf trifft.“
Diese Einschätzung teilt Jens Schößler, Leiter des Berufsschulzentrums Stendal mit etwa 2.300 Schülern. „Das ist der Baustein, der bei uns noch gefehlt hat“, sagt er. Die spezifischen Aufgaben der Ausbildungsmanager könnten weder Lehrer noch Schulsozialarbeiter in diesem Umfang übernehmen.
Individuelle Lösungen für komplexe Herausforderungen
Jeromes Fall zeigt, wie vielschichtig die Unterstützung sein kann. Der 19-Jährige wohnt allein und erhält keine familiäre Unterstützung. Während einige Schulfächer gut laufen, bereiten ihm andere Schwierigkeiten. Neben der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf hilft ihm Heidi Bree dabei, Finanzierungsmöglichkeiten für Nachhilfestunden in Mathematik zu klären. „Wer ist im Jobcenter dein Ansprechpartner?“, fragt sie und notiert sich den Namen.
„Krass“, reagierte Jerome, als er von diesen Unterstützungsmöglichkeiten erfuhr. „Ich kann da mal vorfühlen, wenn du einverstanden bist“, bietet Bree an. Der junge Mann nickt zustimmend. Anschließend bespricht die Ausbildungsmanagerin mit ihm Alltagsroutinen, die ihm beim Lernen und in der Organisation helfen sollen.
Demografischer Wandel als zusätzliche Motivation
Arbeitsministerin Grimm-Benne unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung des Programms: „Jede abgebrochene Ausbildung bedeutet eine vertane Chance für den Einzelnen, aber auch für unsere Wirtschaft. Niemand darf auf dem Weg zur Fachkraft verloren gehen.“ Angesichts des demografischen Wandels sei es eine zentrale Aufgabe, alle Beschäftigungspotenziale für die Betriebe des Landes zu erschließen.
Heidi Bree versteht sich selbst als „Lernprozessbegleiterin“. Nach einem eigenen schwierigen Start ins Berufsleben liegt ihr die Förderung von Schülern und Auszubildenden besonders am Herzen. „Ich will die sein, die an die jungen Menschen glaubt“, sagt sie. Wenn ein weiterer Schritt erreicht ist, schreibt sie ihre Schützlinge über die Schul-App an und vereinbart neue Termine – wie bald mit Jerome für die Bewerbung um sein Praktikum.



