Sachsen-Anhalts Polizei: Immer mehr Beamte schieben Ruhestand freiwillig hinaus
Immer mehr Polizisten in Sachsen-Anhalt arbeiten länger

Sachsen-Anhalts Polizei: Immer mehr Beamte schieben Ruhestand freiwillig hinaus

Eine wachsende Zahl von Polizeibeamtinnen und -beamten in Sachsen-Anhalt entscheidet sich dafür, ihren Ruhestand freiwillig hinauszuschieben und länger im Dienst zu bleiben. Während im Jahr 2022 noch 69 Polizeivollzugsbeamte einen entsprechenden Antrag stellten, waren es im Jahr 2025 bereits 98 Anträge. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine kleine Anfrage hervor, die ursprünglich vom kürzlich verstorbenen SPD-Abgeordneten Rüdiger Erben eingereicht wurde.

Steigende Zahlen bei Anträgen und Bewilligungen

Die Entwicklung zeigt einen klaren Aufwärtstrend. Im Jahr 2022 wurden 65 Anträge auf Verlängerung der Dienstzeit bewilligt, 2023 waren es 68 Bewilligungen. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der bewilligten Anträge deutlich auf 85. Für das vergangene Jahr 2025 liegen bereits 83 Bewilligungen vor, während sechs Anträge noch offen sind.

Polizeivollzugsbeamte in Sachsen-Anhalt haben die Möglichkeit, ihren Ruhestand um jeweils ein Jahr und insgesamt bis zu drei Jahre hinauszuschieben, sofern ein dienstliches Interesse besteht. Diese Regelung wird zunehmend genutzt.

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Gewerkschaft sieht persönliche und finanzielle Gründe

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bewertet die Zahlen als relativ hoch. Es handelt sich dabei stets um eine persönliche Entscheidung der Beamten, betont die Gewerkschaft. Als mögliche Beweggründe nennt die GdP finanzielle Aspekte. Viele der betroffenen Polizisten gehören zu Altersgruppen, die bereits zu DDR-Zeiten im Beruf waren und nicht ihr gesamtes Erwerbsleben als Beamte verbracht haben. Das Weiterarbeiten lohnt sich finanziell, da eine Zulage von zehn Prozent gezahlt wird.

Aber auch das private Umfeld spielt eine Rolle. Viele Polizisten möchten gemeinsam mit ihrem Partner in den Ruhestand wechseln, erklärt die GdP. Da viele Beamte regulär mit 62 Jahren ausscheiden, fühlen sich zahlreiche von ihnen noch fit und haben wertvolles Wissen weiterzugeben. Die Gewerkschaft betont jedoch, dass im Vordergrund stehen muss, ausreichend neues Personal einzustellen, um ausscheidende Kollegen rechtzeitig zu ersetzen.

Personalpolitischer Wandel: Viele Neueinstellungen seit 2019

Das Innenministerium Sachsen-Anhalt verweist auf einen deutlichen personalpolitischen Wandel. Seit dem Jahr 2019, das als „Jahr der personalpolitischen Trendwende“ bezeichnet wird, wurden insgesamt 2.813 Neueinstellungen vorgenommen. Das bedeutet, dass rund 44 Prozent der heutigen Polizeivollzugsbeamten in den letzten Jahren ihren Dienst in der Landespolizei begonnen haben.

Gleichzeitig ist der Anteil junger Kolleginnen und Kollegen deutlich gestiegen. Die hohe Zahl an Neueinstellungen sorgt für frische Impulse und stärkt die Zukunftsfähigkeit der Polizei, so das Ministerium. Durch die freiwillige Verlängerung der Dienstzeit bleibe jedoch langjährige Expertise und bewährtes Praxiswissen erhalten. Dieses Zusammenspiel aus jungen Nachwuchskräften und erfahrenen Beamten schaffe einen stabilen und leistungsfähigen Generationenmix.

Innenministerin Zieschang begrüßt den Generationenmix

Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) äußert sich positiv zu dieser Entwicklung: „Gerade weil der Anteil junger Kolleginnen und Kollegen inzwischen so hoch ist, freut es mich umso mehr, dass viele Beamtinnen und Beamte sich freiwillig entschieden haben, über die reguläre Arbeitszeit hinaus weiterzuarbeiten.“

Sie betont, dass diese Beamten ihre wertvolle Berufserfahrung weiterhin in den Dienst der Landespolizei stellen und damit einen wichtigen Beitrag zu einem guten Ausgleich und einem ausgewogenen Miteinander von jungen und erfahrenen Kollegen leisten. Dieser Generationenmix wird als entscheidend für die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Polizei in Sachsen-Anhalt angesehen.

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